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Editorials aus dem "miteinander"

Mängelexemplare für Mängelwesen

Von Chefredakteur Henning Klingen

 

Kennen Sie die ZDF-Krimiserie Wilsberg? Im Mittelpunkt steht ein schrulliger Händler antiquarischer Bücher, der nebenher als Privatdetektiv arbeitet. Sein Antiquariat ist eine wunderbare Bücherhöhle. Und das Schönste daran ist: Dieses Antiquariat gibt es wirklich. In Münster. Und es bildete ein Element meines studentischen Planquadrats aus Studentenwohnheim, Kneipen, zwei Antiquariaten, der Überwasserkirche, Mensa und der theologischen und germanistischen Fakultät. Alles nicht mehr als einen Steinwurf voneinander entfernt. Eine kleine Welt, die mir als junger Studi eine große, neue Welt war. Und alles hatte darin seinen Platz – die Kirchen ebenso wie die Treffen in Mensen und Kneipen, die Seminare ebenso wie die Vorlesungen und eben die Antiquariate, die sogenannte B-Ware oder „Mängelexemplare“ aktueller Bücher günstig hergaben.

 

»Mein Bücherzoo: er enthält alles,

was mich prägte, ja, was ich bin.«

 

Bis heute stehen sie in meinen Bücherregalen. Manche stark zerlesen und bekritzelt, denen man den Mangel auf den ersten Blick ansieht; manche wie eine stumme, verstaubte Anklage: „Seit 15 Jahren hast du mich keines Blickes gewürdigt!“ Gemeinsam ist meinem Bücherzoo, dass er ein wichtiges Arbeitsinstrument darstellt, ein unerschöpfliches Gedächtnis an Zitaten, Gedanken, Theoriefetzen, die mir helfen, textlich meinen Alltag zu fassen. Ein „Handapparat“ (noch so ein Reliktwort aus Studienzeiten), der zugleich geistig alles enthält und darstellt, was mich prägte, ja, was ich bin. Das ist nicht viel. Vor allem ist es theologische, zeitgenössische Fachliteratur, manch philosophischer Klassiker der Moderne, hier und da „Sammelschuber“ mit Gesamtausgaben, die besonders empört ihre Nichtbeachtung beklagen. Dazu viele Akten mit kopierten Aufsätzen aus der Dissertationszeit.

 

Romane sucht man in meinem Kellerverlies vergeblich. Anders als bei meinen Kindern und meiner Frau, die Geschichten und Romane nur so verschlingen, ermüden sie mich rasch. Vielleicht ist das der verkorkste Blick des Medienheinis und Journalisten, der stets direkt fragt, was denn „die eigentliche Geschichte an der Geschichte“ ist; der – wie in dieser Kolumne – in 2.500 Zeichen auf den Punkt kommen will. Auch die Bibel macht es mir nicht leicht, klagt über ihre zu seltene Benutzung. Über 70 Einzelbücher in einem Deckel, von unzähligen Händen bearbeitet, weitergeschrieben, redigiert. So different und vielschichtig wie das Leben, eben Mängelexemplare für Mängelwesen – und doch und gerade dadurch so aufrichtig und entscheidend. Ich sollte häufiger darin lesen.

 

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