Donnerstag 29. Juni 2017
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Mag. Elisabeth Mayr

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Angst essen Seele auf
Das Wesen der Angst ist es, gegen Vernunft und Argumente weitgehend immun zu sein. Daher empfiehlt die biblische Religion auch einen Alternativen Weg aus der Angst: Nähe
Leitartikel Mai/Juni 2017
von Chefredakteur Henning Klingen
Angst essen Seele auf
Das Wesen der Angst ist es, gegen Vernunft und Argumente weitgehend immun zu sein. Daher empfiehlt die biblische Religion auch einen Alternativen Weg aus der Angst: Nähe
Leitartikel Mai/Juni 2017

von Chefredakteur Henning Klingen

In unserem Kleiderschrank versteckt sich ein Wolf. Zumindest abends, wenn es dunkel wird. Davon ist meine Tochter überzeugt. Kein gemeinsames Schrank-Öffnen, keine Beteuerung, dass darin nur Wäsche hängt, kann ihr in den Momenten die Angst nehmen. Denn Angst ist fast immer irrational – und eine gewaltige Kraft, die unser sonst so auf Sicherheit bedachtes Leben aus den Fugen geraten lässt. Angst essen Seele auf. Appelle, Erklärungen, Versprechen – all das bringt nichts, wenn sich einmal die Angst hineingefressen hat in unser Herz. Das gilt im Kinderzimmer, aber auch im öffentlichen Leben.

Tatsächlich scheint das zeitdiganostische Zentralmotiv der letzten Jahre – das Wort "Krise" – inzwischen ein Geschwisterchen bekommen zu haben – die Angst: Wir fürchten uns vor Arbeitslosigkeit, vor dem sozialen Abstieg, vor dem Krieg, manch einer fürchtet sich vor dem Fremden – sei es in Gestalt des Flüchtlings oder in Gestalt des Islam. Wo diese Angst keine Ausdrucksform findet, da sucht sie nicht selten ein Ventil in Form von Gewalt.

Es ist das Wesen dieser Angst, gegen Vernunft und Argumente immun zu sein. Ich kann mir noch so oft sagen, dass Darth Vader eine Fantasiegestalt in einem absurden Science-Fiction-Film ist – wenn düstere Musik und seine tiefschwarze Maske zusammenkommen, schaudert’s mich jedes Mal. Solche Urängste schlummern in uns allen – und sie haben auch ihr Gutes, denn sie raten zur Vorsicht, zur Flucht statt zu einem vielleicht aussichtslosen Kampf. Letztlich kann Angst somit auch der doppelte Boden der Vernunft sein: die Stimme der Vernunft jenseits unseres Verstandes.

Und die Bibel? Die Kirche? Der Papst? Sie alle appellieren in unterschiedlichen Schattierungen, mutig zu sein, nicht zu verzagen. Aber machen Appelle dieser Art Sinn, wenn die Angst sich bereits tief in unsere Herzen und Seelen gegraben hat? Ja, es macht Sinn. Denn die biblische Religion bleibt nicht beim bloßen Appell stehen. Sie weist einen Weg aus der Angst, der gleichsam ein Weg mitten ins Leben hinein ist: Es sind dies Nähe, Zärtlichkeit, Liebe.

"Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott", heißt es beim Propheten Jesaja. Angst wird nicht bagatellisiert, sie wird geteilt! "Ich bin mit dir" – ein revolutionäres Sozialprogramm gegen Angst und Aggression. Gewiss, das macht Angst nicht wett, aber es hilft, sie zu ertragen, sie gemeinsam zu schultern. Nichts anderes fordert meine Tochter ein, wenn wieder mal der Wolf an der Schranktür kratzt: "Papa, bleib bei mir."

 

100:1 ist deprimierend
Aus dem Seitenschiff - von Georg Plank
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
100:1 ist deprimierend
Aus dem Seitenschiff - von Georg Plank
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

Angeblich braucht man im Schnitt zehn gute Ideen, damit eine davon schlussendlich umgesetzt wird. Das wissen nicht nur Unternehmer, sondern auch viele Kirchenengagierte. Was vielen nicht bewusst ist: Von zehn umgesetzten Ideen scheitern noch einmal 90 Prozent! Obwohl bereits Arbeitszeit, Mittel und Energie eingesetzt werden, kommt es nicht zu den angestrebten Wirkungen.

Während die einen ob solcher Statistiken resigniert meinen: "100:1 ist deprimierend!", lassen sich andere nicht unterkriegen. Sie lassen sich von der Natur inspirieren. Jeder Löwenzahn verbreitet Millionen von Fallschirmchen, in jedem Bienenstock braucht es ein Vielfaches an Eiern für ausreichenden Nachwuchs, und Millionen von Spermien kämpfen um den einen Platz im Ei.

