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Abschied in Würde

Keine Therapien mehr, keine Schmerzen: danach sehnen sich viele Menschen, die unheilbar krank sind. Auf der Palliativstation St. Raphael im Wiener Spital Göttlicher Heiland versucht ein interdisziplinäres Team, das möglich zu machen.

 

Maria hat es schon geahnt. Etwas ist nicht in Ordnung in ihrem Körper. Jetzt die Diagnose: „Du hast Krebs.“ Fortgeschrittenes Stadium. Sie wird nicht mehr lange leben. Maria hat starke Schmerzen im Bauch. „Allein Gott wird entscheiden, wann ich sterben muss.“ Davon ist sie überzeugt. Leicht ist es für sie dennoch nicht, dem Tod entgegenzublicken. Es gibt Momente, an denen auch ihr Tränen in die Augen schießen.

 

Maria lebt mittlerweile auf der Palliativstation St. Raphael im Wiener Krankenhaus Göttlicher Heiland. Hier fühlt sie sich gut betreut. Die Ärzte, Pfleger, Seelsorger und ehrenamtliche Mitarbeiter wollen vor allem eines: den Patienten einen würdevollen Raum der Abschiednahme bieten. Die Frage nach dem Lebenssinn wird hier häufig gestellt, weiß Ulrike Reiterer zu berichten. Seit fünf Jahren arbeitet sie auf der Station. „Ich weiß, dass ich auf diese Frage keine Antwort geben kann. Ich kann nur da sein und mit den Menschen dieses letzte Stück ihres Weges gehen.“

 

Ängste und Hoffnungen teilen

Die Palliativmedizin ist in den 1960er-Jahren in Großbritannien entstanden. Seit 1992 ist St. Raphael als erste Palliativstation Österreichs für Patientinnen und Patienten sowie deren Familien da, wenn sie mit der Herausforderung einer unheilbaren Krankheit konfrontiert sind. „In meinen Anfängen als Krankenschwester auf der Neurologie und der Intensivstation habe ich gemerkt, dass sich viele Mediziner und Pflegekräfte mit dem Thema Sterben schwertun“, erzählt Reiterer. „Sie legen das Sterben oft als Misserfolg der Medizin aus.“

 

Ängste und Hoffnungen miteinander teilen: Das ist das Anliegen der schwerkranken Menschen auf der Palliativstation. Viele von ihnen wollen nicht mehr unter Nebenwirkungen von Chemotherapien oder anderen Behandlungen leiden. Patienten haben oft auch tiefe spirituelle Bedürfnisse, so Ulrike Reiterer: „Immer wieder kommt es vor, dass ich gemeinsam mit Patienten oder einfach nur still für sie bete. Das gibt Mut und Zuversicht, dass sie in Gott geborgen sind, was auch immer kommen mag.“

 

Ulrike Reiterer ist selbst überzeugte Christin. Ihr Glaube nimmt gerade mit Blick auf ihre tägliche Arbeit einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein: „Ich darf daran glauben, dass das Sterben nicht ein Ende oder Abschluss ist, sondern ein Übergang. Wir begleiten Menschen bis zu einer Tür, einer Brücke und lassen sie dann weitergehen.“ Die Krankenschwester sagt selbst, dass sie mit jeder Herausforderung wächst. Leicht ist ihre Arbeit dennoch nicht: „Natürlich ist es auch schwer für mich, Abschied zu nehmen, wenn ich einen Menschen mehrere Wochen, manchmal sogar Monate begleitet habe.“

 

„Herr, ich verstehe es nicht …“

An manchen Tagen kommt die erfahrene Krankenschwester an ihre Grenzen. „Herr, ich verstehe es einfach nicht. Warum muss das sein?“ Gerade bei Familien, in denen viele Schicksalsschläge hintereinander passieren, beginnt sie zu grübeln. Tiefere Glaubenszweifel kommen für sie aber nicht auf: „Ich lasse mich in die Hände Gottes fallen und vertraue ihm meine Patienten an, auch wenn ich vieles nicht verstehe.“

 

Heute brennt eine Kerze vor dem Schwesternzimmer. Sie wird immer dann angezündet, wenn ein Patient stirbt. Es war Maria. Sie ist im Kreis ihrer Angehörigen gestorben und fühlte sich durch die Zeit ihrer Krankheit stets von Gott getragen: „Ich habe mich nicht von ihr verabschiedet, sie ist da“, sagt eine Angehörige. Sie ist da. Nur nicht mehr hier, sondern ganz nahe bei Gott. Daran hat die Frau bis zum Schluss ganz fest geglaubt.

 

Markus Andorf

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe März/April 2018

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