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Mag. Lukas Cioni

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Aus dem neuen »miteinander«

Ebenbildlich, gleichwertig

Statements zum Weltfrauentag

Am 8. März wird der Internationale Weltfrauentag begangen. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen. Wir haben aus diesem Anlass zwei starke Frauen gebeten, zu beschreiben, was Frau-Sein für sie heute bedeutet.

miteinander 3-4/2023

Weltfrauentag

„Ich bin gut, ganz und schön“

Als geliebte Tochter Gottes bin ich ebenbildlich und gleichwertig“ – diese Gewissheit ermutigt mich seit mehr als 40 Jahren, lässt mich aber auch traurig sein ob manch gesellschaftlicher und kirchlicher Entwicklungen. Als junge Frau habe ich mich in der Katholischen Jugend für entwicklungspolitische Fragen, Demokratiebewusstsein, Friedensarbeit und Gesellschaftsveränderung engagiert. Ich forderte neben der geschlechtergerechten Sprache Gleichwertigkeit in allen Bereichen.


Eine wichtige Basis für mein Engagement war und ist bis heute meine christliche Spiritualität, genährt durch Erkenntnisse der feministischen Theologie, in der ich eine befreiende Kraft finde. Eine Theologie, die uns Frauen nicht an der zweiten Stelle hinter dem als männlich vorgestellten Abbild Gottes sieht, sondern gelebte Erfahrungen von Frauen einbezieht und die befreiende, ermutigende Botschaft entfaltet. „Ich bin gut, ganz und schön“ – dieser Grundsatz der Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel prägt mein Frau-Sein seit den 80er-Jahren. Zudem fühle ich mich verbunden mit all denen, die sich in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion für Gleichberechtigung einsetzen. So bedeutet Frau-Sein für mich, dankbar zu sein für mein Leben und meine Talente und mich zu engagieren – dort, wo Frauenrechte nicht geachtet und Menschenrechte verletzt werden – und bei Gewalt gegen Frauen gesellschaftspolitische Maßnahmen einzufordern. Frauenleben darf nicht geprägt sein von Abhängigkeit, Abwertung und Geschlechterkampf. Frauen wissen selbst, wie sie leben wollen, Männer sollen mit Sorgfalt auf Frauen hören und ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

"So bedeutet Frau-Sein für mich, dankbar zu sein für mein Leben und meine Talente und mich zu engagieren – dort, wo Frauenrechte nicht geachtet und Menschenrechte verletzt werden – und bei Gewalt gegen Frauen gesellschaftspolitische Maßnahmen einzufordern."

„Nichts ist mehr so wie früher“ – dies soll uns nicht ent-, sondern ermutigen. Denn eines ist gewiss: Ohne Frauen gibt es keinen Staat, keine lebendige Kirche, keine funktionierende Gesellschaft – ohne uns Frauen ist kein lebenswertes Leben möglich.


miteinander-Magazin 3-4/23

Anna Pfleger MBA

leitet seit 1992 das diözesane Bildungshaus „Haus der Frauen – Bildung Spiritualität Auszeit“ in der Steiermark. Die zweifache Mutter ist seit mehr als 30 Jahren verheiratet. „Halbe-halbe“ galt bei beiden Karenzzeiten und wird in der gesamten Familienarbeit gelebt.

 

Weltfrauentag

Frau-Sein im Kampf um Normalität

Frau-Sein bedeutet für mich eine ganze Palette von einander auch widersprechenden Weltsichten und Empfindungen: In meiner Kindheit war ich – als Älteste von fünf Töchtern – von Mädchen und Frauen umgeben. Barbie-Puppen verweigerten uns unsere Eltern. Durch das
fehlende „Komplementärgeschlecht“ waren wir sehr frei zu wählen, was zu uns passt.

 

Wir wurden vom Umfeld nie in hübsch-brav oder stark-wild eingeteilt. In der Schule lernte ich aber schnell, wie Mädchen sind: Mädchen laufen nicht und sind nicht laut etc. Es war sehr anstrengend, dem zu entsprechen. Aber es gab kein Entkommen. In den letzten Jahren erleben wir eine Öffnung. Frauen sind immer noch das Andere, das Un-Eigentliche, der Nicht Normalfall. Aber die Art, wie junge Frauen mit ihrem Körper und ihrer Umwelt umgehen,
imponiert mir sehr. Sie drücken sich nicht weg und haben eine Sicherheit, die es in meiner Jugend noch nicht gab.

 

Es gibt die Theorie, dass Frauen etwas sehr Mächtiges innewohnt – eine Verbundenheit mit den Anfängen, mit Gott. Es ist ein radikales Eins-Werden mit der Welt,  wenn in einer Frau ein Kind heranwächst und wenn Frau und Kind gemeinsam die Geburt und die erste Zeit danach durchleben. Das macht denen, die diese Verbindung nicht haben, Angst. Und irgendwann bekamen Männer das Gefühl, diese Macht beherrschen (sic) zu müssen. Es ist typisch für unser Geschlechterverhältnis, dass die Frau als Besitz des Mannes gesehen wird. Bis hin zum gefühlten Recht auf Gewaltanwendung, wenn die Frau sich entscheidet, ihr Leben autonom, ohne den Mann führen zu wollen.

"Frau zu sein bedeutet für mich den Kampf für Frauenrechte, damit dadurch Normalität einkehrt im Verhältnis der Geschlechter."

Was mein Leben als Frau demnach sehr prägt, ist diese Schicksalsgemeinschaft von klugen, starken, fähigen, weltzugewandten, ideenreichen Wesen, die in praktisch allen Teilen der Erde von der anderen Hälfte als nicht gleichwertig gesehen werden. Frau zu sein bedeutet für mich somit den Kampf für Frauenrechte, damit dadurch Normalität einkehrt im Verhältnis der Geschlechter.


miteinander-Magazin 3-4/23

Dr. Katharina Renner

ist seit 2021 Vizepräsidentin der Katholischen Aktion Österreich und in der PfarrCaritas der
Erzdiözese Wien tätig. Die Theologin und Soziologin ist Mutter von vier Söhnen, die den Feminismus mit der Muttermilch aufgesogen haben.

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