Freitag 23. Februar 2018
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Mag. Elisabeth Mayr

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Gott sei Dank!
Leitartikel Jänner/Februar 2018
von Chefredakteur Henning Klingen
Gott sei Dank!
Leitartikel Jänner/Februar 2018

von Chefredakteur Henning Klingen

Eigentlich ist es ein Leichtes, ein Editorial zum Thema Dankbarkeit zu schreiben. Schließlich gibt es genügend Dinge, für die man dankbar sein darf: für die eigene Gesundheit, für eine wunderbare Familie, dafür, einen Job in einem der sichersten und reichsten Länder der Welt zu haben, in einer intakten ökologischen und sozialen Umwelt zu leben, und, und, und. Doch gleich schleicht sich das Unbehagen hinein: Ist dieser Blick auf das je eigene Glück nicht viel zu begrenzt? Blendet er nicht das überbordende Unglück in dieser Welt aus und verleitet zur Selbstzufriedenheit? Und lässt ein solcher Blick nicht außer Acht, auf welch dünnem Eis man sich mit diesem unverdienten Glück bewegt? So verlangt eine ihrer Unschuld entkleidete Lebensdankbarkeit vor allem nach einem: Demut. 

 

Es drängt sich aber noch eine weitere Frage auf, die den Bereich des Religiösen berührt: Wer ist eigentlich Adressat dieser Dankbarkeit? Macht Danken nicht nur einen Sinn, wenn mein Dank ein Gegenüber findet? Ein Gegenüber, dem ich etwas ver-danke? Religiös gestimmte Menschen werden sich nicht schwertun, diesen Dank gen Himmel zu schicken und ihre Dankbarkeit etwa in ein Dankgebet kleiden. Was aber machen Agnostiker, Atheisten in diesem Fall? Danken sie dem Schicksal? Oder ist Lebensdankbarkeit keine Kategorie für sie? Wäre dies vielleicht ein lebensweltlich geerdeter Ansatzpunkt für einen neuen Dialog zwischen Glaubenden und Nicht-Glaubenden fernab jeder staubtrockenen Naturwissenschaft vs. Religion-Debatte?

 

Dankbarkeit ist keine Kopfgeburt – sie stellt sich ein, flutet das Herz wie die Erfüllung eines sehnliches Wunsches in Kindertagen. Insofern ist niemand, auch kein sich noch so vehement agnostisch gebender Mensch, vor ihr gefeit. Manchmal ist es nur ein kurzer Moment, der jedoch die Welt und deren oft so mühsamen Verhältnisse in ein anderes, neues Licht rückt. Wer sich – und sei es auch nur für diesen kurzen Moment – verdankt weiß, wer sein Leben in die Hände eines anderen legen kann, dem wird diese Dankbarkeit gleichsam zur Labsal für eine säkular ausgetrocknete aber nach Mehr dürstenden Seele. Kein Gottesbeweis, gewiss, aber doch ein tief im Menschen verborgener Funke jenes Urvertrauens, welches uns der Alltag so oft raubt.

 

In diesem Sinne würde ich Dankbarkeit tatsächlich mit der britischen Schriftstellerin Charlotte Brontë (1816-1855) als „göttliches Gefühl“ beschreiben: „Sie erfüllt das Herz, aber nicht bis zum Zerspringen; sie erwärmt es, aber nicht bis zum Fieber wie andere Gefühle“. 

Wie die Grünen!
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Wie die Grünen!
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

 

Das Wahlergebnis der Grünen bei den Nationalratswahlen wurde mittlerweile intensiv analysiert. Was könnte die katholische Kirche in unserem Land daraus lernen? Die Grünen wähnten sich im Besitz der richtigen gesellschaftspolitischen Diagnose und zugleich der Therapie, also der Politik, die angesichts aktueller Herausforderungen angemessen wäre. Die mangelnde Akzeptanz durch die Wähler begründet man mit einem zweifachen Kommunikationsproblem. Teilweise seien die Leute zu „deppert“ (Originalton Wiener Bürgermeister), teilweise müsse man die eigene Kommunikation verbessern, die „Sprache der Menschen“ wieder lernen etc.

