Wofür lebst du?
Pfarrer Hans Lagler
„Es macht mir große Freude als Priester meine Zeit Gott und den Menschen schenken zu dürfen. Die Vision des Reiches...
Wofür lebst du?
Pfarrer Hans Lagler

„Es macht mir große Freude als Priester meine Zeit Gott und den Menschen schenken zu dürfen. Die Vision des Reiches Gottes, die Jesus uns allen ins Herz gelegt hat, prägt mein Leben." Pfarrer Hans Lagler, Steinakirchen am Forst

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Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018
von Chefredakteur Henning Klingen
Fremde Heimat
Leitartikel Juli/August 2018

von Chefredakteur Henning Klingen

Alt werden, jung bleiben

 

Was für ein Sommer! Abkühlung boten da nicht nur wohltemperierte Kirchen, sondern auch die „Salzburger Hochschulwochen“, die heuer mit dem Slogan „Smarte Sommerfrische“ warben. Auch wenn’s denkbar schwierig war: Gemeinsam mit fast 900 Teilnehmern versuchte ich auch heuer wieder, einen kühlen Kopf zu bewahren, zuzuhören und mitzudiskutieren. Ich erzähle Ihnen das, weil ich dabei zwei Phänomene beobachten konnte: zum einen zahlreiche gerade ältere Teilnehmer, die mit Hingabe diskutiert, kritisch nachgefragt, mitgedacht und damit im Geiste Jugendlichkeit bewiesen haben; zum anderen aber auch so manchen jugendlichen Teilnehmer, der sich gerade in religiösen Fragen und Debatten mit einer erstaunlichen Beharrlichkeit kritischen Anfragen an den Glauben verweigert hat.

Auch wenn dies nur verstreute Beobachtungen sind, so setzt sich bei mir doch schon seit Längerem ein Verdacht fest: Kann es sein, dass junge Gläubige von der Kirche gerade nicht Agilität und kritischen Geist erwarten, sondern Beständigkeit und vermeintliche Gewissheiten suchen? Ein Eindruck, den ich im Übrigen auch von mancher Gemeinschaft habe, die mit Feuereifer von Neuevangelisierung, Wahrheit, Gott und Erlösung spricht, sich aber zugleich jenem Feuer der Aufklärung entzieht, durch das der Glaube meines Erachtens gehen muss, will er nicht nur oberflächliche Zustimmung erheischen, sondern zur tiefen Überzeugung werden.

Jugend, das meint doch immer auch Zukunftsdrang und Rebellion. Wird sich dies auch bei der „Jugendsynode“ zeigen, die in Kürze in Rom stattfindet? Ist das vielleicht gar die Faszination, die von Papst Franziskus ausgeht: seine Jugendlichkeit, die die geistige Regsamkeit manch kirchlicher Jugend überstrahlt? Wenn es zutreffen soll, dass die Kirche jung ist, dann wird sie dies wohl nicht dadurch, dass sie sich zur Eventfabrik umgestaltet. Das machen andere besser, professioneller. Nein, wenn Kirche jung sein will, dann muss sie im Geiste jung bleiben. Das jedoch ist keine Frage des biologischen Alters ...


Henning Klingen

 

Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff
Kolumne vonDr. Georg Plank
Das Rebenprinzip
Aus dem Seitenschiff

Kolumne vonDr. Georg Plank

 

Das Rebenprinzip

 

Wer im Herbst pralle Trauben bewundert, weiß, wie viel Arbeit das ganze Jahr über notwendig war, damit jetzt Früchte geerntet werden können. Zur jeweils rechten Zeit mussten die richtigen Maßnahmen erledigt werden, sonst wären viele Blätter gewachsen, aber wenige Lebensmittel. Oft übersehen wird, dass es auch lange Perioden des Nichtstuns, des Gewährenlassens und des aufmerksamen Beobachtens gibt, in denen das eigentliche Wachstum einfach passiert bzw. geschenkt wird.

 

Im Sinne von Joh 15,2 gilt es daher auch in den Weingärten unserer pastoralen Handlungsfelder, dem Vorbild des guten Winzers zu folgen. Er rückt die Reben, die Frucht tragen, in den Mittelpunkt. Er reinigt sie, damit sie mehr Früchte bringen. Für mich bedeutet das mehr Möglichkeiten für heutige Menschen, zu erleben, was Menschen aller Kulturen (nicht nur Glaubens- oder Volksgenossen) vor 2.000 Jahren mit Jesus erlebten: Aufrichtung, Orientierung, Befreiung, Ermächtigung, Heilung, Gottesbeziehung und Sendung. Dieses „die fruchtbaren Reben reinigen“ korrespondiert mit dem Konzept inkrementeller Innovationen: Konzentriere dich auf das schon vorhandene Gute und investiere darin, es noch besser zu machen. Denn der Feind des Besseren ist oft nicht das Schlechte, sondern das Gute – eine bittere Erfahrung, die gerade große traditionelle Organisationen in Zeiten des Umbruchs machen.

 

Wir kennen aber auch den ersten Teil dieses Vorgangs: Der Weinstock muss von Reben befreit werden, die keine Frucht (mehr) bringen. Auch davor scheuen kluge Weinbauern nicht zurück.

