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Aus dem neuen »miteinander«

„Ein Ort mit viel Liebe“

Interview mit Alfred Huemer zur Reisebegleitung nach Lourdes

Seit rund 50 Jahren begleitet Alfred Huemer Pilger nach Lourdes. Im miteinander-Gespräch erzählt er, was ihn dazu antreibt, weshalb er Menschen begleitet und welche Wunder er erlebt hat.

Das Interview führte Christopher ERBEN

miteinander 9-10/2026

Zugehörig fühlen

Wie war Ihre erste Reise nach Lourdes?
Sehr ungewöhnlich. Als ich im Jahr 1977 das erste Mal teilnahm, war ich als Techniker
für die Installation von Lautsprechern und der Verstärkeranlage im Zug verantwortlich, damit unsere Pilger die Messen und den Rosenkranz mitverfolgen und somit auch mitbeten konnten. Da ich nach der Ankunft und bis zur Rückfahrt als Techniker nichts mehr zu tun hatte, wurde ich als Krankenträger eingesetzt.

 

Was hat sich seither geändert?

Während wir früher vier Tage mit dem Zug von Wien nach Lourdes unterwegs waren, sind es mit dem Flugzeug, das wir seit dem Jahr 1990 chartern, nur mehr wenige Stunden. Früher reisten in jedem Zug über 600 Personen – heute sind es rund 190, von denen bis zu 50 betreut werden müssen. Als Chef-Brancardier (dt. Tragender Träger) bin ich heute mit dem Team des Marianischen Lourdeskomitees für die Unterstützung der mitreisenden Kranken sowie auch für den Ablauf der Pilgerreise organisatorisch verantwortlich.

 

Was macht die Pilgerfahrt besonders?

Jede ist anders. Die Kranken stehen dabei immer an erster Stelle. Für sie gibt es einen vorgegebenen Ablauf während des mehrtägigen Aufenthalts. Auch Zeit, um mit den Kranken Andenken zu besorgen, ist immer eingeplant. Sonntags findet zum Beispiel das Pontifikalamt in der unterirdischen „Basilika Pius X.“ statt. Was mich sehr beeindruckt, ist, dass dabei in verschiedenen Sprachen gesungen und gebetet wird. Mit vier großen Videowänden und einer gigantischen Orgel ist das jedes Mal ein imposantes Erlebnis im Glauben.

 

Zugehörig fühlen

Gemeinsam in Lourdes: Alfred Huemer mit seiner 98-jährige Mutter und seiner Schwester.
 

Spirituelle Erfahrungen begleiten Pilgernde. Was hat Sie geprägt?

Ich verbinde mit Lourdes einen Ort der Liebe und des Glaubens. Viele holen hier Kraft für ihr weiteres Leben. Manche Kranke erzählten mir, dass sie nach der Pilgerfahrt lange mit deutlich weniger Schmerzmittel auskommen. Auch Wunder habe ich hier erlebt – etwa jenes von einer Tierärztin, bei der sich nach einem Brustkrebs mehrere Metastasen im Körper bildeten. Nach Lourdes wurde von Ärzten festgestellt, dass alle ohne Erklärung verschwunden waren. Soweit mir bekannt ist, lebt sie heute noch.

 

Was erfüllt Sie?

Ich bin Wiederholungstäter – so wie die meisten in unserer Stammmannschaft. Ich wurde nach Lourdes süchtig, weshalb ich mich bis heute im Komitee engagiere. Immer nehme ich von dort viel mehr Energie und Kraft nach Hause mit, als ich dort als Betreuer einbringen kann. Die Pilgerfahrt wirkt in mir auch bis zum nächsten Mal nach. Sie ist zwar überaus anstrengend – jeder Tag dauert oft bis zu 18 Stunden, aber auch sehr bereichernd. Solange ich gesundheitlich fit bin, mache ich mit.


Zugehörig fühlen

Das Marianische Lourdeskomitee (MLK)

ist ein kirchliches Institut der Erzdiözese Wien. Ein Merkmal ist die Betreuung und Begleitung von kranken Pilgern nach Lourdes. Diese werden von ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzten, diplomierten Pflegehelfern, Priestern und Ordensschwestern begleitet. Lourdes liegt im Südwesten Frankreichs und ist eine der meistbesuchten Wallfahrtsorte. Im Jahr 1858 erschien der damals vierzehnjährigen Bernadette Soubirous (1844–1879) die Gottesmutter.

www.lourdeskomitee.at

 

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