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Aus dem neuen »miteinander«

Läutselige Glaubensboten

Tonangebende Kirchenglocken

Die Pummerin begleitet uns auch ins neue Jahr 2023. Generell takten Kirchenglocken überall, wo sie den Ton angeben, das kirchliche und öffentliche Leben und verkünden allerorts Gottes Gegenwart. Von Wolfgang MACHREICH

 

miteinander 1-2/2023

Florian Bauchinger

Die Pummerin und Florian Bauchinger sind Landsleute. Beide sind Oberösterreicher. Und sie teilen sich denselben Arbeitsplatz: Er ist Domführer zu St. Stephan und sie läutet zu heiligen Zeiten und besonderen Anlässen während des Jahres im Nordturm des Wiener Stephansdoms. Vor 70 Jahren wurde zum Jahreswechsel 1952/53 das Neujahrsläuten als fixer Bestandteil der Läuteordnung eingeführt. Seither läutet die Pummerin das neue Jahr ein und wird als erster Programmpunkt des Jahres für Land und Leute im Österreichischen Rundfunk übertragen.
Er sei schon oft während des Läutens heroben gewesen und habe den „angenehmen, tiefen Klang genossen“, erzählt Bauchinger. Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Pummerin mit weichem B geschrieben, sagt er, „das passt auch besser zu ihrem Klang, sie klingt doch weich, sie macht doch Bumm“. Österreichs größte Glocke nachahmend, lehnt sich Bauchinger an die Metallbrüstung des eisernen Glockenstuhls. Ein Ort zum Festhalten, ein Klang zum Orientieren.

 

Liturgie- und Alltagsklang

So wie dem Domführer geht es vielen Menschen in Österreich und allen Ländern, in denen Kirchenglocken den Ton angeben. Seit über eineinhalb Jahrtausenden gehören Glocken zum liturgischen Leben der Kirche wie zum alltäglichen Leben in der Öffentlichkeit. Glocken sind oft auch nur unbewusst wahrgenommene Begleiter des Alltags, vermitteln ein Gefühl von Heimat, künden von festlichen und traurigen Anlässen, geben den Tagen und Wochen ihren Rhythmus.
Das Glockengeläut prägt das Klangbild in den großen Städten genauso wie in den kleinsten Gemeinden. Immer schon hatte dieses Läuten und Schlagen auch praktische Zwecke: Kirchturmuhr und Stundenschlag verkünden die Uhrzeit. Früher wurde das Geläut unter anderem für Feueralarme und andere Warnrufe oder zum Einläuten feierlicher Anlässe genützt. Die Tradition des „Wetterläutens“, damit herannahende Unwetter hoffentlich einen Bogen um den Ort machen, wird von umsichtigen Mesnerinnen und Mesnern vielerorts immer noch gepflegt.

„Der Klang der Glocken ist die Botschaft der Weihe“

Missionare in Dur & Moll

Neben diesen säkularen Aufgaben haben Glocken und Geläut ihre sakrale Berufung: Sie laden zum Gottesdienst und verkünden im Wandlungsläuten das „Geheimnis unseres Glaubens“. Das Angelusläuten ruft zum Gebet, wo immer man gerade ist. Die Totenglocke läutet für ein eben verstorbenes Gemeindemitglied und das Scheideläuten am Freitag um 15 Uhr erinnert an die Todesstunde Jesu.
Die Glocken sind aktiver Teil des Gotteslobs der Kirche und klingen quasi als Missionare in Dur & Moll in den öffentlichen Raum hinaus. „Der Klang der Glocken ist die Botschaft der Weihe“, nannte der deutsche Priester und Religionsphilosoph Romano Guardini die Berufung zum Läuten, „Botschaft von Gott ohne Grenzen und Enden; die Botschaft der Sehnsucht und der unendlichen Erfüllung“. Ihre gottesdienstliche, religiöse Funktion zeigt sich auch an den Glockenweihen mit Weihwasser, Weihrauch und der Salbung mit Chrisam, bevor es hinauf geht in die oberste Etage des Glockenturms. Dass jede Glocke entweder der göttlichen Dreieinigkeit, Jesus Christus oder Maria, einem der vier Evangelisten oder einem anderen Heiligen gewidmet ist, zeigt ebenfalls ihre Verortung im Innersten des christlichen Glaubens.

 

Maria und Frieden geweiht

Domführer Bauchinger zeigt auf eine Inschrift der Pummerin, die sich auf das Herstellungsdatum ihrer Vorgängerin bezieht: „Gegossen bin ich aus der Beute der Türken, als die ausgeblutete Stadt nach tapferer Überwindung der feindlichen Macht jubilierte. 1711.“ Ein zweiter Text auf der Glocke beschreibt den Anlass für den Neuguss: „Geborsten bin ich in der Glut des Brandes. Ich stürzte aus dem verwüsteten Turm, als die Stadt unter Krieg und Ängsten seufzte. 1945.“
Die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs läuteten auch in der Glockenstube am Nordturm des Stephansdoms eine Zeitenwende ein: „Aus der Glocke des Siegs über die Türken ist eine Friedensglocke geworden. Die Maria der neuen Pummerin ist nicht mehr die Generalissima des Entsatzheers, sondern die Friedenskönigin“, sagt Bauchinger und zeigt auf die dritte Inschrift, in der es nach Auflistung der geistlichen, politischen und handwerklichen „Väter der Glocke“ heißt: „geweiht der Königin von Österreich, damit durch ihre mächtige Fürbitte Friede sei in Freiheit“.

 

 

 

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