• Ausgabe 5-6 / 2015

    FAMILIE LEBT

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Unsere Themen im Jahr 2015

Mehr Zeit für Familie!

Neben der Anerkennung der erbrachten Leistungen, Geld und Infrastruktur spielt Zeit eine bedeutende Rolle für Familien.

 

 

 

 

Am 15. Mai wird der Internationale Tag der Familie gefeiert. Welche familienpolitischen Entwicklungen der letzten Jahre sehen Sie positiv, wo sehen Sie Baustellen auf dem Weg zum familienfreundlichsten Land Europas?


Trendl: Wir müssen uns bewusst sein, dass die ganze Gesellschaft Verantwortung für die Familie und damit für die Weitergabe des Lebens hat. Laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2011, die die Familienleistungen der OECD-Länder untersucht, belegen wir nur den 14. Platz. Bei den Direktzahlungen sind wir noch gut, bei den Sachleistungen im Mittelfeld. Miserabel sieht es bei den Steuern aus. Derzeit werden die Sorgepflichten der Eltern im Steuerrecht so gut wie gar nicht berücksichtigt, daran hat die Steuerreform nichts geändert, was massiv der Generationengerechtigkeit  widerspricht! Positiv sehe ich in den letzten Jahren etwa die Einführung des Kinderbetreuungsgeldes, das Recht auf Elternteilzeit und die gemeinsame Obsorge. Ein riesiger Wermutstropfen ist, dass Familienleistungen nicht regelmäßig – wie beispielsweise Löhne und Pensionen – wertangepasst werden und dadurch ein enormer Wertverlust entsteht.


Familienpolitik beruht auf den drei Säulen Geld, Infrastruktur und Zeit. Wird der Säule Zeit bei der Entwicklung von familienpolitischen Maßnahmen ausreichend Bedeutung beigemessen?


Trendl: Der Faktor Zeit und seine Bedeutung fürs Familienleben werden politisch kaum noch gesehen. Der Druck, nach der Geburt eines Kindes schnell an den Arbeitsplatz zurückzukehren, wird immer größer. Gesellschaftlich ist es ein hoher Wert, wenn Familien ohne Druck entscheiden können, wie sie über die Zeit mit ihren Kindern verfügen und welche Form der Kinderbetreuung sie bevorzugen. Eltern werden zunehmend in ein Modell gedrängt, die Wahlfreiheit wird eingeschränkt. Dabei ist diese eine Voraussetzung
dafür, dass Familie und auch Ehe gelingen können.


In den letzten Monaten ist es stiller geworden um den Papamonat, eine von Vätern genommene Auszeit nach der Geburt des Kindes. Wo sehen Sie die größten Hürden?


Trendl: Der Papamonat ist – selbst wenn er unbezahlt bleibt, wie im öffentlichen Dienst –
eine interessante Möglichkeit, die der ganzen Familie zugute kommt. Die Stimmung in
der Wirtschaft ist derzeit so negativ, dass ich nicht glaube, dass die politischen Rahmenbedingungen für den Papamonat in absehbarer Zeit geändert werden. Es wäre ein großartiges Zeichen, wenn die Kirche als Arbeitgeber – kirchliche Organisationen, Diözesen und Ordensgemeinschaften – hier mit gutem Beispiel vorangeht und ihren Mitarbeitern einen Papamonat ermöglicht.

Der Katholische Familienverband stellt bei Bedarf den Kontakt von Familien mit „Leihgroßeltern“ her. Was ist das Besondere daran?


Trendl: Dabei handelt es sich um eine spezielle Form der Kinderbetreuung, bei der versucht wird, eine Beziehung zwischen Leihomas und Kindern herzustellen. Die Leihomas haben eine sinnvolle Aufgabe, denn was gibt es Schöneres, als mit Kindern zu arbeiten, auf sie aufzupassen? Für Familien können Leihomas eine wertvolle Hilfe sein, die es ihnen ermöglicht, Beruf und Familie besser miteinander zu vereinbaren. Wir suchen regelmäßig in ganz Österreich insbesondere Leihomas, die für ihre wertvolle Tätigkeit ein kleines Entgelt bekommen.


Bestrebungen, die Ladenöffnungszeiten an Sonntagen zu liberalisieren, setzt der Familienverband nicht zuletzt ein Plakat mit dem Schriftzug „Sonntag: ein Geschenk des Himmels“ entgegen. Worin liegt aus Ihrer Sicht der Mehrwert des arbeitsfreien Sonntags?


Trendl: Das Plakat ist ein politisches Statement, das die Bedeutung des Sonntags für die Familie betont. Zur Psychohygiene ist es wichtig, einmal abzuschalten und ausreichend Zeit fürs Familienleben zu haben. Jenen, die am Sonntag arbeiten, gebührt Dank, dass sie anderen den arbeitsfreien Sonntag ermöglichen. Ein Ausbau der sonntäglichen Arbeit wäre meines Erachtens ein großer Verlust. Pfarren und kirchliche Organisationen in ganz Österreich sind eingeladen, unser Plakat unentgeltlich auszuborgen und durch das Aufhängen ein Zeichen zu setzen.

                                                                               Das Interview führte Elisabeth Grabner

 

 

Der Katholische Familienverband wurde 1953 von Kardinal Franz König gegründet, ist die größte parteiunabhängige Familienorganisation Österreichs und wird von neun Diözesanverbänden getragen. Der Familienverband hat rund 40.000 Mitgliedsfamilien.
Österreichweit bietet der Katholische Familienverband am 19. Mai 2015 einen
Aktionstag Familie & Steuern an. Ganzjährig werden Steuerfragen unentgeltlich
unter steuerinfo@familie.at beantwortet. Nähere Informationen sowie zur Mitgliedschaft und weiteren Aktivitäten des Verbandes unter
www.familie.at

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