• Ausgabe 4 / 2015

    SCHLUSS MIT DEM GEJAMMER!

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Unsere Themen im Jahr 2015

Angst vor der kleinen Herde?

Leitartikel von Henning Klingen

 

Kirche in Flensburg/Deutschland 

54.939 Menschen haben im vergangenen Jahr der katholischen Kirche den Rücken gekehrt. Bei den Priesteramtskandidaten sieht es nicht viel rosiger aus: 29 Neueintritte verzeichnen die diözesanen Priesterseminare im aktuellen Studienjahr. Insgesamt befinden sich damit in Österreich 123 Seminaristen in Ausbildung. Ernüchternd? Ja, gewiss, jeder Austritt, jeder fehlende Priester schmerzt. Aber wie jede Statistik, so hat auch diese zwei Seiten: Denn sie verschweigt die 4.800 Erwachsenen, die im letzten Jahr bewusst den Schritt in die Kirche getan haben; unerwähnt bleiben auch die rund 4.000 Diözesan- und Ordenspriester, die gemeinsam mit den rund 30.000 gewählten Pfarrgemeinderäten die Kirche vor Ort beleben. Ganz zu schweigen von den zahllosen katholischen Institutionen, Schulen, Verbänden und der Caritas, die sich für das Gemeinwohl einsetzen.

 

Anders gesagt: Das Jammern über den Niedergang ist immer eine Frage der Perspektive. Tatsächlich erfreut sich die Katholische Kirche in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch eines großen Rückhalts in der Gesellschaft. Sie ist eine "Großmacht" – wirtschaftlich, politisch, sozial und spirituell. Auch wenn sie sich zunehmend schwerer tut, mit ihren Konzepten etwa in der Seelsorge junge Menschen zu erreichen und dauerhaft an sich zu binden. Aber es gibt sie: die Leuchtfeuer der Innovation, in deren Schein Gemeinschaften und Gemeinden wachsen. In diesem "miteinander" wollen wir gezielt nach diesen Leuchtfeuern Ausschau halten und dabei unter anderem in die Diözesen Graz-Seckau und Feldkirch blicken, wo diözesane Prozesse und Initiativen etwa des Canisiuswerkes zu neuen Aufbrüchen geführt haben.

 

Aber machen wir uns nichts vor: Nicht jeder Stein, der ins Wasser geworfen wird, zieht weite Bahnen, nicht jede Initiative fruchtet. Die Transformation einer katholisch imprägnierten Kultur hin zu einer multireligiösen Gesellschaft ist noch nicht abgeschlossen. Die Frage wird dabei nicht sein, wie Kirche dieser Entwicklung Einhalt gebieten kann, sondern wie sie gestaltende Kraft bleibt, die auch in einer pluralen Gesellschaft Menschen überzeugt, anzieht, bindet. Fürchten sollte sich Kirche daher nicht vor zahlenmäßiger Minderheit, sondern davor, auf den Verlust von Mitgliedern mit Sektenmentalität zu reagieren. Diese ist dort am Werk, wo sich Kirche ängstlich einigelt, wo sie Traditionalismus statt Tradition pflegt, wo sie berechtigte Kritik mit negativer Ablehnung aller Weltlichkeit verwechselt. Kirche bleibt ein Projekt auf Zukunft hin ausgerichtet – wo sie das vergisst, droht sie tatsächlich rasch "von gestern" zu werden.

 

Dr. Henning Klingen

"miteinander"-Chefredakteur

CANISIUSWERK
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