Sonntag 24. September 2017
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Einsam, gemeinsam
Leitartikel September/Oktober
Leitartikel September/Oktober 2017
von Chefredakteur Henning Klingen
Einsam, gemeinsam
Leitartikel September/Oktober
Leitartikel September/Oktober 2017

von Chefredakteur Henning Klingen

 

Einsam ist es an diesem Augustmorgen im Salzburger Dom. Kaum ein Mensch verirrt sich in der Früh in das imposante Gotteshaus im Herzen der Stadt. Das warme Sommerlicht flutet den Raum, der flüchtige Geruch von Weihrauch liegt noch in der Luft. Ich setze mich in eine Bank. Einsame Ruhe. Ich murmle ein Vater unser, schließe die Augen. Und empfinde die Leere des Raumes plötzlich als gottvoll. Ganz anders offenbar die Schulklasse, die von hinten in das Hauptschiff der Kirche poltert. Lautes Lachen, Handys werden gezückt, Selfies geschossen. Plötzlich ist meine Laune dahin. Die Kirche menschenvoll aber gottleer.

 

Doch stimmt das? Ist es tatsächlich so einfach, Gott zu lokalisieren? Vom Propheten Elija berichtet die Bibel, er habe erkannt, dass Gott nicht im Erdbeben und nicht im Sturm war, sondern in einem sanften, leisen Säuseln. Aber es gibt auch die andere Erfahrung – jene nämlich, dass sich Gott mit Pauken und Trompeten Bahn bricht, dass er die Massen bewegt, dass der göttliche Funke überspringt, wo nicht nur zwei oder drei, sondern hunderte, tausende zusammenkommen. Wie an Weltjugendtagen.

 

Es liegt offenbar wesentlich an uns selbst, ob wir die Erfahrung des Göttlichen zulassen wollen. Gott enthüllt sich nicht jedem – er ist stets auch der „deus absconditus“, der verborgene, ja, abwesende Gott. Der Dom ist per se so wenig ein „heiliger Ort“ wie ein Fußballstadion per se ein areligiöser Ort ist. Nicht der Ort trägt den Geist, sondern der Geist stellt sich ein, wo Menschen sich – egal an welchem Ort – dafür öffnen. So kann Gott im leisen Säuseln des Windes genauso empfunden werden wie inmitten einer freudentrunkenen Masse an Fußballfans.

 

Ist die Erfahrung des Religiösen also nur eine neuronale Illusionskulisse, die sich durch unsere Erwartungshaltungen und Sehnsüchte stimulieren lässt? Zeigt sich Gott nur, weil ich es so erwarte? Nein, denn religiöse Erfahrung mündet, ja bewährt sich stets in Taten. Sie spielt sich nicht nur im Kopf ab, sondern zeigt sich darin, dass Menschen anders werden, wenn sie Gott erfahren haben. Das ist keine Illusion, sondern Realität. Das Bekenntnis zum Christentum ist ein Bekenntnis zur Tat – und Taten tut man nicht allein. Sie zielen auf Gemeinschaft.

 

Ich schließe die Augen und lasse die Schülergruppe vorüberziehen. Drei von ihnen bleiben zurück. Sie entzünden eine Kerze und setzen sich still in eine Bank. Ich bin beschämt. Meine Vorurteile demaskiert. Und ich wieder mal belehrt, dass sich der Geist nicht einsperren, nicht einzwängen lässt in unsere Erwartungen und vermeintlichen Gewissheiten.

Lasst Laien predigen!
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Lasst Laien predigen!
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

 

 

Papst Franziskus fordert die Bischöfe oft auf, mutige Ideen zu diversen Problemen einzubringen. Wie die biblischen Weisen ist er offen für konstruktive Vorschläge aller Mitglieder des Gottesvolkes. Hier also ein konkreter Vorschlag: Da die Predigt ein maßgeblicher Innovationsfaktor ist, sollten Menschen mit entsprechendem Talent diesen Dienst ausüben – auch und gerade in der Eucharistiefeier. Denn gutes Predigen ist ein Schlüsselfaktor, um Menschen für das Evangelium zu begeistern.

