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Ehrensache Ehrenamt

Aus Liebe zum Menschen

Er ist das Gesicht des Religionsmagazins "Orientierung" und zugleich seit 16 Jahren ehrenamtlicher Notfallsanitäter: Christoph Riedl-Daser. Im "miteinander" erklärt er, was ihn motiviert und bewegt.

 

Die Nacht von Montag auf Dienstag. 3 Uhr. Der Pager reißt mich aus dem Schlaf. Eine knappe Minute später sitze ich gemeinsam mit meinen beiden Sanitäter-Kollegen im Rettungsauto. Blaulicht an und los. Derartige Situationen kenne ich seit einigen Jahren, genauer gesagt seit Oktober 2000. Motiviert durch Freunde, die damals bereits ehrenamtlich beim Roten Kreuz ihren Dienst versahen, habe ich mit der Ausbildung auf der Rot-Kreuz-Bezirksstelle St. Pölten begonnen. Seit damals mache ich regelmäßig Dienst. Ehrenamtlich und unbezahlt. Wenn es mein Job zulässt, sitze ich alle 14 Tage in einem Rettungsauto und absolviere einen Nachtdienst. Warum? Aus Liebe zum Menschen. Doch was heißt das für mich persönlich?

 

Da sind zunächst einmal die Kolleginnen und Kollegen. Mit einigen von ihnen bin ich seit Jahren befreundet. Was uns verbindet: Wir alle geben viele Stunden unserer Freizeit her, um Dienst zu machen. Aber nicht nur das: Auch Weiterbildungen, Ausbildungen und Training sind verpflichtend vorgeschrieben. Die einheitliche Uniform verbindet. Und sie macht uns im positiven Sinne gleich. Ganz egal was wir alle so in unserem "anderen" Leben machen: ob Lehrerin, Student, Handwerker, Technikerin oder eben Journalist. Im Rettungsdienst zählt nicht die Herkunft, der soziale Stand oder das persönliche Einkommen. "Wir haben die passende Jacke für Dich", so ein weiterer Slogan des Roten Kreuzes, der ausdrücken soll, dass jeder und jede willkommen ist, sich für andere zu engagieren.

 

Der "Wahrnehmungsblase" entkommen

 

Aber es sind nicht nur die Kolleginnen und Kollegen, die mich zum Dienst motivieren. Es geht natürlich um die Patientinnen und Patienten. Wobei das eigentlich zu kurz gegriffen ist: Es geht zudem um deren Angehörige, Freunde, um Menschen, die sich im Augenblick eines Notfalls in der Nähe befinden, sich um jemanden kümmern, Erste-Hilfe leisten. In vielen Berufen – und da gehört der Journalisten-Beruf ganz bestimmt dazu – läuft man Gefahr, sich in einer Art "Wahrnehmungsblase" zu befinden: Man kennt sein eigenes Leben, seine Umgebung, umgibt sich mit Menschen, die ähnlichen ticken wie man selbst – privat wie beruflich.

 

Zugegeben: ich hätte wenig Ahnung, wie ein Mindestsicherungsbezieher lebt, wenn ich es nicht immer wieder im Rettungsdienst erleben würde. Ich wüsste nicht, wie es ist, wenn ein Mensch aus dem Leben gerissen wird, weil er bei 130 km/h für einen kurzen Augenblick abgelenkt war. Ich wüsste auch nicht, wie sehr sich Angehörige bemühen, einem todkranken Menschen die letzten Wochen seines Lebens, so angenehm und würdevoll wie möglich zu gestalten. Der Dienst in Uniform schenkt mir jedes Mal neue Begegnungen. Manche sind freundlich, manche weniger. Manche bereichernd. Viele lassen einen jedenfalls nicht los.

 

Bereichernde Erfahrungen

 

Es sind Erfahrungen, die in dieser komprimierten Form wohl nur in diesem Bereich des freiwilligen Engagements gemacht werden können. In Situationen, wo viele andere – oft aus sehr verständlichen Gründen – die Flucht ergreifen, gehen wir ganz bewusst hinein. Auch nach 16 Jahren habe ich noch immer das Gefühl, dass ich im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements als Sanitäter zwar Zeit und Energie investiere, jedoch viel mehr für mein Leben mitnehme. Erfahrungen und Begegnungen, die bereichern.

 

 

Christoph Riedl-Daser

 


 

Christoph Riedl-Daser ist ORF-Journalist in der Fernseh-Hauptabteilung Religion. Er moderiert unter anderem das wöchentliche Religionsmagazin „Orientierung“ in ORF2. Seit 2000 ist er ehrenamtlich Notfallsanitäter beim Roten Kreuz, Bezirksstelle St. Pölten.

 

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