Mag. Lukas Cioni
Redaktionsleiter / Chef vom Dienst
miteinander-Magazin
Stephansplatz 6
1010 Wien
Tel.: +43 1 516 11-1500
Sie haben eine neue Adresse? Schreiben Sie uns hier oder rufen uns unter DW 1504 an.
miteinander 5-6/2026

Wer sagt, dass die Kirche nicht mit der Mode geht, irrt. Das gilt zumindest für liturgische Gewänder. Und zugegeben: Fast Fashion ist etwas anderes, Trends entwickeln sich in Epochen. Das beweist die Farbe Blau. Im Lauf der Zeit und in unterschiedlichen Gegenden wurde Blau mal mehr, mal weniger verwendet – und galt zeitweise in der katholischen Kirche als verboten.
Marianisches Blau
Als Farbe des Himmels steht Blau für Freiheit und Sehnsucht – und verweist auf Maria. In der Kunst wird sie oft mit blauen Gewändern dargestellt. Der teure und edle Farbstoff verweist zum einen auf die besondere Verehrung Mariens, dann aber auch auf die ihr zugeschriebene Reinheit und ihren Titel als Himmelskönigin. So lag es eigentlich nahe, blaue Paramente an den vielen Marienfesten im Kirchenjahr zu verwenden. Wenn das Konzil von Trient im 16. Jahrhundert nicht dezidiert verboten hätte, Blau in der Liturgie zu tragen – so wie übrigens auch Gelb und Grau. An die Stelle von Blau trat dann Weiß, um Feste von bestimmten Heiligen, die keine Märtyrer waren, zu markieren. Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hat hier wieder größeren Spielraum eröffnet, sodass auch der Papst – pardon für den naheliegenden Wortwitz – zu Neujahr „blau macht“, wenn er zum Hochfest der Gottesmutter Maria ein blaues Messgewand trägt – oder wenigstens ein weißes mit blauen Elementen. Ein prominentes Beispiel für die Verwendung von himmlischem Blau im Gottesdienst gibt es auch aus Österreich. Als Papst Benedikt XVI. 2007 den Marienwallfahrtsort Mariazell besuchte, waren Blau und Gelb nicht nur bei den Regenponchos, Schirmen und Halstüchern der Gläubigen dominant, sondern auch die beim Gottesdienst vom Papst abwärts verwendeten Messgewänder strahlten in leuchtendem Blau, gepaart mit kräftigem Gelb – also gleich zwei eigentlich unliturgische Farben. Dass Blau natürlich auch Wasser symbolisiert, hat zum Wetter in Mariazell gepasst, verweist aber vor allem auf den Heiligen Geist, der als „lebendiges Wasser“ für Reinigung und Erneuerung steht.
Ökumenische Gemeinsamkeiten
War Blau zeitweise gänzlich verboten, gibt es gleichzeitig Gegenden, wie etwa Diözesen in Spanien, in denen die Farbe für bestimmte Feste sogar vorgeschrieben ist. Blickt man über den katholischen Tellerrand hinaus, wird das bunte Bild bestätigt. Marianisches Blau bereichert den Farbkanon orthodoxer Kirchen, genauso wie es auch in manchen anglikanischen und protestantischen Gemeinschaften in Nordamerika oder Skandinavien für Marienfeste verwendet wird – vorausgesetzt, sie werdendort überhaupt begangen. Zudem stellen blaue liturgische Gewänder eine Alternative für das farblich verwandte Violett im Advent dar. Diese Verwendung ist schon aus dem altenglischen Ritus von Sarum, wie er in der Diözese von Salisbury gefeiert wurde, überliefert. Liturgische Farben entwickeln sich weiter, das zeigt auch Blau, das nicht immer zum Farbkanon gezählt hat, aber an Beliebtheit zunimmt. Vielleicht braucht es ja irgendwann eine Fortsetzung dieser Reihe, wenn sich in Zukunft neue liturgischen Farbe neben den bisher behandelten Farben etablieren.

Dr. Daniel Seper
ist Professor für Religionspädagogik an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich und Redaktionsmitglied des miteinander-Magazins.