• Ausgabe 5-6 / 2015

    FAMILIE LEBT

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Unsere Themen im Jahr 2015

Es genügt, einfach da zu sein

Wer ein Enkelkind bekommt, erlebt die eigene Elternschaft erneut mit allen tiefen Emotionen - nur entspannter.

 

Als mir unsere Tochter am Telefon erzählte, dass sie schwanger sei und gerade mit Ultraschall das kleine Kind gesehen hätte – „11 mm, so groß wie ein Knopf“, sagte sie, „und das Herz schlägt schon“ –, da konnte ich vor Aufregung die ganze Nacht nicht schlafen und sah vor den inneren Augen nur noch das Klopfen des Herzens unseres Enkelkindes, das da heranwächst.


Die zweite Erfahrung: Als ich bald nach der Geburt der Kleinen auf den Arm nahm und nahe an meinem Körper hielt, war es das gleiche Gefühl wie bei den eigenen Kindern mit allen verbundenen Gefühlen von Schützen-Wollen, Vorsicht, Achtsamkeit und Vertrautheit.

 

Wie schön ist es, zu erleben, wie selbstverständlich die Enkelkinder einem vertrauen, froh sind, wenn sie auf Besuch sein dürfen, ihr Lieblingsessen gekocht bekommen, man mit ihnen stundenlang spielt – und so auch selbst wieder ein Stück Kind wird. Enkelkinder sind ein großes Geschenk, das wir von unseren Kindern und Schwiegerkindern anvertraut bekommen.


Leben weitergegeben
Das Schöne am Großeltern-Sein ist, dass man alles noch einmal erlebt und genießt, wozu man zum Teil bei den eigenen Kindern nicht fähig war, weil die ganze Verantwortung zeitweise schwer auf den eigenen Schultern lastete. Nun aber muss man eigentlich nichts tun – es genügt, einfach da zu sein. Großeltern sein bedeutet, Gnade zu erfahren, ganz unmittelbar beschenkt zu werden.


Der Dank besteht darin, dass man den eigenen Kindern und Enkelkindern zuschauen darf – beim Leben und Wachsen. So können Großeltern auf ihre Kinder und Enkelkinder blicken und diese „segnen“ mit dem Wissen darum, was wirklich wesentlich und wichtig ist im Leben. Im Idealfall sind Großeltern bei all dem gelassener, da sie gelernt haben, so manches auch an Verantwortung loszulassen. So können sie für ihre Enkelkinder ein Segen sein.


Glaubensweitergabe in Beziehung
Ich kann nicht sagen, dass wir unseren Enkelkindern den Glauben bewusst weitergeben – wenn „Weitergabe“ überhaupt möglich ist, stellt Glauben doch ein Beziehungsgeschehen zwischen jedem Einzelnen und Gott dar. Eher schon leben wir, wenn die Kinder bei uns sind, ganz selbstverständlich den Glauben miteinander, ohne ständig davon sprechen zu müssen oder „bekehren“ zu wollen.


In unserem Leben und in unserer Beziehung wird, so hoffe ich, auch unser Glaube und das, was uns im Innersten unseres Herzens bestimmt, sichtbar. Häufig sind es dabei die Enkelkinder selbst, die Fragen stellen, etwa wo die Toten sind und wie sie in den Himmel kommen. Da ist das gemeinsame Philosophieren und Theologisieren mit den Kindern wieder gefragt, das gemeinsame Suchen nach tragfähigen Antworten.


Christentum als Erzählgemeinschaft
Großeltern erzählen gerne von ihren Erfahrungen. Sie erzählen damit auch von ihren Hoffnungen und Sehnsüchten, von ihren Erfüllungen und den offenen Wunden des Lebens, das sie im christlichen Verständnis vor den Augen Gottes gelebt haben. Enkelkinder hören gerne zu, lauschen. Glaubenserweckung und Glaubensweitergabe geschehen durch eben dieses Erzählen und durch das Mitleben-Lassen im eigenen Glauben: vom Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichten, dem Kuss und dem Kreuzzeichen auf die Stirn als Ritual beim Schlafengehen über das Tischgebet, gemeinsamen Feiern, die vielen Gespräche und Fragen, bis hin zum gemeinsamen Gottesdienstbesuch.


                                                                                                              Hans Neuhold
 

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