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Grüner Dienst für die Menschen

Von "Kräuterpfarrer" Benedikt

Natur und Glaube bilden keinen Widerspruch, im Gegenteil. Bereits der heilige Augustinus hat in seinen Schriften die Schöpfung als Buch bezeichnet, aus dem sich die Offenbarung Gottes herauslesen lässt. Von Benedikt FELSINGER

miteinander 9-10/2026

miteinander 9-10/26

Vor Jahren ist es mir zugefallen, einen „grünen Dienst“ wahrzunehmen, um in den Fußstapfen des begnadeten Kräuterpfarrers Hermann-Josef Weidinger zu treten. Ein Weg, welcher vielen einen Zugang zu den wirkkräftigen Kräutern ebnet und zeitgleich die heilsame Zuwendung zu Krankheit und Leiden seitens der Kirche zeigt. Schon meine Kindheit, die mit vielen Einblicken in die Landwirtschaft bei Onkel und Tante und durch das beobachtende Erleben des Waidwerks seitens meines Vaters bereichert wurde, hat ein Naheverhältnis zur Natur entstehen lassen. Seitdem riss der Draht zu Tier und Pflanze niemals ab.

„Jede Pflanze birgt das unergründliche Geheimnis des Lebens in sich,

das uns unweigerlich auf die Spur Gottes lenkt.“

Wachsen und Reifen

Diese Voraussetzungen wurden eingeflochten in das stetige Wachsen und Reifen meiner Berufung, die ich versuche, als Prämonstratenser jeden Tag neu zu formen und zu leben. Für mich gibt es aus all den Erfahrungen, die damit einhergehen, keine Alternative zum christlichen Glauben. Gerade von unserer Sicht auf alles Geschaffene unter dem Himmel und im All können wir uns wieder auf eine Richtungsänderung einlassen, die vieles, das wir in den vergangenen Jahrzehnten nur „nach unserem Gutdünken“ – wie es die heilige Hildegard von Bingen sagt – hier auf Erden zurechtgerichtet haben, ohne auf Folgeschäden und Vernichtung zu achten, einer heilsamen Veränderung zuführt. Ich denke, ein Ansatz für derlei Umdenken können die guten Beziehungen zu den Kräutern sein.

 

Aufmerksam bleiben

Um diese nun aufzubauen, bedarf es einer erhöhten Aufmerksamkeit für das Einfache und Naheliegende. Ich kann mir etwa von den Gänseblümchen, denen letztlich kein Rasenstandort zu gering erscheint, selbst im dunklen städtischen Hinterhof, einen Lebenswillen abschauen. Oder schauen wir auf den Spitzwegerich, der äußerst gut mit dem verdichteten Boden auf den Geh- und Feldwegen zurechtkommt. Er ist entzündungshemmend und hat nervenstärkende Kraft. Um für den Körper den Stoffwechsel durch spezielle Bitterstoffe anzuregen, hat der Herrgott den Löwenzahn geschaffen. Für Haut und Haar gibt es zudem Seifenkraut und Birkenblätter.

 

Im Kräuterkasten

Wer mit den Kräutern den Alltag teilen möchte, ist gut beraten, einen Kräuterkasten am Fensterbrett zu bestücken. Meine Favoriten sind dabei die Gewächse mediterranen Ursprungs wie etwa der ausgleichende Lavendel oder der belebende Rosmarin. Natürlich sollte auch Schnittlauch einen fixen Platz haben, um ihn bei vielen Gelegenheiten unters Essen zu mischen oder ganz einfach ein Butterbrot damit aufzubessern. Immerhin sorgt er auf sanfte Weise dafür, dass unsere Blutgefäße frei von schädlichen Ablagerungen und unser Gewebe elastisch bleibt.

 

In den Gärtnereien wiederum werden verschiedene Arten des Thymians angeboten. Mit seinen ätherischen Ölen stärkt er Atemwege und hilft, dass es Infektionen schwerer haben, ihr Unwesen mit unserem Körper zu treiben.

Lasst uns bei all den Überlegungen eines nicht vergessen: das Staunen. Jede Pflanze birgt das unergründliche Geheimnis des Lebens in sich, das uns unweigerlich auf die Spur Gottes lenkt. Er hat uns vieles zu Füßen gelegt, das einer Einladung gleichkommt, das Leben zu wagen und in der Folge gut über die Runden zu bringen. Die Weisheit der traditionellen Klostermedizin bringt einen ganzheitlichen Ansatz zum Vorschein, der sowohl auf das Wohlergehen physisch-organsicher Vollzüge abzielt, aber nie die Seele außen vor lässt – und diese Sicht ist zukunftsweisend.


 

miteinander 9-10/26

Benedikt Felsinger o.praem.

ist Prämonstratenser-Chorherr des Stiftes Geras, Buchautor und als „Kräuterpfarrer“ bekannt.

www.kraeuterpfarrer.at

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