Wofür lebst du?
Andrea Ederer
„Ich fühle mich beschenkt mit Kreativität, Fantasie, aber auch Beharrlichkeit und Ausdauer. Damit arbeite ich gerne...
Wofür lebst du?
Andrea Ederer

„Ich fühle mich beschenkt mit Kreativität, Fantasie, aber auch Beharrlichkeit und Ausdauer. Damit arbeite ich gerne an einer besseren, gerechteren und liebevolleren Welt in Familie, in meinem Beruf und Kirche!“ Andrea Ederer, Präsidentin KA Stmk

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Redaktion "miteinander"
Mag. Elisabeth Mayr

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Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel
Von Chefredakteur Henning Klingen
Von Widerstand & Ergebung
Leitartikel

Von Chefredakteur Henning Klingen

 

 

Vor fast fünf Jahren habe ich in einem Editorial schon einmal von meinem Großvater berichtet. Damals war er Anfang 90. Sein Leben war rhythmisiert von der Arbeit im Garten, vom Wechsel der Jahreszeiten, den Urlauben mit uns Enkeln, den Skat-Runden und häufiger werdenden Arztbesuchen. Vor zwei Jahren ist mein Großvater gestorben – mit 97 Jahren. Anm.: Dann kann etwas nicht stimmen ...

 

Warum erzähle ich Ihnen das zu Beginn einer Ausgabe zum Thema Zeit? Weil meine Großeltern ein biblisches Alter erreicht haben, meine Großmutter noch immer lebt, gewiss. Aber auch, weil die Besuche bei Ihnen, das Betreten Ihres Universums einem Akt des Aufstands gegen die verrinnende Zeit glichen: Denn meine Großeltern schienen nicht zu altern. Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen. Und selbst im Sterben rang mein Großvater dem Leben noch Tage, Stunden ab. Der Tod, so schien es, war für ihn nie eine Option. Er wählte stets das Leben – und die Zeit meinte es tatsächlich gut mit ihm, sie hat sich an ihn verschenkt.  

Die Zeit verstrich zäh, gebannt in täglicher Routine und Tagebucheinträgen.

 

Mich beeindruckt dieser Aufstand gegen die Zeit nach wie vor sehr. Denn es steckt nicht nur viel geerdete Lebenskraft darin, sondern auch ein ganz und gar unsentimentales Gottvertrauen: Gott wird das Seine dazu tun, es zum Guten wenden, wenn wir nur unseren Teil in der uns geschenkten Zeit vollbringen. Im Kleinen – der Familie, dem Garten, der Ehe – ebenso wie im Großen. Widerstand und Ergebung – auch hier gehen sie Hand in Hand.

 

Und noch etwas lehrten mich die Besuche bei meinen Großeltern: die Zeit als Geschenk zu begreifen, das man nicht ungenutzt verstreichen lassen darf, sondern welches man dankbar annimmt. Entsprechend blieb mir oft mein Klagen über einen vollen Terminkalender, über den gefühlten Zeitmangel im Hals stecken, sobald ich die Türschwelle zu meinen Großeltern überschritt. Beschämt darüber, dass ich offensichtlich noch nicht begriffen hatte, wie man sich der Zeit angemessen und stets mit einer Prise Humor widersetzt, wie man ihr Sinn und durch alle Irrungen und Wirrungen hindurch Leben abtrotzt.

Und so möchte ich – ganz Niederrheiner wie meine Großeltern – Ihnen mit ein paar Zeilen des niederrheinischen Dichters und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch einen zeitsatten Advent und ein frohes Weihnachtsfest im Horizont der uns geschenkten Zeit wünschen:

 

Ich bin vergnügt erlöst befreit.

Gott nahm in seine Hände meine Zeit,

mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,

mein Triumphieren und Verzagen,

das Elend und die Zärtlichkeit.


Henning Klingen

 

Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff
Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl
Was ist schon endgültig?
Aus dem Seitenschiff

Kolumne von Prof. Ingeborg Schödl

Was ist schon endgültig?