 

 

Georg Plank

Pastoralinnovation

www.pastoralinnovation.at

Themen & Schwerpunkte

Traumberuf: Priester in Afrika

Das Priesterseminar St. Charles Lwanga in Daressalam/Tansania ist übervoll: 200 junge Männer werden sich hier in Kürze auf ihre Priesterweihe vorbereiten. Ein Blick in die Weltkirche von Markus Andorf.

 

Schlaglöcher, enge Straßen und viele Motorradfahrer: Father Peter fährt mit seinem Jeep Sonntagfrüh in eine Pfarre der Stadt Daressalam in Tansania. Er lebt im Priesterseminar St. Charles Lwanga am Rand der Fünf-Millionen-Stadt. Immer wieder hilft der Priester in Pfarrgemeinden aus. Mit 10 km/h geht es vorwärts: „Das ist der Alltag von Priestern in Tansania: schlechte Straßen und oft weite Wege in die Gemeinden“, sagt Father Peter. Vorbei an Blechhütten und kleinen Geschäften geht es durch die Outskirts von Daressalam zur „Kipawa Parish“, einem Pfarrgebiet mit einer Kirche, dem Pfarrhaus und anderen katholischen Einrichtungen.

 

Father Peter ist einer von zehn Priestern, die die 132 Priesterstudenten in dem Seminar betreuen. Peter hat unter anderem in Österreich studiert und kennt viele Länder der Welt. Er ist überzeugt, dass die Kirche Europas viel von Afrika lernen kann: „Die Kirche hier in Tansania ist sehr lebendig, der Glaube der Menschen stark.“ Die Ausbildung der heimischen Priester ist für Peter sehr wichtig: „Es braucht Priester, die eine gute theologische, aber vor allem auch pastorale Ausbildung bekommen, um gute Arbeit in den vielen Pfarren leisten zu können.“

 

Boom an Berufungen

Die Priesterberufungen in Afrika boomen so stark wie auf keinem anderen Kontinent der Welt. Das Priesterseminar St. Charles Lwanga ist nur eine der Ausbildungsstätten für Priesterstudenten in Daressalam. Im Oktober 2018 werden es wahrscheinlich schon fast 200 Männer sein, die sich auf den priesterlichen Dienst vorbereiten, prophezeit der Rektor des Seminars, Father Tobias. Die Herausforderungen für die werdenden Priester seien groß: „Synkretismus ist in Afrika ein großes Problem. Wenn Menschen Christus in ihrem Leben finden, braucht es vor allem Priester, die die Menschen dann auf ihrem Glaubensweg begleiten.“

 

Father Peter ist mittlerweile in der Pfarre angekommen. Menschen in bunten Gewändern strömen in die Kirche. Die Ventilatoren an der Decke surren, ansonsten herrscht eine Atmosphäre des Gebets. Am Eingang stehen Erwachsene, die die ankommenden Menschen willkommen heißen. Kinder laufen durch die Kirche. Father Peter begrüßt auf dem Weg in die Sakristei einige Gottesdienstbesucher. „Am Sonntag gibt es direkt hintereinander mehrere Messen, eine davon ist immer eine Kindermesse.“ Es sei stets eine Freude, Gottesdienste mit 300 bis 400 Kindern zu feiern.

 

Gemeinsamer Kampf gegen Armut

Armut ist das Problem Nr. 1 für die Menschen in Tansania: „Viele Familien sind sehr arm, sie haben meist fünf Kinder oder mehr. An einem bestimmten Punkt müssen sie die Bildung ihrer Kinder finanzieren, da stürzen viele Familien in eine große Krise“, so Father Tobias. Die Kirche habe aber vor Ort einen ersten Lösungsansatz gefunden: sogenannte „Small Christian Communities“ – „Kleine Christliche Gemeinden“. Wöchentlich treffen sich etwa zehn Familien, die im gleichen Viertel wohnen, um sich über den Glauben und ihre alltäglichen Probleme auszutauschen: „Wenn eine Familie in Not ist, helfen die anderen Familien. Die Menschen begleiten sich gegenseitig.“ Die Priester spielen in diesen kleinen Gruppierungen dennoch eine große Rolle: „Es braucht den Hirtendienst der Priester, die das christliche Leben der Menschen begleiten.“

 

In der pastoralen Ausbildung im Priesterseminar werden die jungen Männer herausgefordert: Sie sollen mitten im Leben stehen, die Sorgen der Menschen verstehen und gleichzeitig starke Persönlichkeiten sein, die den christlichen Glauben authentisch vorleben. Deshalb ist der Alltag der Seminaristen sehr bunt: Gemeinsame Gebetszeiten, Studium und Anbetung stehen genauso regelmäßig am Programm wie die Arbeit im Garten oder der gemeinsame Sport.

 

Father Peter verabschiedet sich von den Gläubigen der „Kipawa Parish“. Wann er das nächste Mal zur Aushilfe in die Pfarre kommt, weiß er noch nicht. Für ihn geht es jetzt zurück zu den 132 Priesterseminaristen, die eine blühende Kirche mitaufbauen sollen. Ihnen will Father Peter möglichst viel von seinen täglichen Erfahrungen als Hirte mitgeben.

 

Markus Andorf

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 |Mai/Juni 2018

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