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Aus dem neuen »miteinander«

Mehr als die Summe seiner Gene

Essay der Menschwerdung

Der Mensch steht – jenseits seiner biologisch-genetischen Grundausstattung – immer schon mit einem Fuß im Absoluten. Das zeichnet ihn aus und macht ihn zum Mensch. Von Matthias BECK.

 

miteinander 11-12/2022

DNA in hand on blue background concept design.

Was ist der Mensch? Dies ist eine der drei großen Fragen von Immanuel Kant. Warum gibt es Menschen und warum gibt es mich? Manche sagen: Darauf gibt es keine Antwort. Durch den Urknall ist die Welt entstanden und hat sich dann von den Pflanzen über die Tiere bis hin zum Menschen entwickelt. Andere sagen: Aus dem Nichts wird nichts. Das Nichts knallt nicht. Wieder andere behaupten: Am Anfang war Energie. Das Wort „Energie“ kommt aus dem Griechischen von en ergeia und das meint: ins Werk setzen. Energie setzt etwas ins Werk. Die Traditionen des Judentums und des Christentums verwenden dafür den Begriff der Schöpfung. Nur der Schöpfer (Jahwe, Gott) kann aus dem Nichts etwas machen.

 

Warum existiere ich? Die Antwort ist zunächst einfach: Weil Eltern mich gezeugt haben. Jeder Mensch existiert nicht aus sich heraus, sondern wird von anderen Menschen ins Leben gebracht. Jeder Mensch bekommt von den Eltern genetische Ausstattung, psychische Prägung, Erziehung, Bildung mit auf den Weg. Die fremden Gene von Vater und Mutter formen sich zu einem neuen, einmaligen Genom. Zu den genetischen Grundausstattungen kommen sogenannte epigenetische Einflüsse hinzu. Diese aktivieren und deaktivieren die Gene. Die epigenetischen Faktoren liegen zum Teil im Genom selbst, in der Umgebung oder in der seelischen Verfassung des Menschen. Der Lebensstil des Einzelnen hat entscheidenden Einfluss auf die genetisch-epigenetischen Verschaltungen.

"Das Christentum hat hier etwas Besonderes zu bieten: Es geht davon aus, dass der Urgrund des Seins, das göttliche Wort, in der Person Jesu Christi Mensch geworden ist. Dieser göttliche Mensch lebt vor, wie das Leben des Menschen gemeint ist. Daran kann sich jeder orientieren."

Anlässe zum Staunen

Im Laufe des Lebens muss jeder Mensch immer mehr Entscheidungen treffen. Woran soll er sich orientieren? Da gibt es ethische Regeln, die äußeren Halt geben. Die Frage ist, wo diese Regeln herkommen – etwa aus der griechischen Philosophie oder dem Judentum mit den Zehn Geboten. Das Christentum hat hier etwas Besonderes zu bieten: Es geht davon aus, dass der Urgrund des Seins, das göttliche Wort, in der Person Jesu Christi Mensch geworden ist. Dieser göttliche Mensch lebt vor, wie das Leben des Menschen gemeint ist. Daran kann sich jeder orientieren. Für manche ist das eine eigenartige Vorstellung, dass das göttliche Wort Mensch geworden ist. Für andere ist es nur logisch, dass Gott sich dem Menschen so weit wie möglich nähert, um ihm zu vermitteln, wie der göttliche Vater das Leben gemeint hat. So gibt es mehrere staunenswerte Dinge: das „Funktionieren“ der Natur und des menschlichen Lebens, die Menschwerdung Gottes, die hinwirkt in die Menschwerdung des Menschen.

 

Die Menschwerdung des einzelnen Menschen ist zunächst ein naturwissenschaftlicher Vorgang (Zeugung). Dann aber kommt der Einzelne immer mehr ins Spiel. Als Mensch ist er immer schon auf etwas anderes ausgerichtet: auf die Dinge des Lebens, den anderen Menschen und – wie der Philosoph Hegel sagt – auf das Absolute. Der Mensch steht immer schon im Raum des Absoluten, sonst könnte er das Relative nicht als relativ erkennen. Blaise Pascal drückt es so aus: Der Mensch überschreitet den Menschen um ein Unendliches. Zu dieser Grundausrichtung auf das Absolute muss er sich aber immer wieder neu entscheiden. Dabei kommt ihm das menschgewordene Absolute, das menschgewordene Wort Gottes immer neu entgegen. Sich auf dieses Wort einzulassen und es im Leben umzusetzen, das ist die wahre Menschwerdung des Menschen.

 


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Dr. Matthias Beck

ist Mediziner, Pharmazeut und Theologe. Bis heuer war er a. o. Professor für Moraltheologie an der Universität Wien. Er ist zudem katholischer Priester und Mitglied der Österreichischen Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt.

 

 

 

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