Mittwoch 23. Mai 2018
Wofür lebst du?
Sr. Franziska Bruckner
Ich lebe für und mit Menschen, die sich auf ein Leben aus dem Glauben einlassen. Ich lebe im Glauben an die Frohe...
Wofür lebst du?
Sr. Franziska Bruckner

Ich lebe für und mit Menschen, die sich auf ein Leben aus dem Glauben einlassen. Ich lebe im Glauben an die Frohe Botschaft, die uns das Evangelium schenkt und ich lebe mit Herzblut für meine Gemeinschaft und unseren Bildungsauftrag für junge Menschen. Der Menschwerdung zu dienen, dafür will ich mich jeden Tag neu einsetzen. Sr. Franziska Bruckner Generaloberin Franziskanerinnen Amstetten
Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Ja und Amen
Leitartikel Mai/Juni
von Chefredakteur Henning Klingen
Ja und Amen
Leitartikel Mai/Juni

von Chefredakteur Henning Klingen

 Der Ja-Sager

 

Ich bin ein Ja-Sager. Vor 14 Jahren habe ich zu meiner Frau Ja gesagt, bislang dreimal zu Kindern. Das war jetzt aufgelegt, gebe ich zu. Aber auch dazwischen gab es unzählig viele Ja: ein Ja zu meiner Berufsausbildung, ein Ja zu einer Dissertation, zur Übernahme der Leitung des „miteinander“. Im Rückblick wirken Biografien stets wie aus einem Guss, wie gefügt. Dabei wird gern übersehen, wie mühsam errungen viele dieser bewussten Ja waren; mit welchen Reibungsverlusten sie einhergingen.

 

Über all den kleinen und größeren Entscheidungen schwebt die Frage nach dem ersten Ja – dem Ja zum Leben. Nehme ich an, was mir da im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt wurde? Ver-danke ich mich und nehme das Leben als Geschenk an? Oder leide ich still, hadere ich mit dem Schicksal? Dieses Ja muss tatsächlich jeden Morgen neu gesprochen werden – mal wird es übertönt vom Alltagsrauschen, mal trotzig genau diesem monotonen Alltag entgegengeschleudert.

 

Wer indes laut Ja sagt – und sei es, indem er der Tristesse ein Lächeln entgegensetzt –, macht sich manchmal gar verdächtig. Verdächtig, weil er Dingen zustimmt, die der Kritik würdig sind. Verdächtig auch, weil ein fröhliches Ja nach Naivität, Unbedachtheit oder schlicht Bequemlichkeit aussieht. Denn Widerspruch kostet Kraft, die Anstrengung kritischer Durchdringung.

 

Interessanterweise ist es im Glauben inzwischen genau umgekehrt. Das Nein kommt gerade jungen Menschen scheint’s leichter über die Zunge als das bewusste Ja zum Glauben. Und leider haben sie ja dabei häufig recht – denn was mancherorts in Katechese oder Religionsunterricht dargeboten wird, macht ein reifes Ja tatsächlich schwer. Gott und Kirche werden dort nicht selten zu magischen Ereignissen oder Orten verniedlicht, die vom Priester zelebriert und gegen jede Kritik immunisiert werden.

 

Gewiss, es gibt sie – Gott sei Dank –, die Priester und Religionslehrer, die ihre „Sache“ auf der Höhe der Zeit auch theologisch argumentieren können. Aber viele werden nicht zuletzt aufgrund laufender Strukturreformprozesse derart durch administrative Tätigkeiten aufgerieben, dass ihnen kaum mehr Zeit bleibt, Ja zu sagen zu der Verantwortung, junge Menschen in das Wagnis Glauben einzuführen. Vielleicht bedenken Sie diese Zerrissenen, deren Zahl stetig wächst, einmal mit einem kleinen Stoßgebet, wenn Sie in den nächsten Wochen die eigenen Kinder oder Patenkinder auf dem Weg zu ihrem hoffentlich reifen Glaubens-Ja – der Firmung – begleiten.

 

 

 

Eh!
Pastoralinnovation
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Georg Plank
Eh!
Pastoralinnovation
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Georg Plank

 

Eh!

 

Von „Ja, eh!“, „Das haben wir eh schon gemacht“ oder „Es geht eh ganz gut“ bis zu „Hast eh recht, aber …“: Das Wörtchen „eh“ ist besonders in seiner austrifizierten Anwendung kürzestmöglicher Ausdruck von Innovationsverweigerung. Immer öfter reagiere ich darauf schroff mit „Das heißt, du willst nicht besser werden?“. Denn wer sich mit dem Status quo zufrieden gibt, lehnt jegliche Veränderung und damit potenzielle Verbesserung ab. Innovationen sind ja nicht einfach etwas Neues, sondern etwas Besseres. Sonst würde niemand ein neues Handy kaufen, für den Urlaub eine andere Destination wählen oder sein Kind in eine bestimmte Musikschule schicken.

 

Die Sehnsucht, besser zu werden und Besseres zu schaffen, hat geistbewegte Menschen inner- und außerhalb der Kirche immer schon angetrieben. Der Feind des Besseren ist allerdings oft nicht das Schlechte, sondern das Gute. „Funktioniert eh ganz gut!“ führt schnell zu einer selbstbezogenen Zufriedenheit, die Kreativität erstickt und neue Initiativen bremst.

