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Menschenleer | gottvoll

Wo (nur) zwei oder drei …

Ist Fülle auch angesichts leerer Kirchenbänke erfahrbar? Ein Lokalaugenschein in der Wiener Pfarre Breitenfeld von Daniel Seper

 

 

 

Die dicken Backsteinmauern der Breitenfelder Pfarrkirche können den Autolärm des Wiener Gürtels nicht ganz abschirmen. Vom Gewusel der allabendlich überfüllten U-Bahn ist im Kircheninneren allerdings nichts mehr zu merken. Der riesige dreischiffige Kirchenraum ist nahezu menschenleer, nur im Altarraum üben einige Burschen gerade das Ministrieren.

Am Eingang informieren Schilder darüber, dass die Werktagsmessen in der Marienkapelle gefeiert werden, Pfeile weisen den Weg aus der großen Kirche in die kleine Kapelle neben dem Altarraum. Dort zündet eine ältere Dame gerade die Kerzen auf dem Altar an, rückt die Sessel zurecht. Ein Mesner bringt Wein und Wasser, der Organist holt ein „Gotteslob“ und bereitet sich auf seinen bevorstehenden Einsatz vor. Die Glocken läuten und künden den Gottesdienst an. Als der Priester, begleitet von einem Ministranten, einzieht, kommt gerade noch eine Ordensfrau. Insgesamt sind es sieben Gläubige, die mit ihm an diesem Donnerstagabend die Messe feiern.

 

Angebot und Nachfrage

Die Pfarre im 8. Bezirk unterscheidet sich dabei kaum von vielen anderen Pfarren in Wien, wo an einem normalen Werktag meist nur eine Handvoll Gläubige den Weg in die Kirche finden. Gerade in der Stadt gebe es noch ein enormes Angebot an Eucharistiefeiern jeden Tag, dem aber oft eine nur geringe Nachfrage gegenüberstehe, gibt der Pfarrer von Breitenfeld, Gregor Jansen, zu bedenken. Traditionelle Messtermine zu streichen, würde „wehtun“, und die Wahrscheinlichkeit, dass dafür zu den übrigen Gottesdiensten mehr Gläubige kommen, sei auch nicht sehr groß.

Aber braucht es übe

r

haupt eine bestimmte Anzahl an Mitfeiernden oder genügen nicht auch nur zwei oder drei, die sich in Jesu Namen versammeln? Das Zweite Vatikanische Konzil hat den gemeinschaftlichen Aspekt der Liturgie hervorgehoben, gleichzeitig werden die Priester dazu aufgefordert, täglich Eucharistie zu feiern, „auch wenn eine Teilnahme von Gläubigen nicht möglich ist“, wie es das Kirchenrecht schreibt. Dahinter steht die Überzeugung, dass jede einzelne Eucharistie, in der Jesu Leiden, Tod und Auferstehung gefeiert werden, von so großem Wert ist, dass sie lieber in kleinem Kreis stattfinden sollte als gar nicht. Für Gregor Jansen stellte sich erst ein einziges Mal die Frage, ob er die Messe feiern sollte, auch wenn außer dem Mesner und Organisten sonst niemand da war. Die drei entschieden sich dafür.

 

Vernetzung global

„Liturgie globalisiert“, meint Jansen. Jede Messe sei schließlich eingebettet in die große Gemeinschaft der Kirche. Selbst wenn konkret nur ein paar wenige sich an einem bestimmten Ort versammeln, so stehen sie dennoch mit den vielen anderen, die zur gleichen Zeit auf einem anderen Weltteil Eucharistie feiern, in Verbindung. „Lobe den Herren … vereint mit den himmlischen Chören“, haben die sieben Gläubigen am Beginn der Messfeier in der Marienkapelle gesungen. Damit kommt zum Ausdruck, dass jede Gottesdienst feiernde Gemeinde auch mit der himmlischen Kirche, den Engeln und Heiligen, gemeinschaftlich verbunden ist.

Die Anzahl der Mitfeiernden könne ohnehin kein Kriterium für das Gelingen eines Gottesdienstes sein. Vielmehr hänge das für Gregor Jansen von der Intensivität ab, wie sehr sich die Gläubigen auf eine Feier einlassen und wie gut die Kommunikation mit diesen gelingt. Da empfindet er eine sonntägliche Eucharistiefeier, an der in der riesigen Kirche zwar hundert Gläubige teilnehmen, aber so vereinzelt sitzen, dass „fast jeder eine eigene Bank hat“, herausfordernder als die Werktagsmesse mit einer überschaubaren Gruppe in der Seitenkapelle. Die Nähe erleichtere dabei, dass die Eucharistie dann wirklich als Gemeinschaft gefeiert wird.

 

 

Motivierendes Feedback

Wie sehr sich die versammelte Gemeinde auch auf den Zelebranten auswirkt, veranschaulicht Jansen anhand der Predigt. Auch wenn seine Homilie in den verschiedenen Gottesdiensten eines Sonntags immer auf die gleichen Bibelstellen eingeht, so unterscheidet sich die Predigt an einem Samstagabend doch merklich von jener am Sonntagvormittag. Dies führt Jansen auf den dialogischen Charakter zurück, der seine Predigten auszeichnet. Er versuche immer, konkret für die Menschen, die jetzt gerade da sind, zu predigen, und achte dabei stark darauf, wie seine Zuhörer reagieren.

Auf die Rückmeldungen der Gläubigen legt Jansen nicht nur hier Wert. Wenn ihm nach der dreistündigen Liturgie der Osternacht gesagt wird, wie spannend es war, motiviert das. Gottesdienste, die in liturgisch geprägte Zeiten fallen und sich von einer normalen Wochentagsmesse unterscheiden, finden ebenfalls Zuspruch – etwa die Rorate-Messen frühmorgens im Advent oder auch die Eucharistiefeiern, die in der Fastenzeit nach dem Kreuzweg stattfinden, sowie die Aschermittwochsliturgie, die nach Jansen zu den am besten besuchten Gottesdiensten überhaupt gehört.

Die Ministranten in der Breitenfelder Kirche haben vor der Messe für die bevorstehende Firmung geprobt. Bei solchen Großereignissen in einer Pfarre muss man sich keine Sorgen machen, dass die Kirchenbänke leer bleiben. Ähnlich ist es bei anderen Hochfesten. Vor einigen Jahren entschieden sich die Pfarren des Entwicklungsraumes, zu dem Breitenfeld gehört, Fronleichnam gemeinsam zu feiern – um die 600 Menschen ziehen dann gemeinsam in einer Prozession durch die Straßen von Wien. „Manchmal braucht es auch diese Fülle“, sagt Gregor Jansen, „die einem zeigt, dass wir doch viele sind.“

 

Daniel Seper


 

 


 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2017 | Ausgabe September/Oktober 2017

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