Dienstag 17. Oktober 2017
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Mag. Elisabeth Mayr

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Einsam, gemeinsam
Leitartikel September/Oktober
Leitartikel September/Oktober 2017
von Chefredakteur Henning Klingen
Einsam, gemeinsam
Leitartikel September/Oktober
Leitartikel September/Oktober 2017

von Chefredakteur Henning Klingen

 

Einsam ist es an diesem Augustmorgen im Salzburger Dom. Kaum ein Mensch verirrt sich in der Früh in das imposante Gotteshaus im Herzen der Stadt. Das warme Sommerlicht flutet den Raum, der flüchtige Geruch von Weihrauch liegt noch in der Luft. Ich setze mich in eine Bank. Einsame Ruhe. Ich murmle ein Vater unser, schließe die Augen. Und empfinde die Leere des Raumes plötzlich als gottvoll. Ganz anders offenbar die Schulklasse, die von hinten in das Hauptschiff der Kirche poltert. Lautes Lachen, Handys werden gezückt, Selfies geschossen. Plötzlich ist meine Laune dahin. Die Kirche menschenvoll aber gottleer.

 

Doch stimmt das? Ist es tatsächlich so einfach, Gott zu lokalisieren? Vom Propheten Elija berichtet die Bibel, er habe erkannt, dass Gott nicht im Erdbeben und nicht im Sturm war, sondern in einem sanften, leisen Säuseln. Aber es gibt auch die andere Erfahrung – jene nämlich, dass sich Gott mit Pauken und Trompeten Bahn bricht, dass er die Massen bewegt, dass der göttliche Funke überspringt, wo nicht nur zwei oder drei, sondern hunderte, tausende zusammenkommen. Wie an Weltjugendtagen.

 

Es liegt offenbar wesentlich an uns selbst, ob wir die Erfahrung des Göttlichen zulassen wollen. Gott enthüllt sich nicht jedem – er ist stets auch der „deus absconditus“, der verborgene, ja, abwesende Gott. Der Dom ist per se so wenig ein „heiliger Ort“ wie ein Fußballstadion per se ein areligiöser Ort ist. Nicht der Ort trägt den Geist, sondern der Geist stellt sich ein, wo Menschen sich – egal an welchem Ort – dafür öffnen. So kann Gott im leisen Säuseln des Windes genauso empfunden werden wie inmitten einer freudentrunkenen Masse an Fußballfans.

 

Ist die Erfahrung des Religiösen also nur eine neuronale Illusionskulisse, die sich durch unsere Erwartungshaltungen und Sehnsüchte stimulieren lässt? Zeigt sich Gott nur, weil ich es so erwarte? Nein, denn religiöse Erfahrung mündet, ja bewährt sich stets in Taten. Sie spielt sich nicht nur im Kopf ab, sondern zeigt sich darin, dass Menschen anders werden, wenn sie Gott erfahren haben. Das ist keine Illusion, sondern Realität. Das Bekenntnis zum Christentum ist ein Bekenntnis zur Tat – und Taten tut man nicht allein. Sie zielen auf Gemeinschaft.

 

Ich schließe die Augen und lasse die Schülergruppe vorüberziehen. Drei von ihnen bleiben zurück. Sie entzünden eine Kerze und setzen sich still in eine Bank. Ich bin beschämt. Meine Vorurteile demaskiert. Und ich wieder mal belehrt, dass sich der Geist nicht einsperren, nicht einzwängen lässt in unsere Erwartungen und vermeintlichen Gewissheiten.

Lasst Laien predigen!
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Lasst Laien predigen!
Aus dem Seitenschiff
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

 

 

Papst Franziskus fordert die Bischöfe oft auf, mutige Ideen zu diversen Problemen einzubringen. Wie die biblischen Weisen ist er offen für konstruktive Vorschläge aller Mitglieder des Gottesvolkes. Hier also ein konkreter Vorschlag: Da die Predigt ein maßgeblicher Innovationsfaktor ist, sollten Menschen mit entsprechendem Talent diesen Dienst ausüben – auch und gerade in der Eucharistiefeier. Denn gutes Predigen ist ein Schlüsselfaktor, um Menschen für das Evangelium zu begeistern.

