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Aus dem neuen »miteinander«

Erinnerung an die Zukunft

Editorial aus dem "miteinander" | Ausgabe 3-4 / 2023 - Von Chefredakteur Henning KLINGEN

Meine Erinnerung an die Zukunft setzt Mitte der 1980er-Jahre ein. Sie begrüßte mich in leuchtendem Blau mit einem pulsierenden Cursor und der rätselhaften Zeichenfolge: „Commodore 64 Basic 64k Ram System 38911 Basic Bytes free Ready“.

Der erste Computer – ein C64 – hatte bei uns familiär Einzug gehalten. Und mit ihm die Verheißung, dass dieser braune Brotkasten den Weg in die Zukunft weisen würde. Dass diese Zukunft zunächst vor allem aus stundenlangen Videospielen bestand, steht auf einem anderen Blatt.

"Gott ist diese Zusage einer ganz anderen Zukunft, die bereits unter uns ist – als
Leerstelle, als Sehnsucht. Computer können sie nicht berechnen. Syntax error. Wir können sie erhoffen, erbeten und unseren Teil dazu beitragen."

Tatsächlich hat mich jegliches technische Gerät immer schon fasziniert. Vom C64 über Lego-Technik-Bausätze, Chemie- oder Physik-Baukästen bis hin zu Videokameras. Die Technik zu verstehen, sie zu nutzen, stellte eine Wasserscheide zu Eltern und Älteren dar, denen das oft nur wie Hexenwerk vorkam.

 

Technik war für mich damals ein unschuldiger, ja gänzlich mit utopischem Potenzial aufgeladener Begriff, eine Verheißung. Keine Spur von „Big Data“, von Algorithmen, die mein Verhalten voraussagen, mein Konsumverhalten steuern, in den Straßen keine Heerscharen von Smartphone-Zombies, die auf ihre eigene Hand statt dem anderen ins Gesicht schauen. Aber eben auch noch keine Spur von zukunftsträchtiger Elektro-Mobilität, von viele Abläufe erleichternder Digitalisierung, von weltweiter Kommunikation im Millisekundentakt und computergestützter Hightech-Medizin. Nachrichten wurden noch vom Postboten kuvertiert zugestellt. In Lebenszeit statt in Echtzeit.

„Papa, du klingst ja schon wie Oma und Opa!“, höre ich den Einspruch meiner Kinder. Stimmt. Und das ist auch gut so. Denn die gar nicht so schöne neue Technik-Welt verlangt nach beidem: nach kindlich-unbedarfter Neugier ebenso wie nach erfahrungsgesättigter Skepsis und Nüchternheit.

 

Religion wirkt in einer durch und durch technifizierten Zivilisation wie ein Relikt der Vergangenheit. Und auch das ist gut so, birgt sie doch das Versprechen einer Zukunft, die von keinem iPhone, von keinem Chatbot und von keiner Künstlichen Intelligenz erdacht oder gar glaubhaft tradiert werden kann. Es ist dies das Versprechen von Zukunft, die mehr ist als prolongierte optimierte Gegenwart. Die mehr ist als ein weiteres technisches Update unserer selbst. Eine Zukunft, die mit dem Tun des Gerechten mnäher rückt und doch nur dann „real“
wird, wenn sie von außen kommt, wenn sie mit dem bricht, was uns umklammert hält. Gott ist diese Zusage einer ganz anderen Zukunft, die bereits unter uns ist – als Leerstelle, als Sehnsucht. Computer können sie nicht berechnen. Syntax error. Wir können sie erhoffen, erbeten und unseren Teil dazu beitragen. Und uns bis dahin ab und zu mal mit den eigenen Kindern beim Computerspielen messen.

 

miteinander-Chefredakteur Dr. Henning Klingen

miteinander-Chefredakteur Dr. Henning Klingen

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