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Aus dem neuen »miteinander«

Du glaubst, ich glaube

Serie

Mehr als ein Beruf: Das miteinander lädt Gläubige aus Katholizismus, Protestantismus, Judentum und Islam zum Gespräch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Religionen. Die interreligiösen Serie „Du glaubst, ich glaube“, widmet sich heute dem Thema „Bildung“.

Von Daniel SEPERVon Daniel SEPER

miteinander 11-12/2026

miteinander-Magazin

Eine Frage – vier Antworten. Der Religionsunterricht steht oft zur Diskussion. Braucht es ihn in einer pluralen Gesellschaft noch? Für Vertreter des Judentums, des Christentums und des Islam ist die Antwort eindeutig: Ja. Die Gründe dafür sind allerdings unterschiedlich. Für den Imam schützt Religionsunterricht vor Radikalisierung, für den Rabbiner bewahrt er religiöse Traditionen. Die evangelische Pfarrerin verbindet mit ihm die Zukunft religiöser Minderheiten, der katholische Diakon erlebt ihn als Ort, an dem Jugendliche Orientierung finden.

 

Bildung statt Ideologien

„Für den Islam hat der Religionsunterricht in Österreich eine enorm große Rolle“, eröffnet Ramazan Demir die Diskussion. Kinder und Jugendliche sind auf Identitätssuche. Aus seiner eigenen Erfahrung in der Gefängnisseelsorge weiß er, welche Folgen entstehen können, wenn fundierte religiöse Bildung fehlt. Er setzt sich aktiv gegen Radikalisierung ein: nicht nur in Schulen, sondern auch dort, wo Kinder und Jugendliche auf Prediger stoßen, die nicht den Islam, sondern radikale Ideologien vermitteln. Auf TikTok und Instagram klärt er als „Der Imam Ramazan“ auf – und zählt Tausende, die ihm folgen.

Auch Philipp Rogner, der viele Jahre katholischen Religionsunterricht an einer HTL erteilt hat, kann das verbreitete Vorurteil nicht bestätigen, junge Menschen interessieren sich kaum für Religion. Im Gegenteil: Seiner Erfahrung nach suchen Schülerinnen und Schüler durchaus nach Antworten auf religiöse und existenzielle Fragen, erhalten in den Medien aber oft nur vereinfachte Darstellungen der eigenen und anderer Religionen. „Hier ist es ganz wichtig, dass sich Menschen reflektiert mit den Grundsätzen der Religionen auseinandersetzen“, plädiert Rogner. Fehlt dieser Raum in der Schule, suchen viele Orientierung in den Sozialen Medien.

 

Wenn religiöse Traditionen verloren gehen

Was würde fehlen, wenn es keinen Religionsunterricht gäbe? Ohne Religionsunterricht würden viele Kinder ihre eigene religiöse Tradition gar nicht mehr kennenlernen, wirft Schlomo Hofmeister als weiteren Aspekt ein. Das betrifft vor allem jene jüdischen Kinder und Jugendlichen, die das Judentum von zuhause nicht kennen. Aus unterschiedlichen Gründen betonen sowohl Hofmeister als auch Demir die Bedeutung religiöser Bildung für die eigene Identitätsbildung. Während Demir vor ideologischer Vereinnahmung warnt, verweist Hofmeister auf den möglichen Verlust religiöser Tradition.

Dabei differenziert der Rabbiner: Neben dem allgemeinen jüdischen Religionsunterricht in der Schule, der wie auch von den anderen Religionsgemeinschaften angeboten wird, kennt man im Judentum zusätzlich eine traditionelle jüdische Art von Unterricht in religiösen Schulen. Hier wird nicht über Religion gelernt, sondern in sie eingeführt: „Man lernt die Tora, die Gesetze, den Talmud. Und zwar nicht zwei Stunden die Woche, sondern fünf bis sechs Stunden am Tag“, erklärt Hofmeister.

 

Religionsunterricht entwickelt sich

Während Rogner überzeugt ist, dass der konfessionelle Religionsunterricht Zukunft hat und „kein Auslaufmodell“ ist, bringt Mónika Solymár die Perspektive der evangelischen Minderheit ein und lenkt den Blick auf eine praktische Herausforderung. Für kleine Religionsgemeinschaften werde es zunehmend schwieriger, genügend Schülerinnen und Schüler für eigene Gruppen zu erreichen. Da können neue Formen und Modelle der Kooperation über Konfessions- oder sogar Religionsgrenzen hinweg eine hilfreiche Ergänzung sein. Auch Ramazan Demir betont, dass sich der islamische Religionsunterricht weiterentwickelt hat. Während der Koranunterricht einen anderen Schwerpunkt setzt und vor allem die Einführung in den Koran und die religiöse Praxis vermittelt, gehe es im schulischen Religionsunterricht verstärkt um Reflexion, Diskussion und die Auseinandersetzung mit Fragen des Lebens. Gerade darin sieht er eine besondere Stärke des Religionsunterrichts in Österreich. Dass anerkannte Religionsgemeinschaften an öffentlichen Schulen einen eigenen Religionsunterricht anbieten können, sei zudem keineswegs selbstverständlich. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern eröffne das österreichische Modell dafür besondere Möglichkeiten.

Trotz unterschiedlicher Perspektiven zeichnet sich am Ende des Gesprächs ein gemeinsamer Befund ab: Religionsunterricht vermittelt heute weit mehr als religiöses Wissen. Er eröffnet Räume für Orientierung, stärkt religiöse Identität und befähigt dazu, den eigenen Glauben ebenso wie den anderer besser zu verstehen. Gerade in einer religiös vielfältigen Gesellschaft sehen sie darin seinen bleibenden Auftrag.

 


miteinander 9-10/26

Ramazan Demir

ist Imam und Religionspädagoge an der der KPH Wien/Krems sowie Fortbildungsleiter muslimischer Religionslehrerinnen und Religionslehrer.

 

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Mónika Solymár

ist evangelische Pfarrerin und Professorin an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Niederösterreich sowie Privatdozentin an der Universität Wien.

 

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Philipp Rogner

ist evangelische Pfarrerin und Professorin an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Niederösterreich sowie Privatdozentin an der Universität Wien.

 

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Schlomo Hofmeister

ist Gemeinderabbiner von Wien, Autor und Landesrabbiner von Niederösterreich, Burgenland, Kärnten und der Steiermark sowie Oberrabbiner des österreichischen Bundesheeres sowie von Graz und Baden bei Wien.

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