Mag. Lukas Cioni
Redaktionsleiter / Chef vom Dienst
miteinander-Magazin
Stephansplatz 6
1010 Wien
Tel.: +43 1 516 11-1500
Sie haben eine neue Adresse? Schreiben Sie uns hier oder rufen uns unter DW 1504 an.
miteinander 11-12/2026

Ein Sarg ist mehr als ein Behältnis für den letzten Weg. Er kann eine Geschichte erzählen: von einem Menschen, seinen Leidenschaften und seinen Farben. Die Bestattung Wien hat mit zwei kunstvoll gestalteten Designer-Särgen neue Möglichkeiten für persönliche Abschiede geschaffen. Entworfen wurden die Modelle vom österreichischen Graffiti-Künstler Lucas Groeger, bekannt als SKRIBL.
Manchmal ist diese Geschichte schlicht, manchmal überraschend bunt. Ein Graffitisarg fällt auf. Er widerspricht dem gewohnten Bild von hölzerner Zurückhaltung und zeigt. „Wir gehen mit der Zeit und versuchen, alle Kundenwünsche bestmöglich zu erfüllen, auch wenn sie außergewöhnlich sind“, sagt Jürgen Sild, Geschäftsführer der Bestattung Wien. Abschiede würden immer persönlicher. Designer-Särge könnten Persönlichkeit und Lebenshaltung sichtbar machen.

Zuhören statt nur gestalten
Für Diakon Georg Pawlik beginnt ein persönlicher Abschied jedoch nicht mit der Gestaltung, sondern mit dem Zuhören. Einen Trend zu immer aufwendigeren Begräbnissen beobachte er nicht. Vielmehr würden Feiern aus Kostengründen teilweise verkürzt. Umso wichtiger sei es, Raum für persönliche Worte und Erinnerungen zu geben. „Sehr wichtig ist, dass der Begräbnisleiter die persönlichen Wünsche, wie zum Beispiel das Verlesen eines Briefes, unbedingt berücksichtigt“, sagt Pawlik. Im Gespräch mit den Angehörigen gehe es darum, den Menschen hinter der Trauer sichtbar werden zu lassen.
„Ein Begräbnis wird für die Angehörigen gemacht
– nicht für den Verstorbenen.“
Ein Gedanke seines früheren Ausbildungsleiters, Rektor Karl Wagner, begleitet Pawlik bis heute: „Vergessen Sie nie, dass wir am Friedhof jährlich etwa 1,5 Millionen Menschen erreichen, die oft wenig Kontakt zur Kirche haben. Wenn wir ihnen in ihrer Trauer begegnen und ihre Sprache sprechen, dann ist Verkündigung gelungen.“ Pawlik erinnert sich an das Begräbnis eines jungen Motorradfahrers, bei dem Freunde aus der Bikerszene mit eigenen Worten Abschied nahmen. Die Feier war geprägt von gemeinsamen Erlebnissen und einer Sprache, die zu diesem Menschen passte. In einem anderen Fall gestalteten Geschwister das Begräbnis ihres 15-jährigen Bruders mit – mit Lesung, Evangelium, Fürbitten und persönlichen Worten.
Was bleibt, verbindet
Dabei steht für Pawlik eine wichtige Erkenntnis im Mittelpunkt: „Ein Begräbnis wird für die Angehörigen gemacht – nicht für den Verstorbenen.“ Der Abschied kann nicht mehr das Leben des Menschen verändern, der gegangen ist. Aber er kann jenen Halt geben, die zurückbleiben. Er kann Erinnerungen einen Platz geben, Worte ermöglichen, die vielleicht nie ausgesprochen wurden, und einen gemeinsamen Weg durch die Trauer eröffnen. Jeder Mensch trägt eine unverwechselbare Geschichte in sich – und doch führen alle Lebenswege zu denselben großen Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was gibt unserem Leben Sinn?
„Der Tod beendet das Sterben, aber nicht das Leben“, sagt Pawlik bei seinen Begräbnissen gerne. Im Zentrum eines christlichen Abschieds stehen Dankbarkeit für den Menschen, der gegangen ist, Hoffnung und die Trauer der Zurückgebliebenen. Trauer vergeht nicht einfach. Sie verändert sich. Sie bleibt als Erinnerung, Liebe und Verbindung über den Tod hinaus. Jeder Abschied ist einzigartig – und zugleich eine Erfahrung, die alle Menschen miteinander teilen.
Ob farbenfroher Designer-Sarg oder schlichtes Holz: Am Ende zählt nicht die äußere Form. Entscheidend ist die Gemeinschaft, die einen Menschen begleitet, und die Hoffnung, dass kein Leben spurlos verschwindet.