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Wofür lebst du?

Mit allen Sinnen präsent sein

Immer wieder kam und kommt die gebürtige Oberösterreicherin in ihrem Beruf an ihre Grenzen – und überschreitet sie. Bergsteigen, das ist für sie auch Sinnsuche Schritt für Schritt.

Miteinander: Sie gelten als eine der erfolgreichsten Bergsteigerinnen der Welt, haben u. a. alle Achttausender bestiegen. Welche Ziele steckt man sich, wenn man quasi alles erreicht hat?

 

Mit der Besteigung der 14 Achttausender ging ein Lebenstraum in Erfüllung, dennoch möchte ich gerne noch so viel Anderes entdecken und erleben. Es gibt weitere viele schöne Berge, an denen ich unterwegs bin und noch sein möchte. Zudem liegen mir die Schulprojekte in Nepal sehr am Herzen, für die ich mich engagiere.

 

Miteinander: Jeder Hobby-Berggeher weiß, dass der Berg ein Lehrmeister ist und Demut lehrt. Gehört eine spirituelle Erfahrung auch zu den Triebfedern Ihres Lebens am und mit dem Berg?

 

In meiner Kindheit lehrte uns Pfarrer Erich Tischler bereits, achtsam und respektvoll in der Natur und am Berg unterwegs zu sein. Mit dem intensiven Unterwegssein vertiefte sich mein Grundvertrauen und ich bekam mehr und mehr Zugang zu meiner Intuition. Mitunter ließen mich intensive Erlebnisse und Erfahrungen erkennen, dass es etwas viel Höheres, Größeres gibt. Dies spüre ich jeden Tag und dafür bin ich sehr dankbar.

 

Miteinander: Bieten extreme Situationen einen anderen, direkteren Zugang zu den Antworten auf die großen Fragen des Lebens? – Die Frage nach dem Sinn, nach dem Ziel, nach dem eigenen Platz in dieser Welt …?

 

Extremsituationen haben u. a. dazu geführt, dass ich mich sehr intensiv mit der Frage von Leben und Vergänglichkeit befasst habe. Sinnvoll für mich ist, mein Leben nach meinen Wertvorstellungen bestmöglich zu gestalten. Es ist mir wichtig, Ziele zu setzen und diese dann auch wieder loszulassen, um mich auf jeden nächsten Schritt konzentrieren und einlassen zu können – nicht nur was die Berge betrifft.

 

Miteinander: Wie gehen Sie mit der Erwartungshaltung von anderen (aber auch Ihrer eigenen) um, wenn Sie sich nun neuen Herausforderungen stellen? Das Leben hält ja nicht nur Gipfel bereit, sondern auch manches Tal …

 

Die Erwartungshaltung von anderen versuche ich so gut es geht, außen vor zu lassen – das durfte ich im Laufe der Jahre lernen. Mir ist wichtig, alles, was ich tue, mit tiefer innerer Zustimmung zu tun und dabei mit allen Sinnen präsent zu sein.

 

Miteinander: Jede Extremsituation birgt auch große Risiken: Wie beurteilen Sie gefährliche Situationen? Wo liegt Ihre persönliche Grenze, wenn es darum geht, weiterzugehen oder aufzuhören?

 

Den objektiven Gefahren – Schlechtwettereinbruch, Steinschlag etc. – gehe ich bestmöglich aus dem Weg; zudem lasse ich mich von meiner Intuition leiten. Vor jeder großen Entscheidung – ob ich weiter steige oder umkehre – lasse ich für einen Moment absolute Stille einkehren. Meine persönliche Grenze ist unterschiedlich, viele Faktoren hängen davon ab. Dass körperlich, geistig und seelisch alles im Einklang ist, ist Voraussetzung, um weiter zu steigen.

 

 

Miteinander: Am Berg können kleine Fehler oft tödliche Folgen haben, Sie selber wurden ja bereits einmal von einer Lawine verschüttet. Hat sich Ihr Kletterverhalten danach geändert? Bleibt die Angst ein ständiger Begleiter?

 

Danach wurde mir noch stärker bewusst, dass es absolute Sicherheit nicht gibt. 50 Jahre lang hatten Bergsteiger ihre Zelte am Grat ziemlich genau an der Stelle aufgestellt, wo auch ich mein Zelt aufgebaut hatte. Trotzdem wurden wir von einer Lawine erfasst. Ich hatte großes Glück, mich befreien zu können. Dennoch ist die Angst kein ständiger Begleiter – ansonsten hätte ich das Bergsteigen bald aufgegeben. Großer Respekt, Dankbarkeit und Demut und äußerste Achtsamkeit und Konzentration jedoch begleiten mich immer. Wenn sich Angst breit macht, ist diese ein äußerst wichtiger Indikator, nicht mehr auf dem richtigen Weg zu sein – auch das gilt für mich in allen Lebensbereichen.

 

Das Interview führte Elisabeth Mayr.

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe März/April 2018

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