• Ausgabe 5-6 / 2015

    FAMILIE LEBT

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Unsere Themen im Jahr 2015

Leben in der Welt Gottes

Sandra Lobnig über die Notwendigkeit, dass Eltern für ihre Kinder den Boden für den Glauben bereiten.

 

 

Ich gebe zu: Mir wird bange, wenn ich darüber nachdenke, in welche Welt unsere Kinder hineingeboren sind. Die täglichen Meldungen über Kriege, Wirtschaftskrise, Terrorismus oder Umweltkatastrophen trüben meine Zuversicht im Blick auf Gegenwart und Zukunft. Auf die Frage, in welcher Welt unsere Kinder wohl einmal leben werden, antwortete mir kürzlich ein Freund: „Na, hoffentlich in der Welt Gottes!“

 

Für mich war das eine erhellende Antwort. Denn genau das ist es, was ich mir für meine Kinder wünsche: Egal, wie die Umstände sind, ob es Grund zur Freude oder Leid zu tragen gibt, sollen sie spüren, dass Gott ihr Leben und die ganze Welt in seinen Händen hält; dass er einen guten Plan hat und ihnen Leben in Fülle schenken will. Kurz, ich wünsche mir, dass unser fast vierjähriger Sohn und unsere eineinhalbjährige Tochter später einmal tief im christlichen Glauben verwurzelt sind.


Kein Sonntagsfriede
Und weil der Glaube im Idealfall in der Familie zu wachsen beginnt, liegt es wohl an uns
Eltern, den Boden dafür zu bereiten. Und wieder wird mir etwas bange, wenn ich an unsere Verantwortung hier denke, denn – leider, leider – auch wir Eltern sind alles andere als perfekte Vorbilder für die Kinder. Da wäre zum Beispiel der Gottesdienst am Sonntag, zu dem unsere Kinder zum Glück gerne mitkommen. Es ist die Zeit vor der heiligen Messe, die es in sich hat: Wir starten meist gemütlich mit dem Frühstück, aber
nicht selten entladen sich genau da Konflikte.

 

Ich bin oft diejenige, die sich über herumliegende Socken, ungemachte Betten oder liegengebliebene Brösel unter dem Esstisch beschwert. Wenn dann der Sohn wütend die Zahnbürste durchs Badezimmer schleudert, weil wir die falsche Zahnpasta erwischt haben, die Tochter kurz vor Aufbruch die Windel füllt und wir sowieso wieder viel zu spät dran sind, ist vom Sonntagsfrieden nicht mehr viel zu spüren. Was für eine Einstimmung auf einen Gottesdienst!


Inspiration durch andere Familien
Es tröstet mich etwas, zu wissen, dass Gott von uns keine Perfektion verlangt und dass
es gleichzeitig vieles gibt, das uns als Familie und unseren Kindern guttut und unsere
Beziehung zu Gott erneuern kann. Ganz oben auf der Liste steht die Freundschaft und Gemeinschaft mit anderen katholischen Familien. Zu sehen, wie Menschen Gott in ihre Ehe, in die Erziehung ihrer Kinder, in ihr ganzes Leben hineinnehmen, inspiriert uns. Wenn Freunde von uns erzählen, wie sie jeden Abend – und wenn es nur ganz kurz ist – mit den Kindern beten, dann motiviert uns das, unser vernachlässigtes Abendgebet wieder zu beginnen.

Wenn ich höre, wie ein befreundetes Ehepaar sich jede Woche ausdrücklich Zeit nimmt, um ohne Kinder Zweisamkeit zu haben, überlege ich, was mein Mann und ich Gutes für unsere Beziehung tun können. Die Eltern, die mit ihren pubertierenden Kindern wertschätzend über Glaubens- und Lebensthemen diskutieren, zeigen uns, wie es gelingen kann, auch mit Jugendlichen im guten Gespräch zu bleiben. Ich weiß nur zu gut, dass es auch in den anderen Familien keineswegs reibungslos abläuft und Krisen immer und überall auftreten können. Es geht nicht um die ideale Familie, die nie streitet und sonntäglich mit gefalteten Händen in der Kirche sitzt.

 

Scheitern gehört zum Leben, das erfahren wir tagtäglich. Es geht darum, einander auf dem Weg zu begleiten und zu sehen, dass Ehen durchaus gelingen können, dass Familien Orte lebendigen Glaubens sein können. Wir Eltern wissen ja alle, dass es letztlich nicht an uns liegt, ob unsere Kinder sich für ein Leben im Glauben entscheiden werden. Aber wir können jetzt viel investieren und einen Boden bereiten und beten, dass der Samen aufgeht.

 

                                                                                                                    Sandra Lobnig

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