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Heilige (Un)Ruhe

Immer wieder urlaubsreif

Ein Familieneinblick von Sandra Lobnig

Erholung erwarten wir uns vom Familienurlaub nicht. Dafür ein bisschen Abenteuer, Stärkung für den Alltag und viel Zeit für uns. Ein Familieneinblick von Sandra Lobnig

 

 

Unser allererster Familienurlaub führte uns nach Berlin. Unser Sohn war neun Monate alt und ein angenehmer Mitreisender. Den kurzen Flug hat er verschlafen. In Berlin angekommen, verfolgte er neugierig aus dem Kinderwagen, was rund herum passierte. Die Tauben fand er spannender als das Brandenburger Tor; der ehemalige Verlauf der Berliner Mauer interessierte ihn nicht, dafür liebte er das Busfahren. Wurde er hin und wieder doch quengelig, konnten wir ihn leicht in der Babytrage beruhigen und er schlummerte ein. Reisen mit Kind kann so herrlich entspannt sein – dachten wir damals ...

Und heute, fünf Jahre später, mit mittlerweile drei Kindern zwischen eineinhalb und fast sechs Jahren? Die Worte Erholung und Entspannung kommen mir sicher nicht als Erstes in den Sinn, wenn ich an Familienurlaub denke. Von unserem Winterurlaub in Südtirol im Jänner sind wir Eltern sogar ziemlich urlaubsreif wieder zu Hause angekommen. Ein erster Kraftakt war das Packen: Unser Familienvan war bis obenhin vollgestopft mit Winterjacken, Skiausrüstung, Duplo-Steinen und Reisegitterbett. Der Älteste lernte mit großem Eifer Skifahren, die Mittlere wollte nach einer halben Stunde auf der Piste unbedingt wieder zurück ins Quartier und unser Jüngster wurde mitten in der Woche krank.

Ich durfte also eine Dreijährige bei Laune halten und ein krankes, sehr anhängliches Kind den ganzen Tag herumtragen, während mein Mann unserem Sohn Bogerlfahren auf der Babypiste beibrachte. Schön war’s trotzdem. Weil wir mit lieben Freunden unterwegs waren, das Wetter traumhaft und die Bergkulisse herrlich war. Und weil das Skifahren auch nach fünfzehn Jahren Pause tadellos geklappt hat.

 

Eis am See Genezareth

Die Zeiten, in denen wir mit Rucksack durch die Anden wanderten, sind also vorübergehend vorbei. Dass man als Familie den Urlaub jahrzehntelang nur noch am Adriastrand oder auf dem Bauernhof verbringt, wollten wir aber auch nicht ohne Weiteres hinnehmen – auch wenn wir die Urlaube am Meer und am Bauernhof bis jetzt sehr genossen haben. Als uns das Fernweh einmal besonders packte und der Winter in Österreich nicht enden wollte, buchten wir kurzerhand Flüge nach Israel. Mein Mann und ich waren schon mehrere Male dort, mit den Kindern würde es sicher noch einmal ein ganz besonderes Erlebnis werden. Und das war es dann auch.

Wie selbstverständlich spazierten die Kinder durch den arabischen Markt, vorbei an Händlern, die lautstark Falafel, Gewürze und bunte Schals anpriesen. Mit Hummus, Weißbrot und Melone picknickten wir im Park zwischen kinderreichen jüdischen Familien, aßen das erste Eis der Saison am See Genezareth und warteten mehr oder weniger geduldig beim Checkpoint in Bethlehem, um in die Geburtsstadt Jesu zu kommen. Wir erzählten den Kindern die Geschichten, die sie aus ihrer Kinderbibel kennen, und konnten sagen: „Das war hier.“ Dabei stellten wir uns auf das Tempo der Kinder ein, machten lange Spielplatz- und Essenspausen. Regelmäßig fragen die Kinder seither, wann wir denn endlich wieder nach Israel fahren.

 

 

 

Pöllau: Stärkung für Familien

Ein Fixpunkt im Sommer ist für uns das Jungfamilientreffen in Pöllau. Ein riesiger Schlosspark, Kinderprogramm, geistliche Inputs für die Erwachsenen, familienfreundliche Gebetszeiten und viele, viele sympathische Familien aus ganz Österreich machen diese fünf Tage für uns zu einer wahrhaften Tankstelle: Einerseits tut es gut, zu sehen, dass man nicht die einzige Familie ist, die mit vielen Herausforderungen im Alltag zu kämpfen hat. Andererseits inspirieren uns die anderen Familien, mitten durch Alltagschaos und Turbulenzen unseren Weg mit Gott zu gehen. Ich gestehe: Erholung – zumindest physisch – bietet das Jungfamilientreffen auch nicht viel. Damit wir uns wirklich erholen, müssen mein Mann und ich ohne Kinder wegfahren. So ein Wochenende planen wir nach Möglichkeit jedes Jahr ein. Davon profitieren wir – und letztlich auch unsere Kinder. Denn geht’s den Eltern gut, geht’s auch den Kindern gut.

 

 

Sandra Lobnig

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Juli/August 2017

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