Mag. Lukas Cioni
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miteinander 9-10/2026

Pater Sandesh Manuel, du bist sehr jung in den Franziskanerorden eingetreten.
Stimmt, ich war damals 17 Jahre alt. Ich stamme aus Indien, dort ist das nicht so außergewöhnlich.
Warum gerade die Franziskaner?
In der Pubertät hatte ich viele Fragen. Wohin gehen wir? Was ist der Sinn im Leben? Warum sind manche Menschen so arm geboren? Also entschied ich mich, mir nach der Schule ein Jahr Auszeit zu nehmen, um darüber nachzudenken. Meine Familie war Teil einer franziskanischen Pfarrei, dort habe ich die Franziskaner immer als sehr unkompliziert und lustig erlebt. Ich bin also für dieses eine Jahr zu ihnen gegangen und entschied mich, dort zu bleiben.
Erinnerst du dich noch, wie du zum ersten Mal so richtig dem heiligen Franziskus „begegnet“ bist?
Wir haben uns einmal den Film „Bruder Sonne und Schwester Mond“ in der Pfarre angeschaut. Die Einfachheit von Franziskus hat mich sehr berührt. Seine Liebe für Jesus, sein Umgang mit der Schöpfung haben mich inspiriert. Das erste Jahr im Postulat haben wir die Geschichte von Franziskus auch als Theaterstück dargestellt. Dafür habe ich viel über ihn gelesen und war zum Beispiel von dieser Geschichte sehr angetan: Eines der Klöster wurde von drei Räubern überfallen. Was hat Franziskus getan? Er ist ihnen nach in den Wald und hat sie mit „Bruder Räuber“ gerufen. Die Räuber waren erstaunt. Wer ruft uns hier „Bruder“? Franziskus hat sich mit ihnen unterhalten und der Legende nach ist einer von ihnen Franziskaner geworden. Das zeigt: Der Weg des Christentums ist der Dialog.
Im Ordensleben verpflichtet ihr euch zur „Armut“. Wie sieht das heute aus?
Wir leben die Armut nicht ganz so radikal wie Franziskus damals, der ohne Sandalen blieb und barfuß unterwegs war. Armut bedeutet für uns zum Beispiel, dass wir das, was wir verdienen, in einen Topf werfen. Natürlich benötigen wir bestimmte Dinge für unsere Arbeit. Wir besitzen Handys, Computer, ich habe natürlich als Musiker auch eine Gitarre. Die muss einen guten Klang haben. Armut bedeutet für uns auch, Einfachheit und Schönheit in den kleinen Dingen entdecken. Ein Tropfen Wasser, der in der Sonne glitzert, ist schöner als ein Diamant.
Anlässlich des 800. Todestags des heiligen Franziskus hat Papst Leo das Franziskus-Jahr ausgerufen. Wie begeht Ihr es als Ordensgemeinschaft?
Wir organisieren Ausstellungen und haben ein Buch herausgebracht. Ich selbst veranstalte Konzerte; erst gestern bin ich von einem aus Deutschland zurückgekommen, wo ich für die deutsche franziskanische Provinz gespielt habe.
Inwiefern ist Franziskus auch für Menschen außerhalb des Franziskaner-Ordens aktuell?
Zur Zeit von Franziskus haben die Menschen Gott vor allem in der Kirche gesehen, er aber hat ihn überall in der Schöpfung wahrgenommen. Sein Zugang zur Schöpfung, zur Umwelt spiegelt sich heute etwa wider in dem Bemühen, unseren Planeten zu schützen. Und noch etwas: Sehr viele Menschen entdecken heute, dass die einfachen Dinge im Leben glücklich machen. Minimalismus ist in. Das ist definitiv sehr franziskanisch.

P. Manuel Sandesh OMF
ist Priester des Franziskanerordens, Seelsorger, Rapper und Musiker.
Franziskus-Jubiläum 2026
Hl. Franz von Assisi: Gründer des Franziskanerordens, Prediger von Armut, Frieden und Schöpfungsverantwortung.
Geboren: 1181/1182 in Assisi (Italien)
Gestorben: 3.10.1226 in der Kapelle Portiunkula bei Assisi
Heiligsprechung: 16.07.1228 durch Papst Gregor IX.
Jubiläum 2026: 800. Todestag („Transitus“).