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Heilende Begleitung

Interview zur Hospiz-Seelsorge

Ulrike Reiterer-Schörg ist Krankenpflegerin im Hospiz und Quereinsteigerin in der Seelsorge. Warum sie Menschen zusätzlich spirituell begleiten will, wie sie mit dem Tod umgeht und warum Patientenbesuche mystisch sein können. Von Oliver STEINRINGER

miteinander 9-10/2026

miteinander 9-10/26

Sie sind Krankenpflegerin und haben sich entschieden, zusätzlich auch als Seelsorgerin zu arbeiten. Was hat sie zu diesem Schritt bewogen?

Grundlegend ist, dass die Spiritualität eine wichtige Kraftquelle für mich ist. Ich arbeite seit vielen Jahren in der Krankenpflege mit Schwerpunkt Hospiz und Palliative Care. Mit der Erfahrung im Beruf ist der Wunsch in mir gewachsen, die Menschen auch spirituell zu begleiten. Das machen wir vielfach auch in der Pflege, aber es bleibt nicht immer genug Zeit dafür. Im Hospiz erlebe ich, dass sich gerade in der Krankheit und am Lebensende oftmals Sinnfragen stellen. Der Glaube kann helfen, sich aufgehoben zu fühlen, auch wenn die Krankheit und die damit verbundenen Einschränkungen bleiben. In den schweren Momenten möchte ich da sein und dadurch Gottes Nähe vermitteln und spüren lassen.

 

Gab es eine berührende Begegnung in Ihrer bisherigen seelsorglichen Tätigkeit?

Solche Begegnungen gibt es immer wieder, besonders am Lebensende, wenn die Sterbenden nur mehr wenig oder gar nicht mehr sprechen können. Aber gerade dadurch sind es oft ruhige, berührende und kostbare, fast mystische Momente mit den Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Ich darf dann am Bett sitzen, laut oder leise beten oder singen und ein Stück dieses Weges mitgehen.

 

Im Hospiz haben Sie viel mit Sterben und Tod zu tun, zusätzlich sind Sie Trauerbegleiterin. Alles emotional schwierige Themen und Situationen. Wie gehen Sie damit um?

Eine Hilfe, mit dem Sterben umzugehen, sind die Hoffnung und der Glaube, dass der Abschied am Lebensende kein endgültiger ist. Oft gehen mir die Begegnungen und Gespräche noch nach. Da kommt mir ein längerer Heimweg zugute, um noch einmal über das Erlebte nachzudenken und nachzuspüren. Zu Hause angekommen, kann ich dann meist gut abschalten. Dabei helfen mir auch Stille und Gebet, der Austausch mit meinem Mann, das Pflegen von Freundschaften oder die Bewegung in der Natur. Auch die regelmäßige Supervision unterstützt. Ausreichend freie Zeit ist wichtig, um wieder Kraft zu tanken. Trotzdem gibt es auch Menschen, Familien oder Begleitungen, die mich länger beschäftigen.

 

Was haben Sie aus den Begegnungen mit Menschen am Lebensende für Ihr eigenes Leben gelernt?
Was wir immer wieder von den Kranken hören, ist: „Ich hatte noch so vieles vor und jetzt ist es nicht mehr möglich, das zu verwirklichen. Schieben Sie nichts auf!“ Diesen konkreten Rat möchte ich gern berücksichtigen, was aber nicht immer leicht ist. „Sterbende sind Liebende“, so sagte mir einst eines meiner Vorbilder in der Palliative Care. Ich erlebe auch selbst immer wieder, dass die Menschen am Lebensende gütiger, dankbarer, letztlich liebevoller werden. Davon zu lernen, empfinde ich als lebensbegleitende Aufgabe. „Im Tod sind wir alle gleich“ – diese Erfahrung hilft mir, das Augenmerk nicht zu sehr auf Äußerlichkeiten zu legen, sondern mehr auf das, was Bestand hat: gute Beziehungen – zu Gott und zu den Mitmenschen.


 

miteinander 9-10/26

Ulrike Reiterer-Schörg

ist Krankenpflegerin im stationären Hospiz des Pflege- und Betreuungszentrums Mödling und Seelsorgerin der Caritas Socialis Wien.

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