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Editorials aus dem "miteinander"

Leben als Glücksversprechen

Von Chefredakteur Henning Klingen

 


Bald heißt es wieder „Prosit Neujahr!“ Sektkorken knallen und berauscht von Musik, Licht und einem ordentlich Schuss Alkohol liegen sich die Menschen in den Armen. Silvester: Für viele Inbegriff eines rauschenden Festes. Auch wenn es nahe läge, in einem Editorial zu diesem Thema in Erinnerungen zu kramen und süffisante Anekdoten auszuheben, so bleibt einem das Achterl regelrecht im Halse stecken: Denn zwar geht der klassische Alkoholkonsum zurück, dafür steigt aber der Konsum an Designerdrogen bzw. anderer Rauschmittel bis hin zur neuesten Form, der Online-Sucht, an. Der Kick im Klick sozusagen.


Doch was suchen Menschen in diesen Kicks? Sind die kalkulierten Räusche - zwischen streng getaktetem Terminkalender, Job und Familie - tatsächlich nur ein Übel, die pathologische Seite einer ansonsten leeren, kalten Moderne? Oder spricht aus der Freude an der Ekstase auch eine ungehörte, unerhörte Sehnsucht? Was nämlich geschieht in einem Rausch? Wer im Rausch ist, ergeht sich ganz im Hier und Jetzt, er erlebt sich ganz von unkalkuliertem Leben durchpulst, der Schwere des Alltags und der Last der Zukunft enthoben. Leben in den überzeichneten Farben und Blitzlichtern eines Familienalbums. Kurz: Es ist dies jener flüchtige Moment, in dem das Leben als Glücksversprechen erfahren wird.

 

Der religiöse Rausch trägt das Versprechen in sich, dass das Leben anders sein kann, ja, sein wird.


Es liegt mir fern, damit eine Lobhudelei des Rausches zu betreiben! Dafür ist die Sache zu ernst - und zu gefährlich. Aber unter der gewählten Perspektive kann vielleicht deutlich werden, was für ein Potenzial im Rauschhaften steckt; ein Potenzial, dessen sich auch die Religionen bedienen. Denn um Gott als den ganz Anderen zu begreifen, muss man selber Andersorte aufsuchen, selber sich "ver-rücken" lassen. Das Christentum feiert dieses Geheimnis in der Liturgie. Das heilige Zusammenspiel von Musik, Wort, Klang, auch Licht und Kunst schafft einen solchen Andersort, der berauschen kann - sei es in Form barocker Üppigkeit oder gotischer Strenge. Und auch der religiöse Rausch trägt das Versprechen in sich, dass das Leben anders sein kann, ja, anders sein wird.


Ein entscheidender Unterschied indes bleibt: Während der indizierte Rausch vor allem Kopfschmerzen nach sich zieht, entlässt die Liturgie den Feiernden mit dem Impuls der Veränderung in den Alltag: Auf dass das Leben tatsächlich ein Fest werde, das keines Rausches bedarf!

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