 

Auch die Kirche sieht sich als Trägerin der Wahrheit, der zeitlos gültigen Frohen Botschaft, und ist überzeugt, dass das Befolgen derselben die beste Therapie für die vielen individuellen und sozialen Probleme – lokal und global – wäre. Daher reagiert auch sie gekränkt auf die schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung, die sich nicht nur in Austritts- oder Messbesuchszahlen widerspiegelt, sondern im massiven Relevanzverlust, der sich in der konkreten Art und Weise ausdrückt, wie Menschen tatsächlich leben und handeln. Auch sie will sich in bessere Kommunikationskonzepte retten, ohne zu hinterfragen, ob die Prämisse dafür noch stimmt. Gerne wird zwar Klaus Hemmerle zitiert: „Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.“ Wird das auch glaubwürdig und wirkungsvoll gelebt?

Georg Plank

Pastoralinnovation

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Jänner/Februar 2018

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Themen & Schwerpunkte

Morgen könnte es zu spät sein ...

Was bedeutet die biblische Rede von der nahenden Gottesherrschaft? Es steht nicht in unserer Macht, das Reich Gottes herbeizuführen – und doch fordert es uns zum Handeln heraus – hier und heute.

 Morgen könnte es zu spät sein

 

Der Rhythmus der Natur prägt uns. Unser Leben ist selbst ein Teil des Rhythmus der Natur mit ihrem Kreislauf von Werden und Vergehen. Dieser Kreislauf, wie er sich insbesondere in den Jahreszeiten abbildet, war und ist auch für Religionen prägend. Es ist kein Zufall, dass wir Weihnachten feiern, wenn nach dem dunkelsten Tag des Jahres die Tage gerade eben wieder länger werden, und Ostern im Frühling. Und doch: Würden wir Weihnachten ausschließlich als Geschenk wiederkehrenden Lichtes und Ostern als Feier des frühlingshaften neuen Lebens begreifen, wäre das viel zu wenig.

 

Bei aller Anbindung an die natürlichen Abläufe des Lebens ist die entscheidende Kategorie im Christlichen das Wirken Gottes in der Geschichte. Dieses Wirken ist einmalig und endgültig in dem Sinne, dass es keine Wiederholung, Fortsetzung oder Ergänzung benötigt.  Unter diesem Zeichen des „Ein für alle Mal“ steht unsere Erlösung. Diese Linearität ablaufender Zeit, die jedes Geschehen unwiederholbar macht, kennzeichnet noch in einer zweiten Weise unser Leben und unser Handeln: Für niemanden von uns gibt es ein zweites Leben. Auch das „ewige Leben“ ist nicht die Gelegenheit, alles Mögliche „nachzuholen“. Ebenso kann niemand von uns ungeschehen machen, was geschehen ist. Man kann Schuld aufarbeiten und vergeben, möglicherweise gibt es eine „zweite Chance“, aber der eine Augenblick, die Gelegenheit für ein bestimmtes Wort oder eine bestimmte Tat kommt nicht wieder.

 

Die Nähe des Reiches Gottes

Das Neue Testament spricht vom kairos: der passenden, geeigneten Zeit. Damit ist erheblich mehr gemeint als das beliebte „carpe diem“ („Pflücke den Tag“): Jesus hat die Gottesherrschaft, das Reich Gottes, nicht nur als etwas verkündet, das kommen soll, sondern als etwas, das mit ihm, Jesus, bereits anbricht. Das Reich Gottes ist nicht der „Himmel“, in den wir „nach dem Tod kommen“, sondern es ist mit Jesus bereits gegenwärtige Wirklichkeit geworden. Die Wunder Jesu, insbesondere Krankenheilungen und Dämonenaustreibungen, sind erste greifbare Zeichen, dass die Macht des Bösen gebrochen ist: „Die Zeit (kairos) ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ (Mk 1,15).

