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Unsere Themen im Jahr 2018

Entschieden leben

Im alltäglichen Ringen mit den großen und kleinen Entscheidungen können durchaus auch die Ratschläge der großen Heiligen nützlich sein. Ein Blick in die Spiritualitätsgeschichte.

Entscheiden – Ja-Sagen oder manchmal auch Nein-Sagen oder: Vielleicht später. Unser ganzes Leben ist von Entscheidungen geprägt: Glaubt man Verhaltensforschern, sind es bis zu 20.000 Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen. Nun sind ja die wenigsten davon bewusste Entscheidungen, die wir überlegt treffen. Es bleibt ja auch gar nicht die Zeit dazu, vieles läuft spontan ab.

 

 Geht es nun aber um große Lebensentscheidungen, meint man doch, sie sich gut überlegen zu sollen, und dafür braucht es Kriterien. Schaut man sich in der christlichen Spiritualitätsgeschichte um, stößt man mit dieser Frage zuerst auf Ignatius von Loyola, den großen spanischen Heiligen, der den Jesuitenorden gegründet hat. In seinem „Exerzitienbuch“ erstellt er „Regeln, um irgendwie die verschiedenen Regungen zu verspüren und zu erkennen, die in der Seele verursacht werden: die guten, um sie anzunehmen, die schlechten, um sie abzuweisen“.

 

 Welchem Geist kann ich trauen?

Es handelt sich hierbei um Regeln zur „Unterscheidung der Geister“, eine zunächst spirituell-theologische Herangehensweise an Entscheidungen. Die Grundfrage: Von welchem Geist stammt ein Impuls, eine bestimmte Entscheidung zu treffen, und wie weiß man, ob man diesem Impuls folgen soll, diesem Geist trauen kann. Für Ignatius spielen hier die inneren Regungen des „Trostes“ und der „Trostlosigkeit“ eine große Rolle, ebenso wie die genaue Beobachtung der „Früchte“ einer Entscheidung – bringt sie inneren Frieden, Mut und starke innere Kräfte oder bewirkt sie das Gegenteil?

 

Die Annahme, dass unterschiedliche äußere Kräfte in uns wirken und uns in bestimmte Richtungen lenken wollen und dass diese daher genau zu prüfen sind, ist heute sicher nicht unwidersprochen. Oft begegnet einem eine merkwürdige „Was immer dich glücklich macht“- Einstellung, die sich aber langfristig nicht immer als tragfähige Basis für Entscheidungen herausstellt.

 

 

Papst Franziskus jedoch, der ja selbst Jesuit ist, hält eine richtige Anleitung zu einer geistlichen Unterscheidung für so wichtig, dass er die Bischofssynode 2018 im Vatikan unter das Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsentscheidung“ stellt. Eine wichtige Grundaussage des Vorbereitungsdokuments für diese Synode ist: Jeder Christ ist zunächst von Gott berufen zu lieben – denn unser Leben wurde uns aus reiner Liebe von Gott gegeben. Darauf freudig Antwort zu geben und dies bewusst zu tun, soll die erste Entscheidung im christlichen Leben sein, noch vor der Entscheidung zu einem bestimmten Lebensstand, Wahl des Arbeitsplatzes oder Lebensumfeldes. Eine „Kultur der Berufung“ zum entschiedenen christlichen Leben mit aufzubauen, ist ihm ein wesentliches Anliegen.

 

Jeden Tag neu entscheiden

Ist eine Entscheidung einmal getroffen, kommt ein leicht anders akzentuiertes Wort zum Tragen: die Entschiedenheit. Dies finden wir wiederum ganz prägnant in der Spiritualitätsgeschichte, bei Teresa von Avila, einer ebenfalls spanischen großen Heiligen: Worauf es ankommt, ist die Entschiedenheit, nachdem man eine Entscheidung getroffen hat: „Für uns besteht die Hauptsache nur darin, dass wir uns ihm mit aller Entschiedenheit als Eigentum hingeben und hinwegräumen, was ihn hindern könnte, in uns hineinzulegen und von uns herauszunehmen, was er will.“

 

 

Entschieden zu leben bedeutet also aus christlicher Sicht, sich jeden Tag neu für die eigene Berufung zu entscheiden, sich immer wieder, auch im Alltäglichen, anscheinend Belanglosen zu überwinden, mit Entschiedenheit das zu tun – oder sein zu lassen –, was der Liebe mehr entspricht. Dass das nicht immer gut gelingt, wiegt dann nicht mehr ganz so schwer, wenn die Grundentscheidung – das Ja-Sagen zum ganz konkreten eigenen Leben, zum Anruf Gottes an jeden von uns – immer neu getroffen werden kann.

 

Daniela Köder

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Mai/Juni 2018

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