• Ausgabe 7-8 / 2015

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Unsere Themen im Jahr 2015

Ein Leben in der Spur Jesu

Feiert heuer gleich zwei Jubiläen: im Juni sein Priesterjubiläum, im Herbst seinen 75. Geburtstag. Franz Schrittwieser im Porträt.

 

Das Thema Berufung begleitet Franz Schrittwieser beinahe schon sein ganzes Leben: So kommen sieben Priester und sechs Ordensfrauen aus seiner Heimatpfarre Purgstall/Erlauf. Darüber hinaus prägte Schrittwieser eine ganze Generation an Priestern, Pastoralassistenten und Führungskräften in der Diözese St. Pölten und weit darüber hinaus. Insgesamt unterstützte er Hunderte Priester, Ordensleute und weitere kirchliche Mitarbeiter – ob im Propädeutikum in Horn oder als Regens des St. Pöltner Priesterseminars.

 

Freude an Schöpfung und Mitmensch

Sein Weg erschien seit Jugendzeit an wie vorgezeichnet: Kleines Seminar, dann Priesterseminar und danach die Tätigkeit in einer Pfarre. So stringent verlaufen Biografien heute kaum mehr, weiß Prälat Schrittwieser – weder bei geistlichen Berufungen noch bei anderen Lebensentscheidungen wie Ehe oder Familie. Rückblickend zieht Schrittwieser, der in der Diözese als Bischofsvikar u. a. für die Caritas, die Gefangenen-, Notfall-, Krankenhaus-bis hin zur Migrantenseelsorge zuständig ist, eine positive Bilanz: „Es war lohnend, Priester zu werden“ – und erfüllend sei es auch nach 50 Jahren noch.

 

Wer sich für einen geistlichen Beruf interessiert, dem gibt Schrittwieser als Rat mit auf den Weg: „Sei lebensfroh, habe Freude an der Welt, am Leben, an der Schöpfung und am Mitmenschen.“ Hinzu müsse noch eine Begeisterung für Jesu und sein Anliegen vorhanden sein – wenngleich Jesu radikaler Weg herausfordernd sein könne. Außerdem bedürfe es einer Verwurzelung in der Kirche. Am meisten fasziniere ihn am Priesteramt das Leben „in der Spur Jesu“, so Schrittwieser, der auch geschäftsführender Vizepräsident des Canisiuswerks ist. Er habe viele Menschen auf ihrem Weg begleitet und darin Sinn erfahren. Daraus seien tiefe Beziehungen erwachsen – Beziehungen, die auch trugen, als es ihm selbst im Zuge einer schweren Erkrankung schlecht ging.

 

Aufbruchsstimmung ist da

„Die Kirche ändert sich heutzutage grundlegend“, betont Schrittwieser. Er träume von einem „neuen Pfingsten“ für die Kirche und in der Kirche – er kenne schließlich die Zeiten des Aufbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Damals konnte er mit dem Rückenwind des Konzils am Aufbau der Pfarre Krems-St.Paul mitwirken. Er habe den Eindruck, dieses neue Pfingsten sei in Ansätzen schon da: Vielerorts würde er Aufbrüche in Pfarrgemeinden verspüren und ebenso das Engagement unzähliger Ehrenamtlicher stimme ihn optimistisch. Der Bischofsvikar weiß gerade in Zeiten des Priestermangels: „Jede und jeder Getaufte und Gefirmte hat Verantwortung für und in der Kirche.“ Kirche müsse Heimat geben und offen sein – dies gelte insbesondere im Blick auf Flüchtlinge, so Schrittwieser. Er warnt ausdrücklich davor, dass sich Pfarren ins Spirituelle bzw. in die Liturgie zurückziehen. Es brauche auch die Diakonie, den Dienst am Nächsten. Dort bewähre sich das, was im Gottesdienst gefeiert werde.

 

Jung im Herzen

Schrittwieser feiert im Herbst seinen 75. Geburtstag, doch seine Visionen sind modern. Wenn die Kirche in sich jung sei, dann werde das auch Jugendliche ansprechen. Jugendliche hätten viele Lebensfragen, in Solidarität und Nächstenliebe würden sie gelebtes Christentum vorfinden. Da sehe er gute Ansätze: die beliebten Jugend-Taizé-Gebete, der Schwung der youngCaritas, die vielen Angebote der kirchlichen Jugendhäuser, die Jugendwallfahrten oder die Reisen zu „heiligen Orten“ wie Assisi oder ins Heilige Land. Er reist selber gerne, wohl auch aus dem Motiv heraus, „dass wir ein Leben lang unterwegs sind – eben in der Spur Jesu“, so Schrittwieser.

 

Wolfgang Zarl

CANISIUSWERK
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