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Aus dem neuen »miteinander«

Ein Konvertit als Kirchenlehrer

John Henry Newman

John Henry Newman wurde 2025 zum Kirchenlehrer der Neuzeit erhoben. Er liefert Impulse auf Fragen der GegenwartVon Daniel SEPER

miteinander 7-8/2026

miteinander 7-8/26

Es ist das „Who is Who“ der großen Theologen der katholischen Kirche – und nun hat dieser exklusive Kreis Zuwachs erhalten: John Henry Newman wurde in die Reihe der Kirchenlehrer aufgenommen. Diese Entscheidung hat Signalwirkung. Denn nicht allein die Heiligkeit seines Lebens war ausschlaggebend, sondern vor allem der nachhaltige Einfluss seiner Schriften und die bleibende Aktualität seines Denkens. Und das wird von jemandem gesagt, der seinen Weg als anglikanischer Priester begann.

 

Lebens-Wandel

Geboren 1801 in London und 1825 in Oxford ordiniert, wurde sein Denken zunächst in der anglikanischen Tradition geprägt. Besonders die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte beeinflussten ihn nachhaltig. In der Oxford-Bewegung setzte er sich für eine Erneuerung der Kirche im Geist der Urkirche ein. Doch er kam in seiner Gemeinschaft nicht zur Ruhe. In seiner Suche nach Wahrheit fand er in der Mitte seines Lebens eine neue geistliche Heimat, und zwar mit der katholischen Kirche gerade in jener Gemeinschaft, die er zuvor noch der Häresie bezichtigte. 1845 konvertierte er, ein Schritt, der für Aufsehen in London und Rom sorgte. 1847 wurde er zum Priester geweiht, später zum Kardinal erhoben.

„Leben heißt sich wandeln,

und vollkommen sein heißt,

sich oft gewandelt zu haben.“

„Leben heißt sich wandeln, und vollkommen sein heißt, sich oft gewandelt zu haben.“ Dieser Satz prägt nicht nur Newmans Biografie, sondern auch sein theologisches Denken. Entwicklung bedeutet für ihn keine Anpassung an den Zeitgeist, sondern eine organische Entfaltung der Wahrheit. Die Lehre der Kirche wächst, indem sie das Überlieferte vertieft und unter neuen Bedingungen zur Geltung bringt. Dabei kommt der ganzen Kirche eine Verantwortung zu: Nicht nur Bischöfe, sondern auch Theologen und Gläubige tragen zur Weitergabe des Glaubens bei. In einer Zeit, in der nach neuen Formen kirchlichen Miteinanders gesucht wird, ist das von besonderer Aktualität.

 

Newman entzieht sich einfachen Einordnungen. „Erst das Gewissen, dann der Papst“ stammt aus der Feder des gleichen Kirchenmannes, der nach dem Ersten Vatikanischen Konzil die päpstliche Unfehlbarkeit gegen seine Kritiker verteidigte. Gleichzeitig ist für ihn das Gewissen kein Ausdruck subjektiver Beliebigkeit, sondern der Ort, an dem der Mensch die Wahrheit erkennt. In seinen Schriften vermochte er Vernunft und Glauben in eine harmonische Verbindung zu bringen und damit scheinbar Gegensätzliches als komplementäre Wege zur Wahrheit aufzuzeigen. Als Konvertit wurde Newman zur Brückenfigur zwischen den Konfessionen. Sein Leben steht für die Möglichkeit von Einheit ohne Verlust der eigenen Geschichte und Persönlichkeit – ein starkes Zeichen gegen die Polarisierung unserer Zeit.

 

Kirchen-Lehrer

Mit dem Titel „Doctor Ecclesiae“ steht Newman nun in einer Reihe mit Gestalten wie Augustinus von Hippo, Thomas von Aquin oder Petrus Canisius. Sie alle haben den Glauben so durchdacht, dass er über ihre Zeit hinaus Orientierung gibt. Bei Newman zeigt sich dies besonders darin, Glaube und Wandel, Gewissen und Autorität sowie Einheit und Vielfalt zusammenzudenken.

Gefördert wurde die Rezeption Newmans besonders durch Benedikt XVI., der ihn 2010 persönlich seligsprach. Benedikt XVI. gilt übrigens selbst als aussichtsreicher Kandidat dafür, einmal in den Kreis der Kirchenlehrer aufgenommen zu werden. Dann hätte er eine weitere Verbindung zu Newman, dessen Denken genauso herausfordert – und dazu einlädt, den Glauben in der Spannung von Treue zum Alten und Entwicklung von Neuem zu durchdringen.

 

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