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Von Freunden & Feinden

Von Chefredakteur Henning Klingen

Ich habe 419 Freunde, "Facebook"-Freunde. - "Bekanntschaften" wäre wohl korrekter. Wobei ich nicht zu jenen Kulturpessimisten zähle, die mit den sozialen Netzwerken das Ende der unmittelbaren Freundschaften gekommen sehen. Denn Freundschaften – seien sie virtuell oder "real" – haben eines gemeinsam: Sie basieren auf der Bereitschaft, aufrichtig miteinander zu kommunizieren und sich für den anderen zu interessieren. Eine der Hauptkompetenzen in funktionierenden Freundschaften – und ein seltenes Gut.

Rar ist derzeit auch der Friede. Der militärische Friede in Nahost, aber auch der soziale Friede vor der eigenen Haustür. Dieser Übergang mag abrupt erscheinen, tatsächlich jedoch hat das eine mit dem anderen zu tun. Denn unter dem Eindruck rapider gesellschaftlicher Veränderungen, die bei vielen Menschen soziale Abstiegsängste schüren, hat sich eine neue Politik der Verfeindung Bahn gebrochen: Flüchtlinge? Sozialschmarotzer oder gar Kriminelle! Mindestsicherung? Eine Einladung in die soziale Hängematte! Stück für Stück haben wir zugelassen, das neue Feindbilder von uns Besitz ergriffen, dass sie Herz und Hirn vergiften konnten.

Ein Loblied auf die Freundschaft setzt immer bei den persönlichen, intimen Freundschaften an. Da ist die Politik weit weg. Aber Freundschaften sind immer auch Transmissionsriemen: Was wir im Kleinen erleben, kann uns stark machen, um den Versuchungen der Verfeindung im Großen zu widerstehen. Wahre Freundschaft funktioniert nicht, wo sie sich exklusiv abschottet. Freundschaft ist nicht selbstgenügsam, sie bewahrt sich, indem sie sich an den Nächsten verschenkt. Das mag etwas "esoterisch" klingen, aber wäre nicht ein Nachdenken über das, was die persönlichen Freundschaften auszeichnet, ein erster Schritt, um Verfeindungsmuster zu durchbrechen? Um aus Feinden Gegner werden zu lassen, die nicht auf die Vernichtung des anderen, sondern auf den Wettstreit um das Richtige zielen.

Vielleicht wundert Sie, dass ich bislang die religiöse Dimension der Freundschaft ausgespart habe. Dabei setzen viele (Neu-)Evangelisierungsprojekte auf "Freundschaft mit Jesus" und auf die spirituelle Sehnsucht junger Menschen nach Freundschaft. Mich hat diese Metapher nie überzeugt. Mein religiöses Ringen kennt andere Farbspiele, es ist weniger in das warme Rot liebender Gewissheit getaucht als vielmehr in das Grün streitbarer Hoffnung. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Zug. Unterwegs in die fast 1.000 Kilometer entfernte Heimat. Zu einem Treffen mit alten Freunden. Denn Freundschaft gibt Heimat. Wie der Glaube – nur anders.

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