 

Laut Kirchenrecht (Canon 767) ist die Homilie in der Hl. Messe geweihten Amtsträgern vorbehalten. Die Instruktion "Ecclesia de Mysterio" von Papst Johannes Paul II zählt jedoch Möglichkeiten auf, wie Laien dennoch beteiligt werden können. Pastorale Gründe sind entscheidend. Die Instruktion legt fest: "In den Vorschriften der Bischofskonferenz … müssen die Kriterien genannt werden, die dem Diözesanbischof helfen, geeignete pastorale Entscheidungen zu treffen." Jeder Christ hat ja Anteil am kirchlichen Dienst und damit auch am Verkündigungsdienst inkl. der Predigt. Canon 766 besagt daher, dass Laien zur Predigt zugelassen werden können.

 

Für den Spezialfall Eucharistiefeier könnten die deutschsprachigen Bischöfe eine Sonderregelung vorschlagen. Denn unter den pastoralen Mitarbeitern gibt es viele Männer und Frauen, die die Gabe der Predigt geschenkt bekommen haben und sie für den Aufbau des ganzen Leibes einsetzen sollen. Überdies sind sie wohl kaum als Laien zu sehen: Sie üben ihren Dienst hauptberuflich aus, sind vom Bischof gesendet und fachlich qualifiziert.

 

Georg Plank

Pastoralinnovation

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Juli/August2017

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Themen & Schwerpunkte

Leben in der „Doppelmühle“

Seit fast 20 Jahren führt Othmar Karas ein Leben auf der Überholspur: zerrissen zwischen Brüssel, Straßburg und seiner österreichischen Heimat und Familie. Ruhe und Entspannung findet er im Sommer u. a. am Attersee.

 

Jeder von uns kennt das Zitat „In der Ruhe liegt die Kraft“, das von dem chinesischen Philosophen Konfuzius (551–479 v. Chr.) stammt. Sie werden mir sicherlich zustimmen, wenn ich sage, dass diese Lebensweisheit auch heute noch große Gültigkeit besitzt. Oftmals frage ich mich aber: Wie kann man heutzutage, in einer Zeit in der sich die Welt immer schneller zu drehen scheint, in der unterschiedliche Zeitzonen und Sprachen immer weniger eine Rolle spielen, man immer und überall mobil erreichbar ist, überhaupt zur Ruhe kommen?

 

Wenn man bedenkt, dass die Nachricht von der Ermordung Abraham Lincolns 1865 zwölf Tage von Amerika bis nach Europa brauchte, knapp 150 Jahre später hingegen Nachrichten, Fakten und Gerüchte über das Internet in Echtzeit geteilt und weltweit verbreitet werden, ist zur Ruhe zu kommen gar kein einfaches Unterfangen. Die Welt ist zum globalen Dorf geworden. Wir alle sitzen erste Reihe fußfrei und sind quasi immer live dabei, ob wir wollen oder nicht. Diese Entwicklung hat unser Leben völlig verändert – beruflich wie privat. Wir alle stehen unter dem großen Druck, schneller kommunizieren und handeln zu müssen als vor einigen Jahren.

 

Gemeinsam Stärke zeigen

 

Auch die Herausforderungen, mit denen wir in der heutigen Zeit konfrontiert sind, sind keinesfalls klein: die vielschichtige Migrationsthematik, die bevorstehenden Austrittsverhandlungen des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen EU-Mitgliedsstaaten, die Terrorismusbedrohung, die Erreichung der Klima- und Umweltziele bei Erhalt des europäischen Wirtschaftsstandortes, um nur einige Beispiele zu nennen. Diesen Themen gemein ist, dass sie von keinem Staat alleine bewältigt werden können. Sie brauchen Verständigung und Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinweg.

 

Auch wird sich Europa in den kommenden Jahrzehnten demografisch stark verändern: Stellten wir Anfang des 20. Jahrhunderts noch etwa 20 Prozent der Weltbevölkerung, sind wir derzeit knapp sieben Prozent. Bis Ende des 21. Jahrhunderts werden wir – ohne Migration – nur mehr knapp vier Prozent sein. Auch wird der Anteil der erwerbsfähigen Personen in Europa bis zum Jahre 2050 schätzungsweise um 15 Prozent zurückgehen. Faktum ist, Europa wird weltweit an wirtschaftlichem Gewicht verlieren. Das bedeutet aber nicht, dass jede Aufgabe, die sich stellt, europaweit geregelt werden muss. Ganz im Gegenteil! Vielmehr geht es darum, dass Europa handlungsfähig ist, gemeinsam an einem Strang zieht und die Kräfte bündelt. Die EU muss zur Sprecherin des Kontinents in der Welt werden. Seit Langem setze ich mich genau dafür ein.