 

Biblisches Fundament für das Bessere ist das bekannte Bildwort vom Weinstock. „Jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt“ (Joh 15,2b). Übrigens, von daher erschließt sich auch das sperrige Jesuswort „Wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben“ (Mt 25,29).

 

Mehr Früchte im Geiste Jesu bedeutet Besseres: mehr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung; weniger Leid, weniger Ausbeutung und Stumpfsinn. Deshalb lohnt es sich, für das Bessere zu kämpfen und zu arbeiten. Eh klar!

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Mai/Juni 2018

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Themen & Schwerpunkte

Entschieden leben

Im alltäglichen Ringen mit den großen und kleinen Entscheidungen können durchaus auch die Ratschläge der großen Heiligen nützlich sein. Ein Blick in die Spiritualitätsgeschichte.

Entscheiden – Ja-Sagen oder manchmal auch Nein-Sagen oder: Vielleicht später. Unser ganzes Leben ist von Entscheidungen geprägt: Glaubt man Verhaltensforschern, sind es bis zu 20.000 Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen. Nun sind ja die wenigsten davon bewusste Entscheidungen, die wir überlegt treffen. Es bleibt ja auch gar nicht die Zeit dazu, vieles läuft spontan ab.

 

 Geht es nun aber um große Lebensentscheidungen, meint man doch, sie sich gut überlegen zu sollen, und dafür braucht es Kriterien. Schaut man sich in der christlichen Spiritualitätsgeschichte um, stößt man mit dieser Frage zuerst auf Ignatius von Loyola, den großen spanischen Heiligen, der den Jesuitenorden gegründet hat. In seinem „Exerzitienbuch“ erstellt er „Regeln, um irgendwie die verschiedenen Regungen zu verspüren und zu erkennen, die in der Seele verursacht werden: die guten, um sie anzunehmen, die schlechten, um sie abzuweisen“.

 

 Welchem Geist kann ich trauen?

Es handelt sich hierbei um Regeln zur „Unterscheidung der Geister“, eine zunächst spirituell-theologische Herangehensweise an Entscheidungen. Die Grundfrage: Von welchem Geist stammt ein Impuls, eine bestimmte Entscheidung zu treffen, und wie weiß man, ob man diesem Impuls folgen soll, diesem Geist trauen kann. Für Ignatius spielen hier die inneren Regungen des „Trostes“ und der „Trostlosigkeit“ eine große Rolle, ebenso wie die genaue Beobachtung der „Früchte“ einer Entscheidung – bringt sie inneren Frieden, Mut und starke innere Kräfte oder bewirkt sie das Gegenteil?

 

Die Annahme, dass unterschiedliche äußere Kräfte in uns wirken und uns in bestimmte Richtungen lenken wollen und dass diese daher genau zu prüfen sind, ist heute sicher nicht unwidersprochen. Oft begegnet einem eine merkwürdige „Was immer dich glücklich macht“- Einstellung, die sich aber langfristig nicht immer als tragfähige Basis für Entscheidungen herausstellt.

 

 

Papst Franziskus jedoch, der ja selbst Jesuit ist, hält eine richtige Anleitung zu einer geistlichen Unterscheidung für so wichtig, dass er die Bischofssynode 2018 im Vatikan unter das Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ stellt. Eine wichtige Grundaussage des Vorbereitungsdokuments für diese Synode ist: Jeder Christ ist zunächst von Gott berufen zu lieben – denn unser Leben wurde uns aus reiner Liebe von Gott gegeben. Darauf freudig Antwort zu geben und dies bewusst zu tun, soll die erste Entscheidung im christlichen Leben sein, noch vor der Entscheidung zu einem bestimmten Lebensstand, Wahl des Arbeitsplatzes oder Lebensumfeldes. Eine „Kultur der Berufung“ zum entschiedenen christlichen Leben mit aufzubauen, ist ihm ein wesentliches Anliegen.

 

Jeden Tag neu entscheiden

Ist eine Entscheidung einmal getroffen, kommt ein leicht anders akzentuiertes Wort zum Tragen: die Entschiedenheit. Dies finden wir wiederum ganz prägnant in der Spiritualitätsgeschichte, bei Teresa von Avila, einer ebenfalls spanischen großen Heiligen: Worauf es ankommt, ist die Entschiedenheit, nachdem man eine Entscheidung getroffen hat: „Für uns besteht die Hauptsache nur darin, dass wir uns ihm mit aller Entschiedenheit als Eigentum hingeben und hinwegräumen, was ihn hindern könnte, in uns hineinzulegen und von uns herauszunehmen, was er will.“

 

 

Entschieden zu leben bedeutet also aus christlicher Sicht, sich jeden Tag neu für die eigene Berufung zu entscheiden, sich immer wieder, auch im Alltäglichen, anscheinend Belanglosen zu überwinden, mit Entschiedenheit das zu tun – oder sein zu lassen –, was der Liebe mehr entspricht. Dass das nicht immer gut gelingt, wiegt dann nicht mehr ganz so schwer, wenn die Grundentscheidung – das Ja-Sagen zum ganz konkreten eigenen Leben, zum Anruf Gottes an jeden von uns – immer neu getroffen werden kann.

 

Daniela Köder

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Mai/Juni 2018

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