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Editorials aus dem "miteinander"

Muss ich Muße müssen?

Von Chefredakteur Henning Klingen

 

 

Es gibt Worte, die sind von der Werbeindustrie so verkleistert und verbraucht, dass ich sie nur widerwillig in den Mund nehme. Entschleunigung ist so ein Wort. Oder auch Achtsamkeit. Kommt akademisches Fachgeschwurbel hinzu, spricht man gern auch von Resilienz. Bitte mich nicht falsch zu verstehen: Diese Worte haben ihren Sinn, sie sprechen tiefe Sehnsüchte an und benennen zugleich ein offenbar von vielen Menschen gespürtes Defizit. Doch zum einen habe ich vier Kinder in jenen Altersstufen, die Entschleunigung oder persönliche Achtsamkeit zu fernen Wunschwölkchen werden lassen; und zum anderen hege ich eine prinzipielle Skepsis gegenüber allzu vollmundigen Alternativentwürfen zum Alltag.

 

 

»Beim Müßiggang geht es darum,

dem Geist auf die Sprünge zu helfen und

den Alltag zu verändern.«

 

Unter dem „guten Leben“ wird in der Philosophie ein ganz und gar zweckfreies Leben verstanden – also eines, das man nur um seiner selbst willen anstrebt. Dienen Achtsamkeitstrainings und Entschleunigungskurse tatsächlich einem solch hohen Ziel? Oder sind sie nicht im Gegenteil total verzweckt, da sie das Ziel verfolgen, den als enorme Belastung empfundenen Alltag schlichtweg besser ertragen zu können, und ihn damit gar noch zu verstetigen? Ein Versuch, diesem Dilemma zu entkommen, stellt der Begriff des Müßiggangs dar. Müßiggang meint nämlich mitnichten Faulheit oder Trägheit, sondern eine Tätigkeit. Müßiggang hat schließlich etwas mit Gehen, mit Bewegung zu tun. Es geht um äußere Ruhe, darum, dem Geist auf die Sprünge zu helfen – und den Alltag und dessen Energiefresser zu verändern.

 

Ich gebe zu, auch das ist ein hehres Ziel. Denn wann immer sich ein kleines Zeitfenster jenseits des Jobs öffnet, sind gleich vier Kinder zur Stelle. Momos graue Herren in Kindergestalt, die – wenngleich mit Fantasie und bunten Ideen – jede freie Minute in ihre persönliche Zeitsparkasse stopfen. Mit einem entscheidenden Unterschied: Sie kosten nicht nur Kraft, sondern sie geben zugleich Lebensenergie. Denn sie lassen mir das Leben klingen und schwingen. Worauf möchte ich hinaus? Darauf, dass man Müßiggang vielleicht gar nicht müssen muss, wenn man bereits im Alltag Spuren jenes „guten Lebens“ erkennen kann, die ein Achtsamkeitstraining mühsam freilegen muss. Wobei eine kleine Barbehebung aus der Zeitsparkasse zugegebenermaßen hin und wieder recht angenehm wäre …

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