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Aus dem neuen »miteinander«

Erinnern für die Zukunft

Nachhaltiges Gedächtnistraining

Namen scheinen vergessen, die Fähigkeit zu Schreiben verloren und die Leichtigkeit des Sprechens wird zum Kraftakt: Die Veränderung der Gedächtnisleistung bemerkte Christiana mit Mitte 60. Die Diagnose: Gehirntumor. Heute genießt die Pensionistin das Leben – und trainiert dafür nachhaltig. Von Lukas CIONI.

miteinander 9-10/2022

Christiana

Die Wiener Thaliastraße im 16. Bezirk ist sonnendurchflutet. Die Bäume rund um den nahe gelegene Hofferplatz leuchten in sattem Grün. Hier liegt, etwas versteckt, der Innenhof des Generationentreffs „Klub+“ – ein Ort, konzipiert für verbindende Interaktionen von Alt und Jung. Adrett gekleidet in einem sommerlichen Oberteil, sitzt Christiana umgeben von blühenden Hochbeeten auf einer Holzbank. Die 74-Jährige genießt den Tag bei Kaffee mit Freunden. Momente wie diese sind für Christiana „etwas Besonderes und nicht selbstverständlich“. Die Abnahme ihrer Gedächtnisleistung bemerkte sie mit 66 Jahren. Was einst leicht über die Lippen ging, wurde ihr immer häufiger zum unüberwindlichen
Hindernis. Auch im Job fiel es ihr immer schwerer, die richtigen Worte zu finden: „Ich konnte Kunden-Namen und Telefonnummern nicht mehr aufschreiben. Ein Kraftakt – erschreckend. Ich habe mich richtig geschämt“, sagt sie. Alltägliches, wie Warenbestellungen oder Zahlscheine zu unterschreiben, wurde unmöglich. „Das waren richtige Gedächtnislücken“, sagt Christiana. Sie wandte sich an eine Neurologin. Eine Computertomographie
brachte den Befund: Gehirntumor. Die lebensnotwendige Operation im Wiener Krankenhaus SMZ-Ost wurde durch Komplikationen erschwert: Christiana wurde reanimiert und lag schließlich zehn Tage im Koma.

 

Zurückgekämpft

Drei Monate verbrachte sie im Spital. „Ich musste Banales wie das Schlucken wieder erlernen. Konnte weder gehen noch sprechen“, sagt Christiana. „Das will ich meiner Tochter nicht noch einmal antun, also muss ich dafür kämpfen und aktiv bleiben“, betont die zweifache Mutter. Mit Ehrgeiz und Willenskraft arbeitet sich Christiana aus dem Bett in den Rollstuhl und aus dem Rollstuhl auf die Beine. Während eines vierwöchigen Aufenthalts in der Therapiestation „Rosenhügel“ kämpft sie sich mithilfe von Ergo-, Logo- und Gleichgewichtstherapie – ergänzt durch psychologische Betreuung – zurück ins Leben. Mit Stolz erinnert sich Christiana an den ersten selbst geschriebenen Brief: „Eine Danksagung an das Team des SMZ-Ost.“

Doch während ihr Körper Fortschritte macht, bleibt die Gedächtnisleistung hinter den Erwartungen zurück: „Der Bankcode oder wie man zu Geld kommt, alles war weg.“ Nach Ihrer Entlassung aus dem Reha-Zentrum und entgegen aller Selbstzweifel motiviert sich Christiana weiter: „Das muss man wirklich wollen und davon überzeugt sein“, sagt die resolute Pensionistin. Freiwillig folgen mehr als zwei Jahre Logopädie: „Erst hier habe ich wirklich wieder normal sprechen und lesen gelernt.“ Christianas ehrgeiziges Ziel: „Selbstständig leben und die Orientierung behalten“, wie sie sagt. Unterstützt wird sie durch Familie und Freunde.

 

Nachhaltig Lernen

Ob Spaziergänge mit dem Familienhund Calimero, wöchentliches Schwimmtraining im Ottakringer Bad oder Motorik-Übungen: Christiana hält sich fit. Ergänzend helfen Kartenspiele wie „Räubern“ und „Jolly“, aber auch Apps wie „Wort-Guru“ und „Word-Search“. „Ich spiele täglich mit voller Konzentration“, sagt sie. Seit mehr als einem Monat trainiert Christiana zudem mit einer neuen interaktiven Technologie für Sprachtherapie – dem Memocorby.

Christiana trainiert spielerisch mit MemocorbyChristiana trainiert spielerisch mit MemocorbyChristiana trainiert spielerisch mit Memocorby

Bestehend aus einer Software und bunten Würfeln, mit integrierter Aufnahme- und Lautsprecherfunktion, fördert Memocorby mit personalisierten Übungen die Steigerung der Gedächtnisleistung. „In Österreich leben derzeit etwa 130.000 Menschen mit Demenz“, sagt Elisabeth Dokalik-Jonak, Ideengeberin und Memocorby-Geschäftsführerin, bei ihrem Besuch im Generationentreff „Klub+“. Die bunten Würfel erlauben es, Worte nicht nur zu hören, sondern sie im wahrsten Sinne zu begreifen. „Aussprache, Artikulation, Konzentrations- sowie Reaktionsfähigkeit und die Beweglichkeit der Finger werden verbessert“, sagt Dr. Dokalik-Jonak.

Christiana stellt ein Tablet und bunte Memocorby-Würfel vor sich auf einen Tisch. Kaum aufgebaut, absolviert sie erste Übungen – immer mit einem hohen Anspruch an sich selbst: „Wo bleiben die schweren Aufgaben?“, fragt sie scherzhaft. Man merkt ihr den Spaß an, den das spielerische Lernen ihr bereitet.

Christiana erinnert sich an ihre Kindheit in einer künstlerisch-musischen Familie, den Besuch des Internats Sacré Coeur Pressbaum oder an ihren Bankcode – wertvolle Erinnerungen, für welche die Großmutter zweier Enkel täglich trainiert. „Kostbar wie ein Schatz, den es auch zukünftig zu bewahren gilt“, sagt sie kämpferisch.


 

Welt-Alzheimertag: 21. September

„Dementia“, lateinisch „ohne Geist“. Betroffene der Demenzerkrankung weltweit: 46,8 Millionen Menschen. In Europa: 10,5 Millionen. In Österreich: 130.000, davon rund 70 % Frauen und 30 % Männer. Infos unter: alzheimer-gesellschaft.at memocorby.at

 

 

 

 

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