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Die Bibel im Kleinen

Handwerk und biblische Figuren

Ein Leben ohne biblische Figuren kann sich Eva Schiffel nicht vorstellen. Seit über 20 Jahren gibt sie ihr Wissen an Interessierte weiter. Von Christopher ERBEN

miteinander 9-10/2026

miteinander 9-10/26

Ein Vormittag im August. Stimmen sind zu hören. Mehrere Frauen sitzen rund um einen Tisch in einem Haus in Gumpoldskirchen in Niederösterreich. „Herzlich Willkommen in unserem Figurenkurs“, begrüßt Eva Schiffel die Gäste. Es ist nicht der erste Kurs dieser Art im heurigen Jahr. Das Interesse ist rege.

 

Aus der Schweiz

Der Ursprung der biblischen Erzählfiguren liegt im kleinen Ort Schwarzenberg in der Nähe von Luzern in der Schweiz, weshalb sie auch von vielen als „Schwarzenberger Erzählfiguren“ bezeichnet werden. Im Jahr 1964 gestaltete die Ordensschwester Anita Derungs dort den ersten Figurenkurs. Rasch bildete sich ein Kreis begeisterter Frauen um sie herum, die viele Ideen zur Weiterentwicklung umsetzten und wesentlich zur Verbreitung der Figuren im deutschen Sprachraum beitrugen.

Nur 30 Zentimeter groß sind die klassischen Bibelfiguren. Schafe, Esel oder Ochsen sind natürlich entsprechend kleiner. Jede Einzelne ist aber ein einzigartiges Kunstwerk. „Über 200 habe ich in den vergangenen 20 Jahren gestaltet“, erzählt Eva Schiffel. Die Materialien bestehen aus Naturfasern wie Leinen, Wolle oder Baumwolle, um den „textilen Möglichkeiten“ der biblischen Zeit zu entsprechen. Mit wenig handwerklichem Geschick könne jede und jeder eine Figur herstellen, ist die frühere Pastoralassistentin überzeugt, die schon sehr geübt sei. Für eine Figur brauche sie heute rund sieben Stunden.

miteinander 9-10/26

Vieles in Handarbeit

Während der Korpus einer Figur aus Sisaldraht besteht, sind die Füße immer aus Blei, um ihr eine gewisse Standfestigkeit zu verleihen. Das Gesicht wird mit einer Gesichtsmasse geformt. Nachdem am ersten Tag des Kurses die Grundfigur hergestellt wurde, wird die Figur am zweiten angekleidet und erhält Haare und Schuhe. Accessoires wie ein Hirtenstab oder eine Tasche kommen hinzu. Kinder wie Jugendliche, Mütter und Väter, Omas und Opas – alle arbeiten in den Kursen immer begeistert mit, sagt die Theologin. Für sie ist jeder Kurs daher eine interessante und spannende Erfahrung, weil dort immer wieder Neues und Schönes entsteht.

Anna ist bereits zum fünften Mal dabei. Unzählige Figuren habe sie seither hier gestaltet. „Ich schenke sie meinen Freunden und Verwandten gerne zu besonderen Anlässen“, sagt sie begeistert, während sie an einem kleinen Mantel näht. Obwohl die meisten Figuren die biblische Zeit widerspiegeln, können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer Fantasie und ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

 

Fast überall im Einsatz

Zum Einsatz kommen die Figuren nicht nur zu Hause, sondern etwa auch in Gottesdiensten, im Religionsunterricht, in Bibelkreisen, im Kindergarten, in der Erwachsenenbildung, in der Arbeit mit SeniorInnen und mit Menschen mit Beeinträchtigungen sowie in Therapien, erklärt Eva Schiffel. Einer Teilnehmerin half das Eintauchen in eine biblische Geschichte mithilfe der biblischen Figuren, einen Konflikt mit ihrer Schwester leichter zu lösen.

Keine der Figuren hat ein Gesicht, weil Gefühle und Emotionen wie Freude oder Traurigkeit über die Körperhaltung und Gebärden ausgedrückt werden. „Ja, wir hauchen ihnen durch Bewegungen Leben ein“, sagt die 67-Jährige abschließend. „Um mit ihnen die Bibeltexte anschaulich und erfahrbar zu machen.“

 

Informationen und Termine finden Sie unter:

www.bibelwerkstatt.com


 

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Eva Schiffel

ist Pastoralassistentin und seit 2006 Kursleiterin für Biblische Figuren.

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