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Aus dem neuen »miteinander«

Heiligtümer der Welt

Wissenswertes zu heiligen Orten

Religionen brauchen Orte, an denen sich Geschichte, Glauben und Gemeinschaft verdichten. Manche sind klar definiert, andere eher symbolisch zu verstehen. Sie geben Gläubigen eine Richtung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Ein Blick auf diese Zentren zeigt: Glaube ist nie nur innerlich – er hat immer auch einen Ort in dieser Welt. Von Rainer MANZENREITER

miteinander 9-10/2026

miteinander 9-10/26

Heiligtümer geben Gläubigen Platz und eine Richtung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Ein Blick auf diese Zentren zeigt: Glaube ist nie nur innerlich – er hat immer auch einen Ort in dieser Welt.

 

miteinander 9-10/26

Mekka – Zentrum des Islam

Mekka in Saudi-Arabien gilt als das zentrale Heiligtum des Islam. Im Mittelpunkt der Stadt steht die Kaaba im Innenhof der Großen Moschee (al-Masjid al-Haram). Sie ist der wichtigste Bezugspunkt der islamischen Gebetspraxis. Musliminnen und Muslime weltweit richten ihr Gebet fünfmal täglich in Richtung Mekka aus, unabhängig davon, wo sie sich befinden. Diese Gebetsrichtung ist ein verbindendes Element der islamischen Glaubenspraxis und schafft eine weltweit einheitliche religiöse Ausrichtung. Mekka ist darüber hinaus Ziel der jährlichen Pilgerfahrt (Haddsch), die zu den fünf Säulen des Islam gehört. Dabei reisen Millionen Gläubige aus unterschiedlichen Ländern an, um festgelegte Rituale zu vollziehen, darunter das Umrunden der Kaaba und Stationen an heiligen Orten in und um Mekka. Während dieser Zeit wird die Stadt zu einem der größten religiösen Versammlungsorte weltweit und erhält eine besondere organisatorische und spirituelle Bedeutung für die islamische Gemeinschaft.

 

miteinander 9-10/26

Klagemauer – Gebet in Jerusalem

Die Klagemauer in Jerusalem ist der bedeutendste heute zugängliche Ort des Judentums. Sie ist Teil der westlichen Stützmauer des ehemaligen Tempelbergs und stammt aus der Zeit des zweiten Tempels, der im Jahr 70 n. Chr. zerstört wurde. Seit dieser Zerstörung hat sich die Klagemauer zu einem zentralen Ort des Gebets, der Erinnerung und der religiösen Versammlung entwickelt. Menschen aus aller Welt besuchen sie, um persönliche Gebete zu sprechen, Bitten auf Zetteln in die Mauerritzen zu legen oder religiöse Feste zu begehen. Der Ort ist öffentlich zugänglich und wird täglich genutzt. Gleichzeitig ist das Judentum nicht auf einen zentralen Ort konzentriert, sondern weltweit in Gemeinden organisiert. Religiöses Leben basiert auf der Tora, Gebetspraxis und gelebter Tradition. Jerusalem bleibt dabei ein wichtiger historischer und symbolischer Bezugspunkt, der die Verbindung zur Geschichte des Tempels und zur religiösen Identität des Judentums aufrechterhält.

 

miteinander 9-10/26

Bodhgaya – Ort der Erleuchtung

Bodhgaya im indischen Bundesstaat Bihar zählt zu den wichtigsten Pilgerorten des Buddhismus. Nach der religiösen Überlieferung erreichte Siddhartha Gautama hier unter dem Bodhi-Baum, einer Pappel-Feige, die Erleuchtung und er wurde zum Buddha. Dieses Ereignis bildet den Ausgangspunkt der buddhistischen Lehre. Am historischen Ort, der seit 2002 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, befindet sich heute der Mahabodhi-Tempel, der Gläubige aus verschiedenen buddhistischen Traditionen anzieht. Pilgerinnen und Pilger verbringen dort Zeit mit Meditation, Gebet oder stiller Kontemplation. Anders als in vielen anderen Religionen gibt es im Buddhismus kein zentrales Macht- oder Verwaltungszentrum. Bodhgaya ist daher kein institutionelles Zentrum, sondern ein Erinnerungs- und Praxisort. Er verweist auf den individuellen Weg zur Erkenntnis, der nicht an eine feste Struktur gebunden ist, sondern durch persönliche Praxis, Achtsamkeit und Meditation verwirklicht werden soll.

 

miteinander 9-10/26

Varanasi – Heilige Stadt am Ganges

Eine der wichtigsten heiligen Städte des Hinduismus: Varanasi im Nordosten Indiens. Die Stadt liegt am Fluss Ganges, der religiös als heilig verehrt wird und eine zentrale Rolle bei Ritualen spielt. Täglich finden an den Uferstufen religiöse Handlungen wie rituelle Waschungen, Gebete und Verbrennungszeremonien statt. Diese Praktiken stehen im Zusammenhang mit hinduistischen Vorstellungen von Reinheit, Karma und dem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt. Der Hinduismus selbst ist nicht zentral organisiert und kennt kein einheitliches Heiligtum oder eine verbindliche religiöse Autorität. Stattdessen existiert er in einer Vielzahl regionaler Traditionen und religiöser Schulen. Varanasi ist einer der Orte, an denen diese Vielfalt besonders sichtbar wird. Weitere Namen der Stadt sind „Benares“ (volkstümliche Abwandlung von Varanasi), „Kashi“ (Stadt des Lichts), „Avimukta“ (die von Shiva nie verlassene), „Anandavana“ (Wald der Glückseligkeit) oder „Mahashmashana“ (großer Verbrennungsort).

 

miteinander 9-10/26

Petersdom – Herz der katholischen Kirche

Eines der wichtigsten Zentren der römisch-katholischen Kirche: der Petersdom in der Vatikanstadt. Er wurde über dem traditionell angenommenen Grab des Apostels Petrus errichtet, der als einer der engsten Jünger Jesu gilt. Der heutige Bau entstand zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert und zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten der Welt. Die Vatikanstadt ist als eigenständiger Staat Sitz des Papstes und administratives Zentrum der katholischen Kirche. Von hier aus werden weltweite kirchliche Strukturen koordiniert und zentrale Entscheidungen getroffen. Der Petersdom ist Ort großer liturgischer Feiern, päpstlicher Zeremonien und internationaler Gottesdienste. Gleichzeitig ist er eines der wichtigsten Pilgerziele des Christentums. Jährlich besuchen Millionen Menschen den Ort. Seine gewaltige Kuppel prägt bis heute markant das Stadtbild von Rom. Damit verbindet der Petersdom institutionelle Funktion, historische Bedeutung und gelebte religiöse Praxis.

 

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