Mag. Lukas Cioni
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miteinander-Magazin
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miteinander 9-10/2026

Welche Personen haben Sie in Ihrem Werdegang bestärkt?
Meine Großmutter. Sie wurde in einer Klosterschule zur Lehrerin ausgebildet und vermittelte mir christliche Werte, Glauben, Kulturliebe, Kreativität und einen außergewöhnlichen Sinn für Humor. Zudem prägte mich Jesuitenpater Nemes Ödön, der als Spiritual im rumänischen Priesterseminar Alba Julia wirkte. Mit 17 machte ich meine ersten ignatianischen Kurzexerzitien – ein Schlüsselerlebnis: Ich begegnete einem liebenden, heilenden Gott, nicht einem strafenden.
Wann haben Sie zuletzt herzhaft gelacht?
An einem Sonntag beim Mittagessen. Eine Mitschwester, der es nicht gut ging, erzählte einen Witz über ihre Situation – mit selbstironischem, erfrischendem Humor. Ihre Leichtigkeit war ansteckend, wir mussten alle lachen.
Seit 1999 sind Sie bei der Kongregation der Helferinnen. Wo liegen Ihre Aufgabenfelder?
Unsere Gemeinschaft ist vielseitig tätig. Wir sind flexibel und dort aktiv, wo wir gebraucht werden – ob auf Einladung oder in Notlagen. Wir arbeiten als Seelsorgerinnen, Sozialarbeiterinnen, Lehrerinnen und Ärztinnen. Neben sozialen Aufgaben bieten wir spirituelle Begleitung: ignatianische Exerzitien, Bibel-Teilen, Stille Tage. Unser Ziel ist es, Menschen in Beziehung mit Gott zu bringen – unabhängig von Herkunft oder Konfession. Wir glauben an die verwandelnde Kraft der göttlichen Liebe und sind Hoffnungsträgerinnen im Spannungsfeld der Gesellschaft. Mein Verständnis von Läuterung, von „Fegefeuer“ ist es, mehr in Einklang mit Gott, mit mir und den Menschen zu kommen. Der volle Name unseres Ordens Kongregation der Helferinnen der Seelen im Fegefeuer zeigt das.
Wie helfen Sie Menschen, ihre Berufung zu erkennen?
Ergänzend zur ignatianischen Entscheidungsfindung begann ich 2024 eine Ausbildung im Berufungscoaching beim Institut für Wachstum und Veränderung (WaVe). Gerade junge Studierende erleben oft Orientierungslosigkeit angesichts zahlloser Optionen. Das Coaching bietet strukturierte Begleitung: Einzelgespräche, Gruppensettings, praxisnahe Methoden zur Wegfindung. Ziel ist, die Lebensvision der Person greifbar und realisierbar zu machen. Es geht darum, herauszufinden: Was erfüllt mich? Wo kann ich mitgestalten? Ich sehe die Methode des Berufungscoachings als wertvolle Hilfe für junge Menschen, um Klarheit zu gewinnen.
Woraus schöpfen Sie Kraft und Zuversicht?
Aus der Beziehung zu Gott, zu Menschen, zur Natur. Ein gutes Buch, ein inspirierender Podcast oder ein Moment der Dankbarkeit helfen mir, den Blick auf das Wesentliche zu richten. Kraft geben mir Begegnungen mit Menschen, die ihr Leben aktiv gestalten und positive Beiträge leisten wollen. Es motiviert mich, sie auf ihrer Suche zu begleiten – sei es in Exerzitien, beim Gottesdienst etwa im Gefängnis oder im Berufungscoaching.
Was wünschen Sie sich von der Kirche?
Eine Treue und Lebendigkeit in der Nachfolge Jesu Christi: wo der Mensch im Mittelpunkt ist, in Gemeinschaft mit anderen und mit Gott.
Was bedeutet „Berufung“ für Sie?
Berufung ist eine persönliche Antwort auf einen Ruf: sich von Gottes Liebe bewegen zu lassen und gemeinsam mit anderen glaubend, liebend und hoffend unterwegs zu sein. Jesus hat selbst gesagt, dass Er gekommen ist, damit wir das Leben in Fülle haben. Mein Motto lautet: das Lebensfördernde zu suchen, zu entdecken, zu wagen und überall zu hoffen, auch wenn es unmöglich scheint.
Sr. Maria Patka
hat als Sozialarbeiterin bei Solwodi Wien – einer Beratung und Schutzwohnung für Frauen aus Menschenhandel und Prostitution – sowie ehrenamtlich beim Berufungszentrum „Quo vadis?“ bei spirituellen Angeboten für junge Menschen gearbeitet. Die in Siebenbürgen geborene Rumänin hat das Studium für Soziale Arbeit abgeschlossen und ist 1999 der Kongregation der Helferinnen beigetreten. Seit 2024 absolviert sie den WaVe-Berufungscoaching-Lehrgang.