Im allerersten Gleichnis Jesu geht es um einen ähnlich verschwenderischen Sämann (Markus 4,1-9). In den Augen damaliger Landarbeiter war dieser Sämann verrückt. Kein vernünftiger Mensch würde bei einem damals realistischen Ernteertrag von 4-6 Körnern pro Ähre mit dem kostbaren Samen so verschwenderisch umgehen und ihn einfach überallhin werfen! Und um das Fass voll zu machen, verheißt dieser crazy Jesus auch noch 30-, 60-, ja 100fache Frucht!

Innovative Teams sind genauso verrückt. Sie schmeißen mit Ideen verschwenderisch um sich, es macht ihnen nichts aus, wenn aus den meisten nichts wird, der oder die einzelne ist nicht beleidigt, wenn seine oder ihre Idee es nicht schafft. Hauptsache, es gibt Frucht: konkrete Lösungen, Wachstum und Leben. Wer Ohren hat zum Hören, der höre!

Ehrensache Ehrenamt

Gute Vorsätze

Rund 3,3 Millionen Österreicherinnen und Österreicher engagieren sich ehrenamtlich - und sie leisten damit letztlich einen wertvollen Dienst an der Demokratie selbst.

 

Leitartikel von Chefredakteur Henning KlingenWissen Sie noch, was Sie am 5. Dezember getan haben? Waren Sie bei der Arbeit, haben sich um die Familie, die Kinder gekümmert. Oder haben Sie sich ehrenamtlich für Flüchtlinge, Obdachlose oder kranke Menschen engagiert? Dann jedenfalls war dieser 5. Dezember ein Feiertag nur für Sie – und für stolze 3,3 Millionen Menschen in Österreich. Denn es war der "Internationale Tag des Ehrenamtes". Seit 1986 dient er dazu, für das Ehrenamt zu werben. Und dies offenbar mit Erfolg, denn laut Freiwilligenbericht leisten 46 Prozent der Bevölkerung Freiwilligenarbeit. Woche für Woche im Ausmaß von 8 Millionen Stunden.

 

Ich bin an jenem 5. Dezember wie jeden Morgen ins Büro gefahren. Am Wiener Westbahnhof steige ich dazu um. Es sind noch keine eineinhalb Jahre her, da wurde genau dieser Bahnhof zu einer Drehscheibe der österreichischen Flüchtlingshilfe. Zigtausende Flüchtlinge kamen dort an, suchten nach Familienangehörigen, nach Ladestationen für ihre Handys, nach Auskunft und Hilfe. All dies bekamen sie aus den Händen von freiwilligen Helfern, viele davon Helfer der Caritas. Es wurden Wochen der Gnade, wurde in ihnen doch ein Geist der Solidarität spürbar, der sich dem schlichten Bedürfnis verdankte, anderen Menschen helfen zu wollen. Die vielbesungene Willkommenskultur – sie war und ist eine Kultur des Ehrenamtes. Wer diese jetzt diskreditiert, der diskreditiert damit auch all jene, die sich freiwillig für andere Menschen einsetzen.

 

Gewiss, man sollte das Loblied auf das freiwillige Engagement nicht blauäugig anstimmen. Denn tatsächlich wird dem Ehrenamt gerade dort hofiert, wo sich der Staat aus der Verantwortung stehlen möchte. Flüchtlingshilfe etwa sollte nicht von Ehrenamtlichen erledigt werden müssen – schließlich ist sie eine vorrangige Aufgabe humanitärer Hilfe, zu der sich die Republik international verpflichtet hat. Auf der anderen Seite braucht der Staat Motoren des Gemeinwohls und Oasen der Nächstenliebe als Korrektiv – eben Ehrenamtliche –, ohne die er zu einem seelenlosen Instrument der Polit-Pragmatiker werden würde.

 

Wenn Sie also noch nach einem Vorsatz für's neue Jahr suchen, dann werden Sie doch Teil jener großen Bewegung, die aus der freiwilligen Arbeit auch ein hohes Maß an Glück und persönlicher Zufriedenheit schöpft! Die Kirche bietet eine breite Palette an Möglichkeiten des Engagements – von der Caritas bis hin zur Pflege, von der Pfarre bis zum Ordensbereich. Denn für Christen sollte das Ehrenamt Ehrensache sein.

 

Henning Klingen

Chefredakteur

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Jänner/Februar

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