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Unsere Themen im Jahr 2018

„Der Glaube lehrt mich Vertrauen“

Eddi Hüneke ist Gründungsmitglied der „Wise Guys“. Im vergangenen Jahr hat sich diese erfolgreichste deutsche Acapella-Band der letzten Jahre aufgelöst. Nun beginnt Hüneke eine Solokarriere – eine Mutprobe, bei der der aus evangelischem Pfarrhaus stammende Musiker eine ordentliche Portion Hoffnung und Vertrauen braucht. Sein Glauben hilft ihm dabei.

 

Miteinander: Herr Hüneke, im vergangenen Sommer haben sich die „Wise Guys“ aufgelöst. Aus Interviews und Medienberichten heraus entsteht ein wenig der Eindruck, als wären Sie der Buhmann, auf den das alles zurückgeht. Täuscht dieser Eindruck?

 

Der Eindruck mag nach außen so sein, Fakt ist aber, dass die Entscheidung zur Auflösung der Band nicht von mir ausging, sondern von den anderen, verbliebenen Mitgliedern. Ich hatte immer die Hoffnung, dass sie ohne mich weitermachen würden. Unterm Strich muss man heute festhalten, dass wir über 30 Jahre hinweg tolle Musik gemacht haben, viel Spaß dabei hatten und wunderschöne Momente miteinander erleben durften. Dann ist es auch OK, wenn es irgendwann mal vorbei ist und was Neues kommt.

 

Miteinander: Eigentlich zieht man doch einen Schlussstrich, wenn man merkt, dass die Erfolgskurve nach unten zeigt. Bei den „Wise Guys“ war das nicht der Fall, es lief alles wie geschmiert …

 

Ich habe in mir den Drang verspürt, etwas Neues zu machen – einen anderen Weg zu gehen, mich auch kreativ anders und stärker auszudrücken, als das in einer Formation wie den „Wise Guys“ möglich war. Und vielleicht war es auch ein wenig das Gefühl, dass zwar der wirtschaftliche Erfolg noch da war, aber der musikalisch-künstlerische Bogen ausgereizt war.

 

Miteinander: Mit ihrem jetzigen Schritt in eine Solokarriere hinein wagen Sie persönlich viel. Welche Erfahrungen der vergangenen Monate haben Sie besonders bestärkt – und welche vielleicht eher ernüchtert?

 

Beflügelt haben mich die positiven Rückmeldungen nach den Vorpremieren. Es war sehr beglückend, zu merken, dass meine Musik und meine Texte das Publikum erreichen, dass es die Menschen anspricht, was ich da auf der Bühne mache. Ich brauche dieses Feedback, denn ich bin ja selbst nicht sicher, wo der Weg hinführt. Etwas ernüchtert hat mich die eher abwartende Haltung der „Wise Guys“-Fans. Es gibt wohlwollendes Interesse, aber man wird sehen, ob sie sich für meine Musik erwärmen können. Es ist ja doch etwas ganz anderes als zuvor …

 

Miteinander: Sie erfinden sich derzeit auch optisch neu: früher der quirlige Sonnyboy, heute der nachdenkliche Mitvierziger mit Bart. Ein bewusster Imagewandel?

 

Der neue Look entspricht mir sehr – es ist schließlich in jeder Hinsicht ein Neuanfang. Auch musikalisch bin ich wohl „erwachsener“ geworden. Und es ist jetzt 100 Prozent Eddi Hüneke. Bei den „Wise Guys“ stammten viele Lieder und Texte von Dän und es gab eine größere Erwartungshaltung, dass es lustig und unterhaltsam sein sollte. Der Bannkreis des „Kleinen grünen Kaktus‘“ sozusagen. Jetzt versuche ich, etwas Komplexeres zu machen. Ob’s die Fans goutieren, wird sich zeigen.

 

Miteinander: Sie kommen aus einem evangelischen Pfarrhaus, haben selber evangelische Theologie studiert. Wie kamen Sie dazu?

 

Ich habe meinen Vater stets als glaubwürdigen, authentischen Seelsorger erlebt und bewundert, wie vielfältig und erfüllend dieser Beruf für ihn war. Es war wenig Verwaltung und viel Tätigkeit für die Menschen, viele Begegnungen, Gespräche – das hat mir imponiert und mich interessiert. In gewisser Weise versuche ich, dieser Tiefe heute auch in meinen Texten und Liedern nachzuspüren.

 

Miteinander: Auch der Bandleader der „Wise Guys“, Dän, macht keinen Hehl aus seiner christlichen Sozialisation. Sie sind auch bei Kirchentagen oder beim Weltjugendtag in Köln aufgetreten. Dennoch gab es nie ein „Wise Guys“-Lied mit religiöser Konnotation. Warum nicht?

 

Wir haben uns bewusst dagegen entschieden – und ich stehe auch nach wie vor hinter dieser Entscheidung: Wir waren keine „christliche Band“ – für mich persönlich kann ein Liedtext christliche Inhalte haben, von Liebe, Vertrauen etc. handeln, aber ich möchte nicht den Stempel „christlicher Liedermacher“ aufgedrückt bekommen. Das wäre eine Einschränkung, die mir nicht entspricht. Wobei mich schon reizen würde, einmal ein Lied über das Verbindende der Religionen zu schreiben.

 

 

Miteinander: In welcher Form hat Ihr christlicher Background in den vergangenen bewegten Monaten Sie getragen oder begleitet?

 

Der Glauben lehrt mich Vertrauen: Vertrauen, dass Dinge gut sind, wie sie sind. Und dieses Gottvertrauen hat mich auch – natürlich neben meiner Familie – durch die letzten Monate in besonderer Weise getragen. Ich empfinde mich – um es religiös zu formulieren – gehalten. Und als Kölner kann man sich zusätzlich auf das fast buddhistisch anmutende „Rheinische Grundgesetz“ verlassen:Et es wie et es. Et kütt wie et kütt. Und et hätt noch emmer joot jejange … Es ist, wie es ist. Es kommt, wie es kommt - und es ist noch immer gut gegangen. 

 

Das Interview führte Henning Klingen

Mehr von Eddi Hüneke unter:

www.eddihueneke.de

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe Mai/Juni 2018

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