 

Leben in ständiger Bewegung

 

Seit 1999 bin ich im Europaparlament tätig und habe schon im Jahre 1985 für Österreichs Beitritt zur Europäischen Union geworben. Damals wie heute bin ich überzeugt, dass die Zukunft Österreichs eng mit der Stärke Europas in der Welt verbunden ist. Österreich und die EU bedingen einander. Der Slogan aus meinem Europawahlkampf 2014, „Weil ich Österreich liebe, arbeite ich für ein besseres Europa!“, ist mein Motto.

 


Von Othmar KarasAls Abgeordneter zum Europäischen Parlament würde ich mich als klassischen Pendler beschreiben – pendelnd zwischen den Parlamentssitzen in Straßburg und Brüssel und Österreich, wo sich mein Wahlkreis befindet, aber auch meine Familie lebt. Mein Beruf bringt leider auch mit sich, dass ich sehr oft von meiner Familie getrennt bin – öfter, als mir lieb ist.

 

Mit meiner Tätigkeit befinde ich mich in einer „Doppelmühle“: Um auf europäischer Ebene mitgestalten und mitentscheiden zu können, ist es unerlässlich, dass ich meine Standpunkte in Brüssel und Straßburg vertrete. Auf der anderen Seite kann ich den Bürgerinnen und Bürgern die Europäische Union und meine Anliegen nicht näherbringen, wenn ich nicht auch zu Hause lebe. So verbringe ich sehr viel Zeit nicht nur in Ausschusssitzungen, beim Studieren der verschiedenen Positionen und Gesetzestexte, bei Besprechungen, Diskussionen und Gesprächen mit Bürgern, sondern auch sehr viel Zeit unterwegs – sei es im Flieger, im Zug oder im Auto.

 

Digitale Entziehungskur

 

Da ich sehr daran gewöhnt bin, ständig in Bewegung zu sein, muss ich mich Anfang der parlamentsfreien Zeit Mitte Juli erst an die Ruhe gewöhnen. Um ehrlich zu sein, muss ich mich besonders in den ersten Tagen ohne Sitzungen und übervollen Terminkalender oft selbst ermahnen, nicht ständig meine E-Mails zu verfolgen oder das Telefon abzuheben. Wenn Sie so wollen, ist das eine Miniversion einer digitalen Entziehungskur für mich. Da mein Sohn aber Mitte Juli Geburtstag hat, ist seine Geburtstagsfeier ein liebgewonnenes Ritual, um bewusst in die Sommerpause zu starten.

 

Für die Zeit, die ich im Sommer im Kreise meiner Familie verbringen darf, bin ich besonders dankbar. Gerade weil wir uns während des Jahres nur an den Wochenenden sehen, tut es uns allen ungemein gut, Alltag zu leben. Daraus schöpfe ich das ganze Jahr über Kraft. Auch mit Vertrauten unsere Freundschaft wieder intensiver pflegen zu können, bedeutet mir sehr viel.

 

Etwas, das ebenfalls das ganze Jahre über zu kurz kommt, ist Bewegung in der freien Natur. Die ausgedehnten Spaziergänge durch den duftenden Wald, das Schwimmen im erfrischenden Attersee, Rad zu fahren, in die Abendsonne zu blicken, zu lesen, zu faulenzen, Musik zu hören, zu laufen, mit dem Ruderboot hinauszufahren – all das regt mich zum Nachdenken an. Die Distanz hilft, über Vergangenes zu reflektieren und neue Ideen zu sammeln. Oftmals setze ich mich im Anschluss an die Zeit draußen an den Schreibtisch und schreibe mir meine Gedanken von der Seele. Die Zeit in der Natur ist für mich unglaublich inspirierend und heilend.

 

Dieser Ruhe, dieser Quelle der Erholung und Inspiration bin ich mir vielleicht nur deshalb so bewusst, weil auch ich die Zeit der „Unruhe“ intensiv erleben darf und sehr schätze.      

 

Othmar Karas

 

Othmar Karas ist seit 1999 Abgeordneter zum Europäischen Parlament. Von 2012 bis 2014 war der VP-Politiker einer dessen Vizepräsidenten. Seit 1998 ist er außerdem Präsident des Hilfswerks Österreich.

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Juli/August 2017

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