 

Wieder einmal sinniere ich in meinem „Seitenschiff“ so vor mich hin: Was ist eigentlich im menschlichen Dasein endgültig? Eigentlich nur der Tod, mit dem jedes Leben auf Erden einmal endet. Daran können auch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, Entdeckungen etc. etwas ändern. Sonst sind dem menschlichen Forschungsdrang keine Grenzen gesetzt. Ohne diesen würde sich unser Leben noch in der Steinzeit abspielen.

Wir sind dankbar für die Entwicklungen im Bereich der Naturwissenschaften, der Medizin, der Technik. Nur die Kirche tut sich – meist aus Machtgründen – bei neuen Sichtweisen immer schwer. Strafmaßnahmen sollen diese ver- oder behindern. Beispiele dafür gibt es genug – vom Mittelalter bis heute. Nur die Methoden änderten sich. Galileo Galilei drohte man noch mit der Inquisition und Hans Küng entzog man die kirchliche Lehrbefugnis.

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat sich aber auch die Kirche für neue Sichtweisen geöffnet. Sie hat begonnen, sich mit den geänderten Lebensumständen der Menschen und deren gesellschaftlichem Umfeld auseinanderzusetzen. Neu zu überdenken erscheinen etwa das Amtsverständnis und die Stellung der Frau in der Kirche. Vieles ist noch immer ungelöst bzw. es zeichnen sich sogar wieder Rückschritte ab. Durch Nachdenk- und Redeverbot wird man aber die notwendigen Änderungen nicht verhindern können. Es ist nur zu hoffen, dass deren Akzeptanz durch die Kirche nicht so lange dauert wie die Rehabilitation von Galileo Galilei. Sie erfolgte 1992 nach fast 400 Jahren.

 

 

Prof. Ingeborg Schödl

 

Themen & Schwerpunkte

Kirche im autoritären Ständestaat

Der Ereignisse des dunklen Jahres 1938 wird heuer besonders gedacht.
Wie das Verhältnis der katholischen Kirche zum politischen System in
den Jahren zuvor aussah, beleuchtet die Grazer Kirchenhistorikerin
Michaela Sohn-Kronthaler.

 

Das heuer in aller Munde geführte Jahr 1938 ist – auch aus kirchlicher Sicht – nicht zu verstehen ohne die Vorgeschichte; konkret: ohne einen Blick auf die Zeit des „Ständestaates“ und des Austrofaschismus der Jahre 1934 bis 1938. In diese Zeit fiel etwa die Unterzeichnung des bis heute geltenden Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und Österreich am 5. Juni 1933. Die Ratifizierung dieses Staatskirchenvertrages erfolgte zusammen mit der Maiverfassung im Bürgerkriegsjahr 1934.

 

Diese enge Verflechtung führte zu partiell heftiger Kritik, vor allem vonseiten der Sozialdemokraten. Unter anderem wurden im Konkordat die staatliche Unauflöslichkeit von Katholikenehen und die fortwährende Untersagung der Zivilehe festgeschrieben, die unter bischöfliche Leitung gestellte Katholische Aktion wurde im Konkordat und in der ständestaatlichen Verfassung verankert. Damit bekam der Episkopat „ein staatskirchenrechtliches Instrument zur grundlegenden Umstrukturierung der katholischen Vereinslandschaft“, sodass die „zahlreichen demokratisch aufgebauten Vereine vereinheitlicht in der Katholischen Aktion (KA), unter strenger hierarchisch-integralistischer Führung, aufgingen“, wie es der Kirchenhistoriker Maximilian Liebmann formulierte.

 

Am 30. November 1933 beschloss die Bischofskonferenz unter Vorsitz Kardinal Theodor Innitzers (1875–1955), der selbst 1929/30 Bundesminister für soziale Fürsorge war, den Rückzug des Klerus aus der aktiven Parteipolitik. Damit war das Ende des „Priesterpolitikers“ besiegelt. Diese Bestimmung bekräftigte der Episkopat erneut im Jahre 1945.

