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Editorials aus dem "miteinander"

Berührung macht den Menschen

Von Chefredakteur Henning Klingen

A teenage girl with grandmother at home, hugging. Family and generations concept.

Ich trinke gern Kaffee. Noch dazu, wenn er auch optisch geschmackvoll zubereitet ist. Entsprechend wurde mein Blick jüngst von einer verlockenden Kaffeetasse auf einem großen Werbeplakat einer bekannten Fastfood-Kette gefesselt. „Umarmt dich von innen“, rief das Plakat dem Betrachter zu. Das hat mich beeindruckt. Denn der Werbeagentur ist da etwas Besonderes gelungen, nämlich die Verdichtung der Sehnsucht nach Nähe, nach Berührung – und zugleich die Beschreibung eines argen Corona-Defizits: dass man sich selbst umarmen solle, dass dies derzeit offenbar niemand anderer tut.

 

Tatsächlich merke ich an mir selber, dass nicht nur die Welt klein geworden ist in den letzten Monaten, sondern dass auch die aufrichtige Umarmung unter Freunden schmerzlich fehlt. So wenig ich ein Freund der Bussi-Bussi-Gesellschaft bin, so sehr wünsche ich mir in Zeiten monoton flackernder Homeoffice-Bildschirme die umarmende Nähe zurück. Und wie viel mehr muss dies gelten für ältere oder gar pflegebedürftige Menschen, die ganz auf körperliche Nähe verzichten müssen, wiewohl Studien zeigen, dass gerade diese Nähe es ist, die sie aufrichtet! Ob am Beginn des Lebens, wo man das Neugeborene Haut an Haut spürt, oder am Lebensende: Es ist die Berührung, die uns zum Menschen macht.

 

„Ob am Beginn des Lebens,

wo man das Neugeborene Haut an Haut spürt,

oder am Lebensende:

Es ist die Berührung, die uns zum Menschen macht.“

 

Der biblische Glaube macht im Übrigen Ernst mit dieser sensorischen Bedürftigkeit. So beschreibt das Neue Testament an vielen Stellen, wie Jesus den Menschen nicht nur in Form von gemeinsamen Mahlzeiten oder Festen, sondern auch in Berührungen und Umarmungen nahe war. Und dem Zweifler Thomas erlaubt Jesus, den Finger in seine Wunde zu legen, auf dass er ihn erkenne. Gewiss, der Auferstehungsglaube, dieses Drama aus Passion und Ostergeschehen, ist auch Wegscheide. Gott entzieht sich dem Menschen, ruft ihm zu: „Noli me tangere“, „Berühre mich nicht!“ Doch nicht, um unberührbar zu werden, sich zu entziehen, sondern um so den Menschen ganz auf die Welt zurückzuverweisen. Und so hege ich weiter die Sehnsucht nach Umarmung und danach, andere zu umarmen. Möge Ostern auch diesbezüglich kommen – und bis dahin ein guter Kaffee innerlich trösten und wärmen …

 

 

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