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Streit-Wort: Heil

Glosse

Vom Berg Heil, Ski Heil und wie aus einem Segenswunsch ein Ausschließungscode wurde.

Glosse von Wolfgang MACHREICH

 miteinander 1-2/2025

miteinander 9-10/26

Berg Heil, Berg Frei, ich bleib dabei! Ich bin kein „Waidmanns-Heil“-Jäger, kein „Petri-Heil“-Fischer und beim Skifahren haben Helm und Rückenprotektor den Hals-und-Beinbruch-Wunsch „Ski Heil“ ersetzt. Das Wort „Heil“ spielt daher in meinem aktiven Wortschatz keine Rolle – bis auf eine Ausnahme: Ich steig gern auf Berge und da ist der Gruß „Berg Heil“ nach wie vor gebräuchlich, aber auch umstritten. Das ist gut so, wurde damit doch auf unseren Bergen sehr viel Schindluder getrieben, wurde aus dem Segenswunsch ein Ausschließungscode gegen Bergsteigerinnen und Bergsteiger jüdischen Glaubens und nicht nationalsozialistischer Gesinnung gemacht.

 

Bevor ich in die Historie gehe, erzähle ich von einem Heil-Erlebnis bei meiner Tour auf den Großen Hafner, von dessen 3000er-Gipfel man in den Salzburger Lungau und ins Kärntner Maltatal schaut. Ich komme oben an und begrüße die Gipfelrunde mit „Berg Heil“. Freundlich und nicht mit dem laut bellenden Zungenschlag, der das Heil wie eine Gewehrsalve schmettert und den ich selber nicht verputzen kann. Aber mein Gruß wurde gerügt. „Die Zeiten, in denen wir Heil sagten, sind Gottseidank vorbei“, schimpfte mich eine Bergsteigerin und hielt mir vor, dass dieser Gruß „gar nicht mehr geht“.

 

Ich holte Luft, was nicht der 3000-plus-Höhe geschuldet war, und fragte die Frau, ob sie wisse, wer, wo, wann das „Berg Heil“ eingeführt hat. Es war der Wiener Geograf und Alpinist August Böhm, der am Gipfel des Olperer im Zillertal mit dem „Berg Heil“-Grüßen anfing. Am 8. August 1881 war das, lange bevor der „Gröfaz“ in Braunau zur Welt kam. Aber ja, schon vor der Nazi-Zeit ist der braune Dreck auch die Berge hinaufgespritzt. Aber ja, es waren die jüdischen Bergsteigerinnen und Bergsteiger, die man in den 1920ern mit dem „Arierparagrafen“ aus dem Alpenverein jagte, die sich in ihrer Sektion „Donauland“ das „Berg Heil“ nicht nehmen ließen. Und ein sozialdemokratischer Naturfreund, die sich mit „Berg Frei“ grüßen, schrieb damals: „Wenn uns jemand Heil, das heißt Glück, in den Bergen wünscht, wünschen wir ihm dort die Freiheit, die er unten, in den menschlichen Niederungen niemals zu finden vermag.“ So soll es sein, „Berg Frei“, „Berg Heil“, ich bleib dabei, lassen wir uns das Heilsein und die Freiheit in unseren Bergen nie mehr nehmen.


Wolfgang Machreich

Wolfgang Machreich
ist freier Journalist, Autor und Redaktionsmitglied des miteinander-Magazins.

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