Mag. Lukas Cioni
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miteinander 9-10/2026

Mein Name ist Sebastian Maly SJ. Ich leite seit Dezember 2025 den Bereich Spiritualität und Exerzitien am Kardinal König Haus in Wien. Seit Kurzem bin ich 50 Jahre alt, meine Berufung als Jesuit ist daran gemessen jung – oder sie hat wie ein guter Wein eine relative lange Reifungszeit hinter sich.
Geboren und aufgewachsen in Frankfurt am Main, habe ich über meine Heimatpfarre von Kindesbeinen an Kontakt mit Jesuiten gehabt. Deswegen, aber auch weil mein etwas älterer Cousin schon im Teenageralter wusste, dass er gern Priester werden würde (was er auch immer noch ist!), hat mich die Frage seit meiner Jugendzeit begleitet, ob ein solcher Weg als Jesuit auch etwas für mich sein könnte. Meine Erwartung war jedoch: Wenn Gott das will, dann wird er es mir schon deutlich zeigen. Ich ging von Visionen, Zeichen oder Ähnlichem aus, wodurch mir Gott unmissverständlich mitteilen würde, dass das mein Weg sei. Schließlich ist meine Berufung eine ernste, schwere Sache, da braucht es schon besondere Mithilfe!
Durch die Krise zur Berufung
Doch auf diese Weise hat Gott mich nicht berufen. Ich studierte die Fächer, die mich interessierten (Philosophie und Theologie), machte gute Erfahrungen in einer Partnerschaft. Nach meinem Doktorat in Philosophie arbeitete ich im Cusanuswerk, dem Begabtenförderungswerk der katholischen Kirche Deutschlands – eine wunderbare Aufgabe! Dann hatte ich eine echte Lebenskrise, in der ich lernen musste, dass ich mein Leben nicht immer kontrollieren kann.
Und ich begriff eine Aussage aus dem Evangelium neu: Wer sein Leben gewinnen will, muss bereit sein, es loszulassen. In diese Bewegung des Loslassens hinein konnte ich dann plötzlich auch relativ leicht die Entscheidung treffen, es einfach mal mit den Jesuiten zu probieren. Ich hatte zwar äußerlich gesehen viel mehr aufzugeben und zu verlieren als mit Anfang 20. Aber innerlich konnte ich plötzlich mein Leben in die Hände Gottes hineinlegen, ohne Angst. Gott hat mich berufen, indem er meinen Weg mitgegangen ist.
Räume der Stille eröffnen
Aus dem Versuch sind inzwischen 13 Jahre Leben als Jesuit geworden. Letztes Jahr habe ich meine Letzten Gelübde abgelegt und darf nach mehreren Stationen nun in Wien „den Seelen helfen“ – das war meine tiefe Sehnsucht, als ich 2013 ins Noviziat eingetreten bin. Menschen Räume für Stille zu eröffnen und sie zu ermutigen und darin zu begleiten, die Wirklichkeit Gottes an sich heranzulassen, das ist mein Lebensabenteuer.
Wenn ich heute gefragt werde, was für mich „Berufung“ bedeutet, antworte ich gern mit den Worten Frederick Buechners: „The place God calls you to is the place where your deep gladness and the world’s deep hunger meet.“ An welchem Ort treffen sich deine tiefe Freude und der Hunger, die Nöte der Welt?
Ich wende mich aber noch in einer anderen Angelegenheit an dich: Könntest du dir vorstellen, mal für das miteinander (die Zeitschrift des Canisiuswerks für Berufungspastoral, die ich seit vielen Jahren leiten darf) einen Text über dich, deinen Berufungsweg und dein neues Aufgabengebiet im KK-Haus zu schreiben? Also ausgehend von deiner Tätigkeit im KK-Haus (Hallo, ich bin der Neue …) über eine Schilderung, was dir beim Thema Berufung wichtig ist (und wie du deine eigene Berufung entdeckt und entwickelt hast) bis hin zu vielleicht ein paar Highlights, die du neu einbringst in das Angebot des KK-Hauses … æ– Könntest du dir das vorstellen?

Sebastian Maly SJ
leitet seit Dezember 2025 den Bereich „Spiritualität und Exerzitien” im Kardinal König Haus in Wien. 2013 trat er in das Noviziat der Jesuiten in Nürnberg ein und leitete nach den Gelübden die außerschulische Jugendarbeit am Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg. Bis 2022 war er Schulseelsorger am Canisius-Kolleg in Berlin und wurde 2018 in Frankfurt zum Priester geweiht.