Turmbau – Streben nach der Höhe
Mein kleiner Neffe Simon, er ist zweieinhalb Jahre alt, sitzt auf dem Boden seines Kinderzimmers und baut einen Turm: Mit großer Geschicklichkeit legt er selbstständig ein stabiles, breites Fundament, um dann in die Höhe zu bauen. Ein Baustein wird behutsam auf den anderen gesetzt, das Bauwerk wächst und wächst. Schließlich muss sich Simon schon zu voller Körpergröße strecken, um noch einen Stein auf die Spitze des Gebäudes zu legen. Fasziniert betrachtet er mit großen staunenden Augen sein Werk, das ihn selbst überragt. Er merkt, dass er nun mit seinem nach oben ausgestreckten Arm gerade noch den obersten Punkt berühren kann. Simon schaut mich an, lächelt und sagt zu mir: „Onkel Richard, weiterbauen!“ Der entstehende Turm im Kinderzimmer wird ein Gemeinschaftswerk: Simon reicht mir die einzelnen Bausteine. Ich setze immer noch einen Stein auf den anderen, bis der Turm sogar meine Körpergröße bei Weitem überschreitet. Und noch ein kleiner Stein – da geht plötzlich ein Zittern durch den Turm, das Gebäude schwankt und fällt krachend in sich zusammen. Simon jubelt und klatscht …
Richard Tatzreiter
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