 

Freilich: Die Gottesherrschaft scheint alles andere als voll entfaltet – wie wir schmerzlich erleben angesichts des Zustands unserer Welt. Wann wird sie sich vollenden? Sowohl Jesus als auch die ersten Christen gingen wohl davon aus, dass die Vollendung unmittelbar bevorstand. Auf diese Vollendung, die Wiederkunft Christi in Herrlichkeit, warten wir jetzt seit zwei Jahrtausenden – bzw. meistens warten wir eben nicht mehr. Es hat immer wieder extreme apokalyptische Strömungen im Christentum gegeben: Endzeitpropheten, die meinten, demnächst komme mit der Auferstehung der Toten und dem Gericht zugleich das Ende der Welt. Die Folgen solcher Prophezeiungen waren oft fragwürdig, manchmal katastrophal, bewahrheitet haben sie sich aber nie.

 

 

Vollendung im eigenen Tod?

Ein häufigerer Umgang mit der ausbleibenden Vollendung war die Umwandlung in eine Art Fortschrittsidee. Jesus selbst spricht in Gleichnissen vom „Wachsen“ des Reiches Gottes       (z. B. im Senfkorngleichnis Mt 13,31f). Liegt es da nicht nahe, sich vorzustellen, dass sich Gottes Herrschaft nach und nach ausbreitet, z. B. indem das Evangelium immer mehr Menschen und schließlich alle erreicht, indem die Kirche sich auf der ganzen Welt ausbreitet? So naheliegend die Vorstellung ist, so schwierig (und missbrauchbar!) ist sie auch: Sollten wir wirklich davon ausgehen, dass das Reich Gottes uns näher ist als z.B. Paulus oder Franz von Assisi? Vor allem aber wird angesichts der jüngsten Geschichte heute wohl niemand mehr von einem solchen linearen Wachstum sprechen wollen.

 

So hat sich eine dritte Umgangsmöglichkeit durchgesetzt: Die Vollendung des Reiches Gottes geschieht für jeden Einzelnen im je eigenen Tod. So wurde die Frage des individuellen Lebens und Sterbens zur existenziell drängenden Frage, eine allgemeine „Wiederkunft Christi“ hingegen zu einem blassen und angesichts unserer naturwissenschaftlichen Weltperspektive aus der Zeit gefallenen theologischen Lehrstück.

 

Damit stecken wir aber in einem Dilemma. Denn eine solche „Verkleinerung“ des Kommens des Gottesreiches und eine Verschiebung ans Lebensende steht im Kontrast zum Drängen Jesu und des Neuen Testaments: „Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.“ (Mt 24,44) Auf der anderen Seite tun wir uns heute nicht nur mit den Höllendrohungen der Gerichtsreden und ihrer Gewalttätigkeit schwer. Mehr noch ist die Naherwartung einer kosmischen Wiederkunft Christi eine Vorstellung, die sich tatsächlich so heute einfach nicht mehr wiederbeleben lässt. Wie würden Sie auf eine Sonntagspredigt reagieren, die Sie dazu aufforderte, mit einem möglichen Ende der Welt im Lauf der kommenden Woche zu rechnen?

 

Die „rechte Zeit“: heute

Einen Ausweg bietet vielleicht die Rede vom kairos. Das Drängende der kommenden Gottesherrschaft liegt dann nicht im angenommenen baldigen Weltende, sondern in der Einmaligkeit des kairos und die Mahnungen der Weltgerichtsreden lassen sich auf die Gefahr hin lesen, die „rechte Zeit“ zu verpassen.

 

Das gilt für unser je persönliches Leben: Dieser konkrete Mensch braucht jetzt meine Hilfe, meine Aufmerksamkeit. Ich kann nicht einfach morgen an irgendjemandem anderen eine gute Tat tun, wenn mir heute nicht so recht danach ist. Und es gilt für den größeren Rahmen der kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Verantwortung von Christen dafür, dass sich Gottes Herrschaft durchsetzt. Reden und schweigen, zögern und handeln, Frieden stiften oder Spaltungen vergrößern: All das geschieht nicht irgendwann und irgendwo, sondern zu konkreten Zeiten, in konkreten Situationen, mit konkreten, einmaligen Folgen. Und morgen könnte es zu spät sein.Dr. Veronika Hoffmann ist Professorin für Systematische Theologie an der Universität Siegen.

 

Veronika Hoffmann

 

Dr. Veronika Hoffmann ist Professorin für Systematische Theologie an der Universität Siegen.

 

 

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Juli/August 2017

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