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Was stark macht

Von Chefredakteur Henning Klingen

Eigentlich wollte ich Landschaftsgärtner werden. Dann Bauzeichner. Ein Freund schnappte mir die Lehrstelle vor der Nase weg. Schließlich inskribierte ich für Betriebswirtschaftslehre in Bielefeld. Halbherzig. Mit einem Freund schwenkte ich in letzter Minute um auf Lehramt. Deutsch und Katholische Theologie in Münster – ratlos, orientierungslos, ein wenig auch lustlos. Das war 1996.

Heute, zwanzig Jahre später, stellt sich dieser Weg, der mich nach Wien in den Journalismus und das Doktorat führte, im Rückblick wie gefügt dar. Dabei war er von "Niederlagen" gesäumt: Meine Kindheitsträume sind geplatzt wie Seifenblasen, ich habe nie den Beruf ausgeübt, den ich studiert habe; schließlich kippte ich – wie an dieser Stelle schon einmal erwähnt – in eine Depression. Erfolgreich gescheitert sozusagen. Erfolgreich in dem Sinne, dass ich heute mit Dankbarkeit auf dieses Scheitern im Kleinen zurückblicke. Es hat mich auf "meinen Weg" geführt.

Gewiss, man kann an Niederlagen zerbrechen. Man kann an ihnen aber auch wachsen. "Resilienz" heißt das Zauberwort. Es geht dabei um die simple Frage, welche Faktoren es sind, die uns stark machen, die Widerstandskräfte wecken. Solche Faktoren sind etwa eine positive Selbstwahrnehmung, soziale Kompetenz, die Fähigkeit, mit Stress umzugehen, Problemlösungskompetenz und die Erfahrung von "Selbstwirksamkeit", das heißt die Erfahrung, dass ich Dinge aktiv anpacken und verändern kann.

Es überrascht wenig, dass der Faktor Religion von der Resilienz-Forschung kaum beachtet wird. Er gilt als "weicher Faktor", dem man seitens der Psychologie wohl auch mit gewissen Vorbehalten begegnet. Tatsächlich ist Religion im Blick auf Krisenfestigkeit eine zweischneidige Sache: Glaube kann Sicherheit bieten, man kann Gott als "feste Burg", als Fels in der Brandung der Zeiten bekennen. Aber immer bleibt doch auch der Stachel der Theodizee, das Leiden als jener Fels, an dem Gewissheiten und Hoffnungen eben auch zerbrechen können.

Anders gesagt: Der Glaube kennt – wie das Leben auch – beides: Scheitern und Neuanfang, Widerstand und Ergebung. Wer auf den biblischen Gott setzt, dem wachsen nicht übermenschliche Kräfte, die gegen Krisen immun machen – im Gegenteil: Wer auf Gott setzt, lernt Demut und Vertrauen: Demut vor der Unwägbarkeit des Lebens und Gottes selbst – und Vertrauen darauf, dass man sich am Ende "von guten Mächten wunderbar geborgen" fühlen darf. Wo Religion dies vermittelt, hat sie das Zeug, zum stärksten "Resilienz-Faktor" von allen zu werden.

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