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(K)ein Zweifel

Atmen mit zwei Lungenflügeln …

Im niederösterreichischen Waldviertel gibt es mit Frater Siluan Gall OPraem seit langem wieder einen griechisch-katholischen Mönch in Österreich. Ein Porträt von Daniel Seper.

 

"Ich bin ein Byzantiner durch und durch", beschreibt sich Frater Siluan Gall. Seine zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen Haare und sein Bart lassen ihn tatsächlich wie einen orthodoxen Mönch, wie man ihn sich am Heiligen Berg Athos vorstellt, aussehen.

 

Das ist aber nur fast richtig. Denn der 43-Jährige ist ein katholischer Mönch, allerdings ein griechisch-katholischer. Das heißt, er gehört der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche an, die sich Ende des 16. Jahrhunderts mit Rom vereint hat, aber trotzdem ihre Traditionen beibehalten durfte. Dazu gehört etwa, dass sie Gottesdienste im byzantinischen Ritus feiern darf, wie diese auch in der Orthodoxie gepflegt werden.

 

Das Besondere an Frater Siluan ist, dass er der einzige griechisch-katholische Ordensmann in Österreich ist – und noch dazu in einem ganz normalen Kloster lebt. Seine neue Heimat hat der ursprünglich aus Deutschland stammende Frater nämlich im Waldviertler Chorherrenstift der Prämonstratenser in Geras gefunden. Dort ist er nicht der Einzige, der sich der ostkirchlichen Tradition verbunden fühlt, denn der Abt des Stiftes, Michael Proházka, hat schon vor einigen Jahren eine byzantinische Kapelle eingerichtet, in der regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden.

 

Vom Krankenpfleger zum Ordensmann

 

Frater Siluan, der derzeit in Wien Theologie und Slawistik studiert, ist nicht ohne Umwege nach Niederösterreich gekommen – wobei aber wohl gerade diese zusätzlichen Erfahrungen ihn erst dorthin gebracht haben, wo er heute ist: 1973 in der Nähe von Göttingen geboren und aufgewachsen, arbeitete Torsten Gall, wie sein bürgerlicher Name lautet, 20 Jahre als Krankenpfleger in Krankenhäusern und in einem Hospiz in Baden-Württemberg. Doch der Gedanke, sein Leben als Mönch zu verbringen, begleitete den Niedersachsen über Jahre hinweg, später kam die Berufung zum Priester hinzu. Dabei wuchs Gall in der evangelischen Kirche auf, in der er als Kind getauft wurde.

 

Sein geistlicher Weg führte ihn aber weiter: Mit Mitte 20 wurde er – besonders von der Mystik der Liturgie angezogen – orthodox. Auch wenn Frater Siluan durch seine Familie schon osteuropäisch geprägt war, so fühlte er sich doch als Westeuropäer und der katholischen Kirche verbunden, über die er eigentlich zur Orthodoxie gekommen war. Seine geistliche Heimat fand er schließlich in der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, die er in Stuttgart kennengelernt hatte. Hier konnte er die ihm lieb gewordene byzantinische Tradition leben – in Gemeinschaft mit dem Papst. Und als Mitglied dieser unierten Ostkirche verwirklicht er seine Berufung und bereitet sich nun darauf vor, Priester zu werden.

 

Zwei Herzen in einer Brust

 

In seiner Brust schlagen nun sozusagen zwei Herzen, oder um es mit einem Bild von Papst Johannes Paul II. zu sagen: er atmet mit den zwei Lungenflügeln von Ost und West. In diesem Sinne versteht der Ordensmann auch seine besondere Berufung: Im Westen groß geworden und im ostkirchlichen Christentum seine geistliche Heimat gefunden, möchte er als griechisch-katholischer Mönch ein Brückenbauer sein zwischen den Traditionen von Ost und West.

 

Als Prämonstratenser in Geras ist ihm nicht nur die Seelsorge in den vom Stift betreuten Pfarreien ein Anliegen, er arbeitet auch daran mit, dass die griechisch-katholische Gemeinde von Österreich im Stift Geras ein spirituelles, monastisches Zentrum bekommt, welches Strahlkraft entwickelt und die ostkirchliche Tradition dem Westen näherbringt.

 

Daniel Seper

 

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