 

Laut Kirchenrecht (Canon 767) ist die Homilie in der Hl. Messe geweihten Amtsträgern vorbehalten. Die Instruktion "Ecclesia de Mysterio" von Papst Johannes Paul II zählt jedoch Möglichkeiten auf, wie Laien dennoch beteiligt werden können. Pastorale Gründe sind entscheidend. Die Instruktion legt fest: "In den Vorschriften der Bischofskonferenz … müssen die Kriterien genannt werden, die dem Diözesanbischof helfen, geeignete pastorale Entscheidungen zu treffen." Jeder Christ hat ja Anteil am kirchlichen Dienst und damit auch am Verkündigungsdienst inkl. der Predigt. Canon 766 besagt daher, dass Laien zur Predigt zugelassen werden können.

 

Für den Spezialfall Eucharistiefeier könnten die deutschsprachigen Bischöfe eine Sonderregelung vorschlagen. Denn unter den pastoralen Mitarbeitern gibt es viele Männer und Frauen, die die Gabe der Predigt geschenkt bekommen haben und sie für den Aufbau des ganzen Leibes einsetzen sollen. Überdies sind sie wohl kaum als Laien zu sehen: Sie üben ihren Dienst hauptberuflich aus, sind vom Bischof gesendet und fachlich qualifiziert.

 

Georg Plank

Pastoralinnovation

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Juli/August2017

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(K)ein Zweifel!

Ich zweifle, also bin ich

Gegen den Zweifel machen gerade religiöse Menschen immer wieder die Gewissheit des Glaubens geltend. Doch wie gewiss ist diese Gewissheit eigentlich?

 

Leitartikel März/April 2017Der Zweifel hat Konjunktur in diesen Tagen. Ob Syrien, Trump oder IS-Terror: Die Welt scheint aus den Fugen. Wer hätte das gedacht nach all den hoffnungsvollen Aufstiegs-Jahrzehnten seit der Mitte des 20. Jahrhunderts, dass die Welt wieder an den Abgrund geführt wird? Soll der Mensch tatsächlich nichts aus der Geschichte gelernt haben? Der Weg vom Zweifel zum Verzweifeln – er ist ein denkbar kurzer.

 

Gegen diesen Zweifel bieten so schillernde Begriffe wie Heimat, Identität und Glaube neue, gleichwohl zweifelhafte Gewissheiten an: Die kleine, verkitschte Heimat gegen die anonymen Kräfte der Globalisierung; eine polternde Mir-san-mir-Identität gegen den mitreißenden Strudel steter gesellschaftlicher Beschleunigung und Verunsicherung. Tja, und natürlich ein Glaube – gemeint ist der christliche – als Bollwerk gegen alles Fremde, vornehmlich das Muslimische. Erstaunlich, wie hoch trotz leerer Gotteshäuser die Zahl der selbsternannten Verteidiger eines "christlichen Abendlandes" ist; erstaunlich auch, mit welcher Inbrunst das Christentum wie eine europäische Erbpacht betrachtet wird. Als läge die pulsierende Lebendigkeit dieses Kontinents nicht in seiner multireligiösen Offenheit!

 

Doch die Verlockung ist einfach zu groß, auf der "richtigen Seite" zu stehen. Dabei übersehen die Anti-Zweifler allzuoft, indirekt zu Komplizen der Zündler zu werden. Wer "Wahrheit" und "Gewissheit" im Munde führt, steht stets in der Gefahr, damit zugleich andere abzuwerten. Und von der Abwertung zur offenen Gewalt ist es nur ein kurzer Weg. Religiös zugespitzt wurde dies vom deutschen Kulturwissenschaftler und Ägyptologen Jan Assmann. Vor Jahren behauptete er in seiner vieldiskutierten These, es sei gar der Monotheismus, das heißt der Glaube an den einen Gott, der per se den Samen der Gewalt in die Welt eingesenkt hat. Wo kein anderer Gott neben meinem Platz hat, hat auch der andere neben mir keinen Platz.

 

Zweifel ist also geboten. Nicht nur an dieser These, sondern umfassend. Denn Zweifel wirkt welterschließend, er weitet den Blick. Gewiss, man kann am Glauben auch ver-zweifeln. Zahlreiche biblische Geschichten geben davon Auskunft. Die Frage nach dem Leiden in der Welt ist der nie erlahmende Motor dieses tiefen und wichtigen theologischen Zweifels. Aber sie führt – einer alten jüdischen Weisheit zufolge – auch zu Gott zurück. Denn wie, wenn nicht auf Gott hoffend, sollte man die Leere und Dunkelheit ertragen, die der existenzielle Zweifel in die Seele frisst?

 

Henning Klingen

Chefredakteur

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe März/April

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