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(K)ein Zweifel

"Ich bin da"

Sr. Hermi Dangl von den Steyler Missionarinnen hat ihre Berufung gefunden: da zu sein, wenn man sie braucht. Diese Berufung lebt sie in der „Gesprächsinsel“ im ersten Wiener Gemeindebezirk – ein Ort, der jedem Menschen für ein ungestörtes Gespräch offensteht.

 

Die Suche nach Orientierung oder einem Menschen, dem sie ohne großen Aufwand ihre Sorgen anvertrauen können, bringt Menschen in die „Insel“. Ein paar Mal die Woche ist Schwester Hermi ihr Gegenüber, hört ihnen zu, ist für sie da. Äußerlich gibt es außer dem großen Kreuz um ihren Hals und dem chinesischen Rosenkranz um ihr Handgelenk keine sichtbaren Hinweise auf ihre Berufung. „Den Rosenkranz halten sowieso viele für ein schmuckes Armband“, lacht sie und erzählt stolz, dass dieser von ihren chinesischen Ordensmitschwestern handgemacht sei. Heute gab es in der „Insel“ viel zu tun, bereits sechs Gespräche wurden geführt. „Das ist ungewöhnlich“, erzählt Sr. Hermi, „aber andererseits, was ist schon gewöhnlich?“

 

Der Weg in den Orden

Ungewöhnlich ist zumindest ihr Werdegang als Ordensschwester, erfolgte der Ruf doch mitten im Leben. „Ich wundere mich heute noch darüber“, sagt sie zu ihrer Entscheidung, in einen Orden einzutreten, „ich habe so tiefe Wurzeln gehabt, in meinem Beruf, in meinem Freundeskreis.“ Doch als sie in der Karwoche 1989 gemeinsam mit einer Jugendgruppe, die sie betreute, das St. Koloman Kloster der Steyler Missionarinnen in Stockerau besuchte, begann sie eine Sehnsucht nach einem Leben mit Gott zu spüren. Auslöser waren zwei Bilder an der Wand: „Da war Wasser, und das Wasser ist durch die Hände in den Brunnen geronnen. Das hat sofort etwas in mir ausgelöst“, erzählt sie strahlend. Beim zweiten Bild war es weniger das Bild als die missionarische Botschaft, die sie berührte: Gehet hin in alle Welt.

 

Dennoch fiel ihr der Schritt in den Orden nicht leicht. „Mein Vater hat immer zu mir gesagt, wenn du mal heiratest, dann schau dir die Familie gut an“ – ein Rat, den sie sich auch in dieser Situation zu Herzen nahm: Über ein Jahr lang nahm sie immer wieder an Gebetszeiten der Ordensschwestern teil, bis sie im Frühjahr 1990 schließlich mit einem lauten „Ich bin da“ in den Orden eintrat. Zu Beginn fiel ihr die Umstellung von einer 40-Stunden-Arbeitswoche nicht leicht, erinnert sie sich: „Ich habe mich gefühlt wie im Urlaub, vormittags ein wenig arbeiten, nachmittags Unterricht mit Gebet und so viel Zeit zum Nachdenken.“

 

„Gott zeigt sich in menschlichen Beziehungen“

Heute ist Sr. Hermi Sozialarbeiterin mit einer Ausbildung zur Exerzitienbegleiterin. „In schweren Zeiten stellte Gott mir immer liebe Menschen zur Seite, die mich ein Stück des Weges begleiteten“, erzählt sie. „Gott liebt jeden Menschen bedingungslos - unconditional love wie die dazu Engländer sagen.“ Das möchte sie zurückgeben. Sie ist überzeugt, dass „Gott sich vor allem in menschlichen Beziehungen zeigt“. Jeder Besucher, der in die Gesprächsinsel kommt, wird mit seinen Anliegen ernst genommen, niemand wird verurteilt, denn auch „Gott liebt jeden Menschen bedingungslos“. Sr. Hermis Gabe, für Menschen da zu sein, wurde gleichzeitig ihre Berufung.

 

Elisabeth Mayr

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe März/April

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