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Unsere Themen im Jahr 2018

Vorbilder für die Smartphone-Generation

Gastautor Stephan Sigg über Teenager und ihrem Tagebegleitmedium Nr. 1 – dem Handy

 

 

 

„Handys bitte ausschalten und weglegen. Sie sind in den nächsten Stunden verboten!“ Keine Ahnung, wie oft ich diese Sätze in den vergangenen Jahren bei Anlässen mit Jugendlichen gehört habe. Auf jeden Fall bin ich jedes Mal zusammengezuckt, wenn Erwachsene zu Beginn des Workshops oder der Unterrichtseinheit Jugendliche mit diesem Verbot konfrontierten.

Natürlich: Wenn man mit Jugendlichen arbeitet, geht es nicht ohne Regeln, dazu gehört zum Beispiel auch die Regel, dass während einer Unterrichtseinheit nicht auf dem Handy gechattet wird, Videos angeschaut oder Fotos gemacht werden. Doch im Gegensatz zu Handy-Verboten ist mir eines nur selten begegnet: Handy-Empfehlungen.

 

Ohne Vorurteile

Die heutigen Jugendlichen sind die „Smartphone-Generation“. Sie sind mit dem Gerät aufgewachsen und manche von ihnen konnten es bedienen, bevor sie lesen oder schreiben lernten. Sie sind uns Erwachsenen mit ihrem Know-how in diesem Bereich weit voraus.

Jugendarbeit gelingt, wenn wir uns auf die Welt der jungen Menschen einlassen – neugierig, offen und ohne Vorurteile. „Ich habe kein Handy und mir fehlt nichts“, höre ich manchmal von Erwachsenen. Ich habe kein Problem damit. Nur weil Jugendliche im Smartphone-Fieber sind, müssen das nicht alle nachmachen. Was mir aber Mühe bereitet, sind Menschen, die zwanghaft versuchen, Jugendlichen bewusst zu machen, dass sie das Handy zu oft benutzen, und wie stressfreier das Leben ohne WhatsApp und anderen Apps wäre.

Solche Versuche sind der beste Weg, die Atomsphäre zu vergiften. Es soll nicht das Ziel sein, dass wir selber „einen auf jugendlich machen“. Natürlich haben wir die Verantwortung und auch die Pflicht, ihnen den Spiegel vorzuhalten. Aber woran sollen sich Jugendliche in ein paar Jahren mal erinnern, wenn sie an den Religionsunterricht, die Firmvorbereitung, die Jugendarbeit denken? – An Erwachsene, die sie ständig mit Handy-Verboten und negativen Vorurteilen gegenüber Smartphones konfrontierten?

 

Mit dem Handy die Welt verändern

Für Jugendliche sind Handys etwas total Selbstverständliches. Viele von ihnen könnten sich ein vom Smartphone befreites Leben nicht vorstellen. Obwohl sie alle Handy-Expertinnen und Experten sind, haben sie eines jedoch noch nicht herausgefunden: Ein Handy ist das perfekte Gerät, um unsere Welt zu verändern. Mit allem, was ich mit diesem Gerät mache oder nicht mache, präge ich mein Umfeld. Wenn ich ständig negative Meldungen poste, mich auf Hassparolen einlasse, trage ich zur negativen, destruktiven Gesellschaft bei.

Ich kann mich aber auch ganz bewusst als Christin und Christ mit dem Smartphone engagieren. Mit dieser Haltung verbreite ich zum Beispiel positive Gedanken, bringe Dankbarkeit zum Ausdruck und weise auch mal auf Menschen und Probleme hin, die vergessen gehen oder ausgeblendet werden.

Wenn ich mit Jugendlichen diese Anwendungsmöglichkeiten diskutiere, begegne ich ihnen auf Augenhöhe. Wir entwickeln gemeinsam etwas. Dann kann ich als Erwachsene auch von ihren Ideen, ihren Erfahrungen lernen. Ein Ansatz, der schon immer eine wichtige Grundlage für die gelingende Arbeit mit Jugendlichen war. Jugendliche brauchen keine „Smartphone-Polizisten“, sondern Smartphone-Vorbilder: Erwachsene, die es vormachen, wie christlich leben heute geht – in der Schule, zu Hause, beim Sport und auch in der Online-Welt.


 

Stephan Sigg

Theologe und Autor aus St. Gallen, gibt in seinem neuen Jugendbuch „Echt? Jetzt! – Mein Navi für den Alltagsdschungel“ u. a. auch Tipps für „positive“ Verwendungsmöglichkeiten von Smartphones und Emojis.

www.stephansigg.com

 

 

 

 

 

 

Erschienen in: "miteinander" | Jahrgang 2018 | Ausgabe September/Oktober 2018

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Weiterlesen:

 

Woran die Jugend glaubt ...: Ergebnisse der Jugendstudie hinsichtlich ihres Glaubens. Von Bernhard Heinzlmaier.

 

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 Es tut sich was. Bei "Jesus in the City" in Wiener Neustadt. Eine Reportage 

 

 

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