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Heilige (Un)Ruhe

Pro und Contra: „Freier Sonntag“

Seit Jahren wird um den arbeitsfreien Sonntag gerungen. Sollen Geschäfte zumindest in Tourismuszonen aufsperren dürfen, wie es bereits in vielen anderen europäischen Städten üblich ist? Oder wäre dies ein Kniefall vor der Wirtschaft, der mit dem Verlust an gemeinsamer (Familien-)Zeit erkauft wäre? Wir haben Vertreter beider Positionen zu einem „Pro&Contra“ geladen.

 

 

PRO

…endlich Sonntag!

 

Sonntags frei haben und den Tag gemeinsam gestalten – das ist heute schon für viele Menschen ein Traum aus scheinbar vergangenen Zeiten. Längst hat Sonntagsarbeit in vielen gesellschaftlich wichtigen Bereichen wie Pflege, Verkehr, Sicherheit etc. dazu geführt, dass aus den zum Kraftschöpfen gedachten Sonntagen zusätzlicher Stress wird. Die viel diskutierte Sonntagsöffnung bringt jedoch keinen gesellschaftlichen Mehrwert. Im Gegenteil: Sie schafft prekäre Arbeitsplätze und bringt kleine Unternehmen unter Druck. Touristen sind im Durchschnitt zwei bis drei Tage in Wien, haben also mindestens eineinhalb Tage für einen Einkauf.

 

Kirchen und Vereine bieten den Menschen die Möglichkeit, sich religiös, sozial und kulturell zu engagieren. Ohne regelmäßig wiederkehrende freie Zeiten ist eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben schwierig. Der freie Sonntag garantiert feste Zeitrhythmen und Gemeinschaftserfahrungen, die für die Ganzheitlichkeit des Menschen von enormer Bedeutung sind.

 

In seiner Enzyklika „Laudato si’“ macht Papst Franziskus auf den besonderen Wert des Sonntags aufmerksam: „Der Mensch neigt dazu, die kontemplative Ruhe auf den Bereich des Unfruchtbaren und Unnötigen herabzusetzen, und vergisst dabei, dass man so dem Werk, das man vollbringt, das Wichtigste nimmt: seinen Sinn.“ Oder lassen Sie mich die Bedeutung des arbeitsfreien Sonntags mit den Worten Kardinal Christoph Schönborns bekräftigen: „Der freie Sonntag verhindert, dass das Leben zu einer gleitenden Arbeitszeit und einer lückenlosen Einkaufszeit wird.“

 

 

 

Maria Langmaier

 

Koordinatorin der Allianz für den freien Sonntag Österreichs

Webtipp: www.freiersonntag.at

 

 

 

  

 


 

CONTRA

Konjunktur- und Jobmotor

 

Derzeit stehen am Sonntag regelmäßig Tausende Touristen etwa in der Wiener Innenstadt vor geschlossenen Geschäften. Grund dafür ist, dass Wien als einziges Bundesland bisher keine Tourismuszonen hat. Angesichts der derzeitigen Rekordarbeitslosigkeit und des wachsenden Anstiegs des Online-Handels spricht sich die Wirtschaftskammer Wien für die dauerhafte ganzjährige Errichtung von Tourismuszonen in Wien aus, wo Geschäfte auch am Sonntag aufsperren dürfen.

 

Das wirtschaftliche Potenzial ist mit 140 Millionen Euro Mehrumsatz und 800 neuen Arbeitsplätzen enorm groß. Auch im internationalen Vergleich mit Mailand, Madrid, Paris oder London braucht Wien eine moderne, dynamische und vernünftige Regelung der Öffnungszeiten. Immerhin zeigt die Bundeshauptstadt die höchsten Steigerungsraten im Tourismus in den letzten Jahren. Können die Besucher nicht vor Ort kaufen, so werden die Einkäufe entweder im Heimatland oder online getätigt und damit die Wertschöpfung aus Österreich abgezogen.

 

Alle jene Ausnahmeregelungen, die bereits jetzt ein Einkaufen am Sonntag möglich machen, sind höchst erfolgreich und zeigen vor, wie sehr solche zusätzlichen Einkaufsmöglichkeiten angenommen werden und wie wichtig es ist, dann die Ware anzubieten, wenn die Kunden vor der Tür bzw. der Verkaufstheke stehen. Darüber hinaus ist die Arbeit am Sonntag schon längst in vielen Berufen eine Selbstverständlichkeit; man denke an Krankenhäuser, Gastronomiebetriebe, Tankstellen, Blumengeschäfte oder Souvenirgeschäfte. Die Einführung von Tourismuszonen mit Sonntagsöffnung ist also nur eine logische Konsequenz. Sowohl die Unternehmerschaft (72,6 Prozent) als auch die Wien-Touristen (66 Prozent) haben sich bereits für Tourismuszonen und die Möglichkeit zur Sonntagsöffnung in diesen Bereichen ausgesprochen.

 

 

 

Dr. Rainer Trefelik

 

Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien.

Webtipp: www.wko.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe Juli/August 2017

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