• Ausgabe 4 / 2015

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Unsere Themen im Jahr 2015

„Ein richtiger Kampf mit Gott“

Die Entscheidung für den Priesterberuf musste reifen

„Ich habe einfach das Gefühl, das machen zu müssen“, sagt Markus Schöck, wenn man ihn fragt, warum er Priester werden will. Der Steirer hat sich mit seiner Entscheidung Zeit gelassen: 37-jährig tritt er ins Priesterseminar ein – nachdem er lange mit sich gerungen hat. „Drei bis vier Jahre war es ein richtiger Kampf mit Gott und nicht so einfach, dass ich Ja dazu sagen konnte“, erzählt Schöck. „Die Entscheidung war schon lange in mir, letztlich habe ich es dann zugelassen.“

 

Schon in seiner Jugend hat der Steirer darüber nachgedacht, Priester zu werden. „Damals hab ich anders entschieden“, erinnert sich Schöck, der dann einige Jahre als Bautechniker arbeitete und schließlich Bezirksgeschäftsführer beim Roten Kreuz wurde. 2004 steigt er in die Politik ein und wird Vizebürgermeister im steirischen Knittelfeld.

 

Mitarbeit als Schlüssel

Seit seiner Jugend ist Schöck in der katholischen Kirche aktiv. Er arbeitet in der Pfarre mit, ist Lektor und Kommunionhelfer. Die Mitarbeit sei ein Schlüssel gewesen, um die Kirche als Heimat zu erfahren. Wolle man junge Menschen in der Kirche halten, müsse man sie einbinden, empfiehlt er aus seiner eigenen Erfahrung heraus. Wichtige Stationen auf seinem Glaubensweg haben schließlich mit Gemeinschaft zu tun: der Weltjugendtag in Paris, eine Reise nach Assisi, das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten. Die „Communio“ wird für Schöck zum prägenden Merkmal von Kirche. „Glauben kann ich ja vielleicht für mich allein, Kirche gibt es aber nur in Gemeinschaft.“

 

Und dann ist da die Freude, die der Priesterseminarist immer wieder nennt, wenn von Kirche die Rede ist: „Das Christentum bedeutet zutiefst innerliche Freude. Wenn wir diese Freude mehr leben würden, wäre das ein großes Zeugnis.“ Papst Johannes XXIII. – „mit seinem fröhlichen Gemüt, seiner Menschlichkeit und gleichzeitig mit seiner Ernsthaftigkeit im Glauben“ – ist ihm deswegen schon seit seiner Jugend ein faszinierendes Vorbild.

 

Dass so viele die Entscheidung, Priester zu werden, auf den Zölibat reduzieren, findet er nicht gut. „Eine Arbeitskollegin hat mich gefragt, wie ich mich denn nur so festlegen kann. Was wäre, wenn ich mich in eine Frau verlieben würde? Die Ehe hat aber die gleiche Tragweite. Da entscheide ich mich eben für eine Frau.“ Der Zölibat sei natürlich eine Herausforderung, aber ähnlich herausfordernd sei es, eine Ehe zu führen. „Die Möglichkeit zu scheitern gibt es immer, die kann niemand ausschließen.“

 

„Ja, das könnte passen“

Menschen, die sich die Frage nach einem gottgeweihten Leben stellen, rät Schöck, sich gute geistliche Begleitung zu suchen, aber auch mit Freunden außerhalb der Kirche zu reden. Die anderen können ermutigen und – falls notwendig – als Korrektiv wirken. „Ich habe immer wieder viele Gespräche geführt, und Menschen haben zu mir gesagt: ‚Ja, das könnte für dich passen‘.“

 

Das Gebet sei das wichtigste Fundament für eine solche Lebensentscheidung. Als wegweisend bezeichnet der Steirer die Schweigeexerzitien, die er im Stift Admont erlebt hat: „Ich rede sehr gerne, aber die Schweigeexerzitien taten gut. Jeder, der eine schwerwiegende Entscheidung für sein Leben treffen muss, auch wenn er vorhat, zu heiraten, sollte sich einmal so zurückziehen.“ Junge Menschen, von denen man sich denkt, dass ein geistlicher Weg für sie passen könnte, sollte man einfach darauf ansprechen. „Was kann man mehr ernten als ein Nein? Das hab ich damals ja auch oft gesagt.“

 

Gekommen ist es schließlich anders. Markus Schöck hat seine politische Laufbahn beendet, wird nach Graz ziehen und als Priesterseminarist im Herbst mit dem Theologiestudium beginnen.

 

Sandra Lobnig

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