 

Pro Ständestaat

Das Missfallen der österreichischen Kirche am parteipolitischen Pluralismus korrelierte mit ihrer Unterstützung des autoritären „Christlichen Ständestaates“ (1933/34–38). Die Bischöfe würdigten in ihrem Weihnachtshirtenbrief 1933 überschwänglich die Bemühungen der Regierung, „ein nach christlichen Grundsätzen geleitetes Staatswesen“ errichten zu wollen. Österreichs Aufgabe sei es, „ein Bollwerk des katholischen Glaubens zu sein“. In jenem Hirtenschreiben stellte der Episkopat ausführlich die Gegensätzlichkeit von Christentum und Nationalsozialismus heraus.

 

Schon im September desselben Jahres hatte Dollfuß auf dem Allgemeinen Deutschen Katholikentag in Wien vor dem päpstlichen Legaten und den Bischöfen seine Begrüßung zu einer „programmatischen Rede“ zugunsten des von ihm propagierten „Christlichen Ständestaates“ umgestaltet. Von vatikanischer Seite gab es in jener Zeit viel Lob für Dollfuß – innerkirchliche Kritik, wie sie später laut wurde, dass nämlich die österreichische Regierung „Quadragesimo anno“ falsch interpretiert hätte, wurde damals nicht geäußert.

 

So lässt sich eine prinzipielle und systemstützende Loyalität der Kirche Österreichs bis auf die Pfarrebene bezüglich des Ständestaates feststellen. Ebenso gab es organisatorische Verschränkungen und gemeinsame thematische Anliegen, etwa Familie, Mutterschaft, Erziehung und Subordination von Frauen. Kontroversen, die sich hinsichtlich des Regierungskurses abzeichneten, boten in erster Linie die staatliche Jugenderziehung, die katholische Arbeiterbewegung und die Aushöhlung der Bestimmungen über die Sonn- und Feiertagsruhe.

 

Fatale Erklärung

Bereits mit dem „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland in den Märztagen 1938 begannen die Repressalien, Beschlagnahmungen sowie Verhaftungen von Priestern durch die Nationalsozialisten. Trotzdem unterzeichneten die Bischöfe am 18. März 1938 in Wien die fatale „Feierliche Erklärung“, bei der „Volksabstimmung“ am 10. April 1938 für den bereits vollzogenen „Anschluss“ zu stimmen. Ein Teil der österreichischen Katholiken sah sich damit in seiner Haltung zum Nationalsozialismus bestätigt, andere waren bestürzt.

 

Da das österreichische Konkordat vom NS-Regime außer Kraft gesetzt wurde, führte die Kirchenleitung geheime Verhandlungen mit den Machthabern, um die Rechte der Kirche zu sichern. Diese wurden wegen der Kritik Roms erst am 19. August 1938 abgebrochen. Noch vehementer erfolgten nun Schikanen und Terrormaßnahmen gegen das kirchliche Leben: Sämtliche Vereine, Klöster, konfessionelle Schulen und das kirchliche Pressewesen wurden aufgelöst, die Caritas in ihrem Wirken behindert. Die Theologischen Fakultäten wurden bis auf jene in Wien reduziert. Der Religionsunterricht war teils verboten, teils eingeschränkt.

 

Die nationalsozialistischen Machthaber ordneten die obligatorische Zivilehe mit Juli 1938 an und zerschlugen die vom Staat wesentlich mitgetragene Regelung der Kirchenfinanzierung, indem sie 1939 das bis heute geltende Kirchenbeitragsgesetz einführten – damals mit dem Ziel, die Kirche gänzlich zu liquidieren. Die Kirche wurde aus dem öffentlichen Leben verbannt und in den Untergrund gedrängt.

 

Zu einem direkten Widerstand der österreichischen Kirchenleitung gegenüber der NS-Diktatur oder zu einer Kritik am Herrschaftssystem kam es nicht, Ausnahmen bildeten einzelne Christinnen und Christen. Die Zahl der Opfer des Widerstandes – Priester, Laien, Ordensleute – war indes hoch: allein 724 Priester wurden inhaftiert.

 


 

 

 

Michaela Sohn-Kronthaler

 

Univ.-Prof. Dr. Michaela Sohn-Kronthaler leitet seit 2002 das Institut für Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Juli/August 2018

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