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Aus dem neuen »miteinander«

Springst du, springe ich

Naturschauspiel

Seit einigen Jahren brütet Gänsesäger-Dame Gerda hoch oben im Glockenturm der Tiroler Pfarrkirche in Schwaz. Fernab der natürlichen Uferzone liegt ihr außergewöhnlicher Nistplatz in rund 50 Metern Höhe. Nach dem Schlüpfen der Küken kommt es hier regelmäßig zu einem spektakulären Moment: einem gemeinsamen Sprung vom Kirchturm in die Tiefe. Von Lukas CIONI

miteinander 11-12/2026

Zugehörig fühlen

Grüne Wälder, gepflegte Äcker und die anmutige Tiroler Stadt Schwaz – was vom Glockenturm der Pfarrkirche aus idyllisch erscheint, bedeutet für die Küken von Gerda vor allem eines: einen mutigen Sprung als Start ins Leben. Dabei folgen die Jungtiere dem Ruf ihrer Mutter – selbst dann, wenn dieser in rund 50 Meter Tiefe führt. Das tierische Phänomen ist nicht neu, denn Gänsesäger-Weibchen Gerda nutzt den Turm bereits seit einigen Jahren erfolgreich als Nistplatz, wie Verantwortliche der Stadt Schwaz gegenüber Regionalmedien erklären.

 

Mutprobe: Leben
Der Sprung aus schwindelerregender Höhe findet jährlich im Mai in den Wochen nach dem Schlüpfen statt. Grund zur Sorge besteht dabei nicht. Gänsesäger zählen als größte Vertreter der Gattung der Säger zur Familie der Entenvögel und ihre Küken sind biologisch gut auf Sprünge aus großen Höhen vorbereitet. Ihr geringes Gewicht und das weiche Daunengefieder federn den Aufprall auf den Wiesenboden im Innenhof der Pfarrkirche Schwaz ab.

Naturexperte Reinhard Hölzl begleitet Gerda bereits seit Langem. Vor allem Instinkt und das Vertrauen in die Mutter, die als Erste den Sprung wagt, gebe den Küken Sicherheit. „Wenn du springst, springe ich“, scheint das stille Motto der Gänsesäger-Familie zu sein. Tiroler Medien beschrieben das Geschehen bereits als „beeindruckendes Naturschauspiel“, bei dem die Tiere „aus großer Höhe ihrem Muttertier folgen“.

 

Balanceakt am Kirchturm
In der Zeit vor dem Sprung verteidigt Mutter Gerda ihre Brut gegen Feinde – insbesondere gegen Krähen, die den Schwazer Kirchturm ebenfalls als Lebensraum nutzen. Die sogenannten Dohlen attackierten Gerdas Brutplatz bereits wiederholt. Ein regelrechter „Kampf um das Nest“, wie Tiroler Zeitungen titelten, bei dem Gerda ihre Jungen und den Brutplatz entschlossen schützt.

Dass die Gänsesäger-Dame dennoch Jahr für Jahr erfolgreich hier im Glockenturm brütet, zeige ihre Anpassungsfähigkeit und Gerdas unermüdlichen Einsatz als Mutter. Ihr Balanceakt zwischen Brutpflege und Dohlen-Abwehr sowie der Sprung der Gänsesäger-Familie aus dem Glockenturm werden im Internet durch einen Livestream der Stadt Schwaz begleitet. Interessierte können hier online jährlich, startend mit April, den Alltag der tierischen Familie bis hin zum spektakulären Turm-Sprung, jeweils im Mai, verfolgen. Dieser markiert den Auftakt zu einer weiteren Reise der Gänsesäger-Familie.

„Dort, wo eine Gemeinschaft zusammensteht,

wird aus einem Sprung ins Ungewisse

ein gemeinsamer Weg ins Leben.“

Gemeinsam ans Ziel
Mit dem Sprung aus dem Kirchturm beginnt für Gerda und ihre Küken der Weg zu ihrem natürlichen Lebensraum – dem Inn. Dabei unterstützt sie eine engagierte Gemeinschaft, bestehend aus Polizei, Securities und freiwilligen Helfern, welche den Weg durch die Stadt Schwaz absichern. Straßen werden kurzzeitig gesperrt, Autos aufgehalten – ein ganzes Stadtgefüge ordnet sich kurzzeitig dem Schutz der tierischen Familie unter.

Ein seltenes Bild gelebter Zusammengehörigkeit: Mensch und Tier, vereint als Gemeinschaft mit dem Ziel, scheinbar Unüberbrückbares möglich zu machen. So erreicht die Gänsesäger-Familie schließlich sicher den Inn – ihr natürliches Habitat. Naturfotograf Reinhard Hölzl zeigt sich nach dem erfolgreichen „Begleitschutz“ erleichtert: „Es ist alles unglaublich schnell vonstattengegangen, war aber dafür umso erfolgreicher“, berichtet er 2023 gegenüber dem Stadtmagazin unser Schwaz.

Zugehörig fühlen

Die Reise von Gänsesäger-Weibchen Gerda und ihren Küken zeigt, wie Natur und Gemeinschaft ineinandergreifen können. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass selbst scheinbar unüberwindbare Herausforderungen – wie ein Sprung aus großer Höhe oder der Weg durch eine fremde Umgebung – bewältigt werden können, wenn alle zusammenarbeiten. Denn dort, wo eine Gemeinschaft zusammensteht, wird aus einem Sprung ins Ungewisse ein gemeinsamer Weg ins Leben.


 

Gänsesäger-Livestream

Einblicke in den Alltag von Gänsesäger-Mutter Gerda und ihren Küken im Kirchturm von Schwaz finden Sie jährlich ab April im Livestream der Stadt Schwaz unter: www.schwaz.at

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